Freiluft-Kino? Eigentlich ein schrecklicher Irrtum. Eine Fehlinterpretation. Der Reiz des Kinos ist ja gerade, dass man die Umgebung ausblendet, alles um sich vergisst und sich ganz auf die Bilder auf der Leinwand konzentriert. Dafür braucht es einen Saal. Am besten einen halbleeren. Aber draussen? Mücken, unbequeme Stühle, Leute mit grossen Köpfen. Und dann beginnt es (in St.Gallen) meistens auch noch zu regnen. Oder es ist kühl (in St.Gallen). Faserpelz und Regenjacke, so heisst der Openair-Kino-Dresscode.
Andererseits: Es hat dafür genug Publikum. Immer. Im Sommer ist in St.Gallen ja sonst nichts los. Grabenhalle, Palace, Theater; alles in der grossen Pause. Und es gibt bei Freiluftvorstellungen diesen besonderen Moment: Dann, wenn es endlich dunkel genug geworden ist, niemand mit der Regenjacke raschelt – und die ersten Bilder auf die Leinwand projiziert werden. Die alte Magie des Kinos. Funktioniert immer.
Das Kinok ist neben dem Xenix noch das einzige Programmkino in der Schweiz, das im Sommer Freilichtvorführungen anbietet. Sie höre immer wieder, wie sehr die besondere Atmosphäre von Besucherinnen und Besuchern geschätzt werde, erklärt Kinok-Leiterin Sandra Meier. Hauptgrund für den sommerlichen Effort dürfte aber die Lokremise sein: Der Ort sei einfach schön und brauche keine Inszenierung, sagt sie.
Thema des Freilichtprogramms ist dieses Mal die Farbe Rot. Rot wie im Filmtitel des letzten Werks von Krzysztof Kieslowski: Trois Couleurs: Rouge. Rot wie die Haare der rennenden Lola in Tom Twykers Grossstadt-Film, rot wie die Kleider von Emmanuelle Béart und Fanny Ardant in Nathalie. Es gibt aber auch das andere Rot, das der Wut. Wie in Taxi Driver. Natürlich ist Rot im Film vor allem die Farbe für Blut: Besonders in Sin City. Ausserdem gehört Rot zu den starken Farben, die Aki Kaurismäki in seinen Filmen einsetzt, in Drifting Clouds beispielsweise. Dann gibt es auch einen Film, der ganz in Rot getaucht zu sein scheint, weil die Farbe Gefahr bedeutet: Twin Peaks von David Lynch.
Freiluft- Kinok: 10. Juli bis 9. August, Lokremise St.Gallen Infos: kinok.ch
Bild: «Le fabuleux destin d’Amélie Poulain» (Jean-Pierre Jeunet, 2001), Samstag, 19. Juli, 21.45 Uhr
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
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Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.