Die 1950er-Jahre Bauten werden neu entdeckt. Nicht zuletzt die zeittypische Leichtigkeit die sie ausstrahlen, hat einige zu Architekturikonen werden lassen – eine Leichtigkeit die aufgrund der aktuellen Bauvorschriften nicht mehr erreicht werden kann. St.Gallen hat nicht viele Bauten aus dieser Zeit. Die Rondelle auf dem Marktplatz und das Union-Gebäude werden immer wieder als Zeitzeugen genannt.
Aktuell stehen zwei weitere Bauten aus dieser Zeit vor Veränderungen. Beide gelten in Fachkreisen als erhaltenswert, beide sind aber nicht geschützt. Gerade deshalb ist ein sorgfältiger Umgang mit der Bausubstanz wichtig.
Das frühere Expresspostgebäude an der St.Leonhardstrasse vis-à-vis des Gaiserbahnhofs wird zwar weiterhin von der Post genutzt, doch das Erdgeschoss steht leer. Neu genutzt kann es nur werden, wenn das Haus aus der Zone für öffentliche Bauten umgeteilt wird. Neu soll es zur Kernzone 5 gehören. Das Stadtparlament wird darüber nächstens entscheiden. Zwar wurde diskutiert, ob die Stadt das Haus nicht kaufen soll, doch die Besitzerin, die Post Immobilien AG, will nicht verkaufen.
Erstellt wurde dieser Zeitzeuge 1954–1959. Die Pläne stammten vom Zürcher Architekten Karl Beer, der in der Schweiz, aber auch in Stuttgart viel gebaut hat. Beer konnte in St.Gallen zuerst den Vorgängerbau auf dieser Parzelle, das Hotel «Neue Post», erwerben. Dann fand er in der Helvetia-Versicherung einen Investor, der für die Post hier einen Neubau erstellte. Längst gehört das Gebäude der Post selbst.
Bevor Handwerker ihre Arbeit beginnen, lohnt sich ein genauer Blick. Die markante Rasterfassade mit ihren Rahmen und das «fliegende» Dach prägen das zeittypische Bild des Hauses. Das ovale Treppenhaus ist ein Bijou und selbst der Garagenanbau auf der Südseite ist gut gestaltet.
Gleichzeitg – Ende der 1950er-Jahre – entstand auch die City-Garage an der Zürcherstrasse neben der Eishalle Lerchenfeld. Seit das Unternehmen im Juli den Neubau am Stadtrand im Westen bezogen hat, stehen die Gebäude leer. Besitzerin ist die Amag. Sie stehe in Verhandlungen mit Interessenten, so die Auskunft ihrer Medienstelle. Noch sei offen, was aus dem Gebäude wird. Klar ist: Die einst «modernste Garage der Ostschweiz» ist ein wichtiger Zeitzeuge des Autogewerbebaus. Geplant haben ihn die St.Galler Architekten Danzeisen und Voser.
Eröffnet wurden Tankstelle, Ausstellungshalle und die Büros darüber 1959. Das Gebäude war damals an Klarheit nicht zu überbieten, wie die zeitgenössischen Fotos beweisen. Das Haus zeigte mit den Stützen seine Konstruktion und war mit den filigranen Fensterprofilen fast durchsichtig. Im Laufe der Jahrzehnte haben allerdings mehrere Umbauten und Erweiterungen das Gesicht der Garage verändert. Trotzdem halten die Fachleute wegen der wirtschaftlichen und architekturgeschichtlichen Bedeutung den Kernbau für erhaltenswert.
Fotos City-Garage: Archiv Danzeisen und Voser
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