Peter Olibet, was ist das drängendste stadtpolitische Thema in den nächsten paar Jahren? Und was hat der neue SP-Präsident für ein Rezept, dafür – oder dagegen?
Es läuft einiges falsch in dieser Stadt: Der Stadtrat schmettert den ersten MigrantInnen-Vorstoss – die Forderung nach der Weiterführung der «Femmes-Tische» – einfach ab. Ohne mit der Quartierbevölkerung das Gespräch gesucht zu haben, wird die Sömmerli-Wiese – die letzte Freifläche im Lachen-Quartier – überbaut. Der Stadtrat und die bürgerliche Parlamentsmehrheit sparen bei der Entwicklungshilfe, bei den Rechtsberatungsstellen, bei der Kultur, bei der Frühförderung. Und sie erhöhen die Gebühren für die ausserschulische Kinderbetreuung. Erst auf Druck von Basisbewegungen merkt der Stadtrat, dass ganze Häuserzeilen nicht einfach der Spekulation geopfert werden können. Die Flade erhält bis auf weiteres staatliche Unterstützung dafür, dass sie katholische Kinder bevorzugt behandelt.
Diese Aufzählung liesse sich beliebig verlängern. So wird die drängendste Frage auch weiterhin lauten: Wem gehört diese Stadt?
Ich setze mich dafür ein, dass alle Platz haben in der Stadt. Dafür braucht es Freiräume. Es braucht den Diskurs. Und es braucht noch viel Engagement, damit echte Chancengleichheit herrscht.
Die letzte städtische Abstimmung im März brachte der Partei eine Niederlage. Die Folge: Kein neuer Marktplatz, aber voraussichtlich bald eine neue Parkgarage am Union. Stagniert die fortschrittliche Politik in dieser Stadt?
Gerade in Verkehrsfragen mag ich nicht von Stagnation, sondern vielmehr von Rückschritt sprechen: Parkgaragen werden gebaut, ein ganzes Areal, der Güterbahnhof, soll einem Autobahnanschluss geopfert werden, Car-Sharing wird nicht mehr gefördert.
Vor vier Jahren, im Mai 2011, hat Milo Rau mit dem Theaterstück «City of Change» eine Petition für das Ausländerstimmrecht lanciert. Politisch ist nichts passiert. Das müsste die Linke in St.Gallen doch zum Thema machen.
Unbedingt. Wer hier lebt, soll auch mitentscheiden dürfen. Nur ist es leider so, dass die Stadt St.Gallen in dieser, wie auch in anderen Fragen, auf Gedeih und Verderb dem konservativen Kanton ausgeliefert ist. Was aber überhaupt nicht heissen soll, dass es sich nicht lohnt, die Forderung nach einem Ausländerstimmrecht politisch immer wieder neu zu stellen.
Peter Olibet, 1976, ist Primarlehrer, hat am Hyperwerk in Basel das Studium zum Interaktionsleiter absolviert, war fünf Jahre lang Sekretär der SP des Kantons St.Gallen, lebte und arbeitete mit der Familie ein Jahr in Ecuador und war 2011-2014 Verlagsleiter von Saiten. Seit Anfang 2015 sitzt er im St.Galler Stadtparlament.
Bild: nach der Wahl zum Präsidenten der SP-Stadtpartei am 30. April.
Titelbild: Visualisierung einer künftigen Gestaltung des Areals Güterbahnhof St.Gallen. Quelle: Standortportfolio auf regio-st.gallen.ch
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.