Es gibt in der Stadt zu wenig Ateliers und Proberäume. Ein Betriebsgebäude in Haggen hätte viele Wünsche erfüllt. Doch dann entschied sich die Stadt für eine andere Nutzung.
Auf der Internetseite der Fachstelle Kultur konnte man das Angebot Ende letzter Woche noch abrufen. Doch es war bereits nicht mehr aktuell: Das Liegenschaftenamt der Stadt St.Gallen hat für die Haggenstrasse 45 einen Mieter gefunden, der gleich die ganze Fläche nutzen will.
Deshalb wird es nun nichts mit der Idee eines kulturellen Kraftwerks im Industriegebäude unterhalb des Bahnhofs Haggen.
Eine erste Führung mit Akteuren aus dem St.Galler Kunst- und Kulturkuchen hatte bereits stattgefunden. Das Gebäude steht leer und gehört der Stadt. Es hätten sich vier, fünf Interessenten gemeldet, bestätigt Madeleine Herzog, Kulturbeauftragte der Stadt St.Gallen. Sie müssen nun umdisponieren. Das Objekt ist nicht mehr auf dem Markt. Die Stadt entschied sich offensichtlich für eine für sie einfachere Lösung: für einen einzigen Mieter statt für viele wechselnde.
Nur so zum Nachtrauern: Auf vier Stockwerken wären dort je rund 1000 Quadratmeter für Proberäume, Ateliers, Büros oder Läden zur Verfügung gestanden.
Immerhin zeigt das Beispiel, wie das Projekt «Zwischen Nischen» funktionieren könnte. Es befindet sich noch bis April in einem viermonatigen Praxistest, der vom kantonalen Amt für Kultur und der städtischen Kulturfachstelle unterstützt wird. Kurz gesagt geht es dabei um die Vermittlung von Zwischennutzungen vielerlei Art: Für Ateliers, Proberäume, Lager, Büros, Ladenlokalen usw. Gesucht werden Besitzer von Liegenschaften, die nicht unbedingt vermieten müssen, aber nicht abgeneigt sind, genau dies zu tun. «Nur fehlen ihnen vielleicht die nötigen Kontakte», erklärt Madeleine Herzog.
Diese Vermittlungsarbeit will «Zwischen Nischen» leisten. Die Projektidee wurde im Januar 2012 an einem Standortforum prämiert, das von der Region Appenzell Ausserrhoden – St.Gallen – Bodensee organisiert worden war. Seither ist die Idee weiterentwickelt worden. Beteiligt war der Verein Ostsinn.
Katja Ruff-Breitenmoser ist die Projektleiterin von «Zwischen Nischen». Sie hat weitere Objekte gefunden, die auf Interessenten warten. Etwa den Eschlerpark in Bühler (AR) mit Räumen für Theaterproben, Lager, Ausstellungen usw. Weiter ein Ladenlokal an der Oberdorfstrasse 8 in Herisau sowie eine Liegenschaft in der Stadt St.Gallen an der Lindenstrasse 69. Dort werden Lager- und Schulungsräume sowie ein Ladenlokal angeboten. Allerdings nur für eine beschränkte Zeit: Der Abbruch der Liegenschaft ist für Frühjahr 2015 vorgesehen.
Wie aber findet «Zwischen Nischen» die Adressen solcher Liegenschaften? «Unter anderem, indem man durch die Strassen geht und nachfragt», erklärt Katja Ruff. Sie erhalte immer wieder auch Tipps. Falls das Projekt den Praxistest übersteht, soll es dann eine Homepage mit Informationen zu den Angeboten geben. Voraussetzung ist aber, dass eine Trägerschaft gefunden und die Finanzierung gesichert werden kann.
Vorläufig können sich die Eigentümer von Liegenschaften oder Interessenten für Ateliers oder Proberäume direkt an Katja Ruff wenden: katja.ruff@ostsinn.ch.
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