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Die Callas ist noch nicht fertig

Tanz, Gesang, Lipsync, Kostümdesign, Comedy – die Liste der Dragqueen-Disziplinen ist lang. Im Stück «Game Over Play Forever» wird sie um eine weitere Kunstform erweitert: das Figurentheater. Freda Din und Notre Dame liefern eine bunte Show mit viel Witz und Drama.
Von  Andi Giger
Freda Din (links) und Notre Dame retten Maria Callas. (Bilder: pd, Leni Olafson)

Im Figurentheater sind die Spieler:innen üblicherweise unauffällig schwarz gekleidet. So, dass sie auf der Bühne im Hintergrund verschwinden. Sebastian Ryser und Lars Wolfer tun das Gegenteil. In extravaganten Kostümen, grossen Perücken und einer dicken Schicht Schminke multiplizieren die beiden als Dragqueens Freda Din und Notre Dame jeden Lichtstrahl, der auf sie fällt.

Sie haben an diesem Donnerstagabend die gesamte Aufmerksamkeit im gefüllten Saal des Palace St.Gallen. Ihr Stück Game Over Play Forever feiert Premiere. Nachdem das Kleid zurechtgezupft wurde, gehts auch gleich los – Opern-Ikone Maria Callas erwacht.

Wir sind in Paris im Jahr 1977, ihrem Todesjahr. Vom Glamour ist nicht mehr viel übrig: Sie hat ihre bezaubernde Sopranstimme verloren und ihre Bettwäsche wurde schon ewig nicht mehr gewechselt. Eine Diva ist sie dennoch geblieben, sie kommandiert herum und weiss, dass sie mit Lippenstift tausendmal reizender aussieht. Ihr zahnloses Lächeln zeigt sie jedoch nie.

Ikonen der Unmoral

Unanständig, unchristlich und auch etwas anrüchig: Das waren die queeren Ikonen des 20. Jahrhunderts – und wurden deswegen gefeiert. Sie lebten ein Leben abseits von konservativen Moralvorstellungen und waren damit Vorbild für alle, die nicht in einem familiären Reproduktionsapparat landen wollen. Diven wie Marlene Dietrich oder Judy Garland wurden von der queeren Community unsterblich gemacht.

So soll es nun auch Maria Callas ergehen. Sie landet in einer schrägen Gameshow, wo sie Madonna, Dolly Parton und Andy Warhol trifft. Dieser singt All By Myself, die Powerballade, die eigentlich auch nur dank Céline Dions Cover gross wurde.

Zweite und letzte Vorstellung in St.Gallen: 26. April, 20 Uhr, Palace St.Gallen

palace.sg

Dolly versteckt sich in einer Kiste, ihr Gesicht ist aufgedunsen und die Perücke sitzt etwas schief. «Bei mir ist nichts echt, aber alles kommt von Herzen», scherzt sie. Es ist ihr etwas ruppiger Humor aus Tennessee, den die Country-Sängerin nebst ihren Liedern so beliebt machte – in den konservativen Gegenden der USA genauso wie in der queeren Community. Dolly Parton Lookalike-Wettbewerbe werden ja auch meist von Dragqueens gewonnen.

Video und 3D-Druck

Der Abend ist voller Lacher und Szenenapplause. Die Puppen, anscheinend aus dem 3D-Drucker, lassen keine Zweifel zu, so klar sind die Persönlichkeiten bei allen erkennbar. Mit einer raffinierten Videoprojektion und einem simplen Bühnenbild kreieren Sebastian Ryser als Freda Din und Lars Wolfer als Notre Dame stimmige Bilder. Manchmal enden die sie im Exzess, andere werden rasch von der nächsten Diva unterbrochen.

Maria Callas ist jedenfalls noch nicht fertig. Auch wenn ihr Ende sicher ist, Ihr Erbe steht in den Sternen. Dort, wo alle anderen Ikonen noch immer leuchten.

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