Der Australier Al Millar hat sein Publikum sofort im Sack: Der «Daredevil Contorsionist», wie er sich nennt, zeigt auf dem Klosterplatz seine Show, die aus unmenschlich scheinenden Stunts und zotiger Comedy besteht. Millar ist einer der bunteren Vögel, die heute Freitag und morgen Samstag die St.Galler Altstadt im Rahmen des Buskers Festival Aufgetischt bevölkern.
Als erstes quetscht sich der 37-jährige, tätowierte Schlaks durch einen Squash-Schläger und renkt sich dafür routiniert die Schulter aus. Besonders heikel wird der Stunt, als er den Squash-Schläger über seine beiden gepiercten Burstwarzen zieht. Als ihm das Sportgerät extrem eng um die Taille liegt, schlüpft er quer in einen Tennisschläger, zuerst das Bein, dann der Arm. Als Zugabe zieht er sich noch einen WC-Ring über den Oberkörper. Wer Millar beobachtet, dem kann leicht schlecht werden – er jedoch befreit sich aus der unlösbar scheinenden, verknoteten Lage mit einem durchgeknallten Lachen.
Alakazam, wie sich Millar als Strassenkünstler nennt, ist seit 17 Jahren weltweit auf Festivals, auf Bühnen und im Zirkus unterwegs. «Ich habe Clowns und Artisten schon als Kind gemocht und habe früh angefangen, eigene Nummern einzustudieren», sagt er.
Dass er Kontorsionist – besser bekannt sind diese Artisten als «Schlangenmenschen» – sei, habe auch natürliche Gründe: «Als Kontorsionist muss man von Natur aus sehr beweglich und schlank sein. Das ist wichtiger als Training.» Nebst der Kontorsion spielt und jongliert Alakazam mit zumindest gefährlich aussehenden Dingen: Messer oder laufende Motorsägen etwa. Letztere hat er in St.Gallen aber nicht im Repertoire: «Es wäre zu mühsam geworden, die Motorsäge durch den Zoll zu bringen», sagt er und grinst.
Der menschliche Knoten im Video:
Comedy ist wichtig
Alakazam ist aber nicht nur Artist: «Sehr wichtig ist mir auch die Comedy, in die ich meine Kunststücke einbette. Nur so wird aus ein paar Tricks eine Show mit einem roten Faden.»
Tatsächlich funktionieren seine auf Englisch vorgetragenen Witze auch in St.Gallen gut: Er gibt sich (selbst-)ironisch, bezieht immer wieder auch das Publikum ein. «Ich versuche, klar zu reden und beschränke mich auf Witze, die fast jeder begreift», sagt er, der von zu Hause aus einen extrem breiten australischen Akzent hat. Wenn er vor englischen Muttersprachlern auftritt, greife er gerne auch zu Wortspielen.
Nach dem Festival in St.Gallen zieht es Alakazam nach Kanada, ein Land mit grosser Zirkus- und Artistiktradition. «Ich treten den ganzen Sommer über an Festivals auf und freue mich sehr darauf.»
Alakazam zeigt seine Show am Samstag insgesamt vier Mal. Am Aufgetisch Buskers St.Gallen treten über 30 weitere internationale Artisten, Clowns, Jongleure, Tanzkünstler und nicht zuletzt verschiedenste Musiker in der Altstadt auf.
Mehr Künstler und Infos zum Festival auf der Aufgetischt-Website.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.