Saiten: Die Liegenschaft, in dem das Albani eingemietet ist, wurde im Juli von der Makleragentur als «Gotisches Altstadtjuwel» mit «Umnutzungs- und Mietzingssteigerunspotenzial» beworben. Nun liegt ein Kaufgebot auf dem Tisch. Was nun?
Olivia Staub: Unser Mietvertrag läuft noch bis 2025. Zur Diskussion stehen Studentenwohnungen im oberen Teil des Gebäudes, was mit dem Club im Erdgeschoss Club geschieht, ist ungewiss. Die Existenz des Kulturlokals Albani, wie es in den vergangenen Jahrzehnten die Winterthurer Musikszene belebt hat, ist bedroht.
Der Verkauf der Liegenschaft, in dem der Albani-Club untergebracht ist, ist seit Monaten bekannt. Weshalb wurden Verein und Geschäftsleitung erst jetzt aktiv?
Wir haben bereits ein Kaufangebot unterbreitet, doch der Verkaufspreis war mit 3,25 Millionen derart hoch angesetzt, dass wir die nötigen Mittel nicht aufbringen konnten. Ausserdem haben wir nicht damit gerechnet, dass sich zu diesem Betrag tatsächlich ein Käufer findet, und schon gar nicht in dieser kurzen Zeit! Seit einer Woche liegt uns der Kaufvertrag einer Immobilienfirma vor – wir wurden schlicht überrumpelt.
Wir möchten den Kultur- und Hotelbetrieb langfristig sichern und das Haus selber erwerben. Dies haben der Vorstand des Albani-Vereins und die Geschäftsleitung vergangenen Samstag entschieden – einstimmig.
Wie das? Müsst ihr den Käufer überbieten?
Nein. Uns bleiben nun drei Wochen, um von unserem im Mietvertrag festgehaltenen Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen. Dazu müssen wir den vereinbarten Kaufpreis von 3,28 Millionen aufbringen. Zuviel für uns, weshalb wir die Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen haben.
Damit wollt ihr eine halbe Million zu sammeln. Wenn man knapp drei Millionen zu Verfügung hat, müssten sich doch auch die fehlenden 500’000 CHF im privaten Umfeld auftreiben lassen, nicht? Ist diese Crowdfunding-Kampagne nicht auch ein wenig PR-Aktion?
Nein. Ein massgeblicher Teil des Kaufpreises wird durch die Hypothek gedeckt. Rund eine Million wird von Privatpersonen aus dem Umfeld des Albani zu Verfügung gestellt. Bleibt noch eine halbe Million, die fehlt. Wenn wir das Ziel des Crowdfundings – die als Minimum gesetzten 300’000 CHF – nicht erreichen, nehmen wir das Vorkaufsrecht nicht wahr. Dann ist die Sache gelaufen.
Hier gehts zum Crowdffounding: lokalhelden.ch/eusesalbani
Die Aktion läuft noch 18 Tage. Am Freitagabend waren bereits über 200’000 Franken beisammen.
albani.ch
Wie waren denn bisher die Reaktionen auf den anstehenden Verkauf – von Gästen, aber auch von Seiten der Stadt?
Unsere Gäste zeigten sich betroffen, viele haben sich erkundigt, wie es denn nun weitergehe. Die coronabedingte Schliessung haben wir einigermassen gut überstanden und der Sommer mit der Bar lief gut. Nun zählen wir auf all die Menschen, die das Albani als geschichtsträchtigen Veranstaltungsort von Konzerten, Poetry Slams oder Partys schätzen oder gute Erinnerungen daran haben.
Erstaunlich still blieb es bisher von den offiziellen Stellen der Stadt. Auch da sind wir nun aktiv geworden und haben einen Antrag für ein zinsloses Darlehen gestellt. Mit einer Antwort rechnen wir in den kommenden Wochen – und hoffen auf ein positives Signal.
Vor 40 Jahren gründete Felix Lehner in Beinwil am See die Kunstgiesserei, die 1994 nach St.Gallen zog. Und vor 20 Jahren entstand ergänzend dazu die Stiftung Sitterwerk, die unter anderem eine weltweit einzigartige Kunstbibliothek führt. Wir tauchen ein in diesen wundersamen Mikrokosmos im Sittertal. Ausserdem in der Juli/August-Doppelnummer: die unverzichtbaren Sommertipps, die Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Interview zum 100-Jahr-Jubiläum unserer Hausdruckerei Niedermann.
Florian Fuchs arbeitet an einer antik anmutenden, 2,5 Meter hohen Marmorstatue. Warum interessiert sich ein junger Bildhauer für diese klassische Herangehensweise? Ein Werkstattbesuch in Flawil.
Es war das Jahrzehnt der Kultur: In den 80ern kam die Stadt St.Gallen zu einer Kunsthalle, einem Programmkino, der Frauenbibliothek, der Grabenhalle, genossenschaftlichen Beizen und anderem. Wie das gelang und wer die Fäden zog, zeichnen Ralph Hug und Corinne Schatz im Buch Der grosse Aufbruch nach.
Das Filmdrama Fuori erzählt ein kurzes Kapitel der aussergewöhnlichen Lebensgeschichte italienischen Schriftstellerin, Schauspielerin und Widerstandskämpferin Goliarda Sapienza.
Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.
Die St.Galler Festspiel-Oper spielt dieses Jahr im Haus statt auf dem Klosterplatz – ein Glücksfall für Verdis Aida, die menschlich und musikalisch in die Tiefe geht. Modestas Pitrenas dirigiert ein letztes Mal, Ben Baur inszeniert bildstark.
Im Werk 2 in Arbon dreht sich derzeit alles um Mythen. «Sehnsucht Mythos. Wie Geschichten unsere Welt gestalten» ist eine ästhetische Ausstellung, die mit ihrem sehr breiten Mythosbegriff arbeitet und vielfältige Geschichten unter einem Dach vereint.
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.