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Das Baugesuch kommt

Visualisierung Marktpavillon. (Bilder: Planergemeinschaft PG Vadian)

Visualisierung Marktpavillon. (Bilder: Planergemeinschaft PG Vadian)

Die lan­ge Ge­schich­te um die Neu­ge­stal­tung von Mark­platz und Bohl geht in die «End­kur­ve». Im drit­ten An­lauf be­wil­lig­ten die Stimm­be­rech­tig­ten im Herbst 2020 27,7 Mil­lio­nen Fran­ken für ei­ne Neu­ge­stal­tung. Das Pro­jekt mit Markt­pa­vil­lons auf dem Platz vor der Acre­vis-Bank und der räum­li­chen Öff­nung der Ach­se Markt-/Go­li­ath­gas­se hat­te aber vie­le Hür­den zu neh­men. 

Wo sol­len die neu­en, fes­ten Markt­stän­de ste­hen und wie gross sol­len sie wer­den? Muss die Ron­del­le wirk­lich weg? Wenn die Bus­se Rich­tung Bahn­hof nicht mehr am bis­he­ri­gen Ort hal­ten, son­dern wei­ter west­lich, vor den Ge­schäf­ten am Markt­platz, wie se­hen dann dort die Dä­cher oder War­te­hal­len aus?

Kei­ne Über­le­bens­chan­ce für die Ron­del­le

Zu all die­sen Punk­ten gab es im Mit­wir­kungs­ver­fah­ren im Früh­ling 2022 kon­tro­ver­se Ein­ga­ben und vor ein­ein­halb Jah­ren gab der Stadt­rat dann be­kannt, man wer­de die dia­go­nal auf dem Platz ste­hen­den Pa­vil­lons um fünf Pro­zent ver­klei­nern. In­zwi­schen sind sie auch in die Platz­mit­te ge­rückt, so dass rund­um wei­te­re mo­bi­le Stän­de auf­ge­stellt wer­den kön­nen. Ob aber die bei­den aus Holz kon­stru­ier­ten Pa­vil­lons mit ih­rem ge­mein­sa­men Dach und je acht Stän­den wirk­lich ei­nem Be­dürf­nis ent­spre­chen, bleibt of­fen. 

Wäh­rend der Bau­zeit wer­den sie­ben Händ­ler:in­nen mit ih­ren Stän­den auf die an­de­re Sei­te der Acre­vis, in die Neu­gas­se, um­zie­hen. Für mehr hat es dort nicht Platz. Der Wo­chen­markt wird wäh­rend der Bau­zeit mehr­mals um­plat­ziert, der Bau­ern­markt wird auf den Gal­lus­platz ver­legt. Nach Fer­tig­stel­lung der Plat­zes wer­den Wo­chen- und Bau­ern­markt auf der Ost­sei­te der Acre­vis Bank in zwei Drei­ecken zwi­schen Stras­se und Va­di­an­denk­mal ih­ren Platz be­kom­men, er­klär­te Stadt­rä­tin Son­ja Lü­thi am Mitt­woch an der Me­di­en­ori­en­tie­rung.

Visualisierung des Marktpavillons mit der geplanten Bibliothek im Hintergrund

Visualisierung des Marktpavillons mit der geplanten Bibliothek im Hintergrund

Für die aus den 1950er-Jah­ren stam­men­de, neune­cki­ge Ron­del­le mit ih­rem «flie­gen­den» Dach gibt es kei­ne Über­le­bens­chan­ce. Es ha­be sich nie­mand ge­mel­det, der das Bau­werk über­neh­men wol­le, sag­te Stadt­rat Mar­kus Busch­or. Falls doch noch je­mand In­ter­es­se ha­be, wür­de die Stadt die Bau­tei­le ver­schen­ken. Der Kel­ler un­ter der Ron­del­le, der zu­erst als Rück­hal­te­be­cken für Me­te­or­was­ser bei Nie­der­schlä­gen vor­ge­se­hen war, soll nun zum Tra­fo­raum wer­den. Ein neu­es Rück­hal­te­be­cken ist längs in der un­te­ren Markt­gas­se ge­plant. Dar­aus sol­len auch die deut­lich zahl­rei­che­ren Bäu­me be­wäs­sert wer­den. 

Für das Rück­hal­te­be­cken muss das Stadt­par­la­ment noch ei­nen Zu­satz­kre­dit von 315'000 Fran­ken be­wil­li­gen. Im üb­ri­gen aber ist das Pro­jekt fi­nan­zi­ell auf gu­ten We­gen. Man wer­de den be­wil­lig­ten Kre­dit­rah­men ein­hal­ten kön­nen – al­ler­dings oh­ne Be­rück­sich­ti­gung der Bau­teue­rung, die seit der Ab­stim­mung be­reits 11 Pro­zent be­trägt.

Flirrende Pailetten als Kunst am Bau

Die Stadt hat für den neu­en Markt­platz auch ein Kunst-am-Bau-Pro­jekt in­ter­na­tio­nal aus­ge­schrie­ben. Ge­won­nen hat den Wett­be­werb die aus der Nä­he des Co­mer­sees in Ita­li­en stam­men­de und in Zü­rich be­hei­ma­te­te Lo­ren­za Longhi (1991). Sie ist laut «Ta­ges An­zei­ger» ein Shoo­ting-Star der Zür­cher Kunst­sze­ne. Stu­diert hat sie an der Kunst­schu­le Bre­ra in Mai­land und der Ecal in Lau­sanne. Heu­te un­ter­rich­tet sie selbst an der Zür­cher Hoch­schu­le der Küns­te (ZHdK). 

Lo­ren­za Longhi  konn­te be­reits an meh­re­ren Or­ten aus­stel­len, dar­un­ter am Swiss In­sti­tu­te in New York und wur­de mit dem Man­or Kunst­preis des Kan­tons Zü­rich aus­ge­zeich­net. Für den St.Gal­ler Markt­platz schlägt sie «Fes­ti­ve Rou­ti­ne» vor: Mün­zen-gros­se Alu­mi­ni­um­plätt­chen die sich im Wind hör­bar be­we­gen und sich ver­än­dern­de Fel­der bil­den, sol­len an Fas­sa­den be­fes­tigt wer­den. Das Werk be­zieht sich mit der Mün­zen­form auf den Markt und mit den flir­ren­den Pail­let­ten auf die lo­ka­le Tex­til­in­dus­trie. 

Ins­ge­samt 22 neu zu pflan­zen­de Bäu­me sind ge­plant, dar­un­ter auch sie­ben ne­ben und hin­ter der Calat­rava­hal­le – ei­ne Mass­nah­me ge­gen som­mer­li­che Hit­ze­inseln. Sechs be­stehen­de Bäu­me müs­sen ge­fällt wer­den, drei da­von weil sie in schlech­tem Zu­stand sind, drei wei­te­re, weil sie der Baue­rei im Weg ste­hen. Weil Som­mer­hit­ze in der Stadt zu ei­nem im­mer grös­se­ren Pro­blem wird, wer­den die Na­tur­stei­ne des künf­ti­gen Markt­plat­zes «un­ge­bun­den» ver­legt, da­mit das Was­ser in den Rit­zen ver­si­ckern kann. Und der Platz be­kommt zwei zu­sätz­li­che Brun­nen.

 Of­fe­ne Fra­gen bei der Ter­min­pla­nung

Die Calat­rava-Bus­war­te­hal­le auf dem Bohl bleibt, wo sie ist. Sie sei bau­lich in ei­nem sehr gu­ten Zu­stand, ha­ben Un­ter­su­chun­gen er­ge­ben. Sie brau­che nur ei­ne klei­ne Auf­fri­schung, so Stadt­rat Busch­or. Die neue Bus­sta­ti­on Rich­tung Bahn­hof wer­de mit leich­ten Dä­chern ver­se­hen – auch sie im We­sent­li­chen ei­ne Holz­kon­struk­ti­on. Bis die Bus­se und die Ap­pen­zel­ler Bah­nen aber die­se neue Hal­te­stel­le an­fah­ren kön­nen braucht es ei­ne halb­jäh­ri­ge Um­lei­tung über den Un­te­ren Gra­ben – so ge­legt, dass zwi­schen Offa und Ol­ma die neu­en Glei­se und Per­rons ge­baut wer­den kön­nen. In wel­chem Jahr das statt­fin­den wird ist al­ler­dings of­fen. 

Über­haupt ist der Ter­min­plan die gros­se of­fe­ne Fra­ge. Wenn das Bau­ge­such An­fang des nächs­ten Jah­res nun auf­ge­legt wird, gibt es Ein­spra­che­mög­lich­kei­ten. Ob dann die mit al­len Be­tei­lig­ten be­spro­che­nen Plä­ne noch­mals be­kämpft wer­den, bleibt of­fen. Soll­ten Ein­spra­chen über meh­re­re In­stan­zen wei­ter­ge­zo­gen wer­den, bleibt der neue Markt­platz in wei­ter Fer­ne. Geht al­les glatt, und braucht die Ar­chäo­lo­gie nicht all­zu lan­ge für ih­re Gra­bun­gen, könn­te der neue Platz En­de 2028 fer­tig sein. 

Gesamtsituation Marktplatz und Bohl

Gesamtsituation Marktplatz und Bohl

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Heftvorschau 07/08/26
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