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Die Nacht wird rot

Der Sommer im Kinok: von Kieslowski bis Lynch – inklusive Mücken, Leuten mit grossen Köpfen und knisternden Regenjacken. Oder Faserpelzen, falls es denn St.Gallisch kühl werden sollte.
Von  Andreas Kneubühler

Freiluft-Kino? Eigentlich ein schrecklicher Irrtum. Eine Fehlinterpretation. Der Reiz des Kinos ist ja gerade, dass man die Umgebung ausblendet, alles um sich vergisst und sich ganz auf die Bilder auf der Leinwand konzentriert. Dafür braucht es einen Saal. Am besten einen halbleeren. Aber draussen? Mücken, unbequeme Stühle, Leute mit grossen Köpfen. Und dann beginnt es (in St.Gallen) meistens auch noch zu regnen. Oder es ist kühl (in St.Gallen). Faserpelz und Regenjacke, so heisst der Openair-Kino-Dresscode.

Andererseits: Es hat dafür genug Publikum. Immer. Im Sommer ist in St.Gallen ja sonst nichts los. Grabenhalle, Palace, Theater; alles in der grossen Pause. Und es gibt bei Freiluftvorstellungen diesen besonderen Moment: Dann, wenn es endlich dunkel genug geworden ist, niemand mit der Regenjacke raschelt – und die ersten Bilder auf die Leinwand projiziert werden. Die alte Magie des Kinos. Funktioniert immer.

Das Kinok ist neben dem Xenix noch das einzige Programmkino in der Schweiz, das im Sommer Freilichtvorführungen anbietet. Sie höre immer wieder, wie sehr die besondere Atmosphäre von Besucherinnen und Besuchern geschätzt werde, erklärt Kinok-Leiterin Sandra Meier. Hauptgrund für den sommerlichen Effort dürfte aber die Lokremise sein: Der Ort sei einfach schön und brauche keine Inszenierung, sagt sie.

Thema des Freilichtprogramms ist dieses Mal die Farbe Rot. Rot wie im Filmtitel des letzten Werks von Krzysztof Kieslowski: Trois Couleurs: Rouge. Rot wie die Haare der rennenden Lola in Tom Twykers Grossstadt-Film, rot wie die Kleider von Emmanuelle Béart und Fanny Ardant in Nathalie. Es gibt aber auch das andere Rot, das der Wut. Wie in Taxi Driver. Natürlich ist Rot im Film vor allem die Farbe für Blut: Besonders in Sin City. Ausserdem gehört Rot zu den starken Farben, die Aki Kaurismäki in seinen Filmen einsetzt, in Drifting Clouds beispielsweise. Dann gibt es auch einen Film, der ganz in Rot getaucht zu sein scheint, weil die Farbe Gefahr bedeutet: Twin Peaks von David Lynch.

 

 

Freiluft- Kinok: 10. Juli bis 9. August, Lokremise St.Gallen
Infos: kinok.ch 

Bild: «Le fabuleux destin d’Amélie Poulain» (Jean-Pierre Jeunet, 2001), Samstag, 19. Juli, 21.45 Uhr

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