Tote Hose am Union: Das hat Saiten unlängst ziemlich genervt, nachzusehen und zu -hören in der Februar-Videokolumne «Schäfers Stunde 18» hier. Auslöser für den Ärger: Da steht ein Ladenlokal an allerbester Lage und Adresse leer seit inzwischen mehr als anderthalb Jahren. Da bemühen sich immer wieder Kulturschaffende und andere ideenreiche Leute um eine Zwischennutzung – und blitzen ebenso regelmässig ab.
Die Migros ist halbwegs «fein raus»
Schuld daran, und da lag unsere Schäfer-Kolumne leicht daneben, ist allerdings nicht in erster Linie die Migros. Sie betrieb dort zuvor den vielfrequentierten Migros Union, sie plant hier für die Zukunft eine Migrolino-Filiale, aber momentan seien die Mietverträge und auch die Mietzahlungen sistiert, bestätigt Andreas Bühler, Leiter des Kulturprozents der Genossenschaft Migros Ostschweiz in Gossau. «Die Entscheidungshoheit hat die Besitzerin der Liegenschaft, die Helvetia Versicherungen.»
Bühler spricht von sechs bis zehn Anfragen aus unterschiedlichsten kulturellen Sparten, die an ihn gelangt seien und die er jeweils an die Helvetia weiter verwiesen habe. Für das Anliegen einer kulturellen Zwischennutzung habe er Verständnis, denn ein geschlossenes Lokal an dieser Stelle sei «das Gegenteil dessen, was wir uns wünschen». Aber der Migros seien die Hände gebunden.
Helvetia hofft auf schnellen Entscheid
Bei den Helvetia Versicherungen heisst es lakonisch: «Wir verzichten momentan auf eine Zwischennutzung.» Dies richtet der Leiter der Immobilienverwaltung, Benedikt Rusch, schriftlich aus. Auf Anfrage ergänzt er: Der bauliche Zustand des Raums lasse eine Nutzung nicht zu, es fehle zum Beispiel eine Heizung, und das Lokal sehe aus, «als hätte eine Bombe eingeschlagen».
Zudem könnte der Entscheid für oder gegen das Parkhaus Union + schon bald fallen. Man habe deshalb – nachdem noch Ende 2015 der Mediensprecher der Unternehmung im «Tagblatt» erklärt hatte, die Helvetia-Verischerungen seien «grundsätzlich offen für kulturelle Nutzungen» – die Sache noch einmal geprüft und jetzt so entschieden.
«Das kann Jahre dauern»
Ob es mit dem «blinden Fleck» am Union so rasch ein Ende hat, ist allerdings fraglich. Das Baugesuch für die geplante Parkgarage Union+ komme im Zeitrahmen März, April, Mai vor die Baubewilligungskommission, sagt Ernst Michel, der Leiter des städtischen Amts für Baubewilligungen. Gegen das Projekt sind insgesamt sieben Einsprachen eingegangen, darunter eine, die mit der Forderung nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung verknüpft ist, mehr dazu hier und hier.
Heisst die Kommission das Gesuch gut und lehnt die Einsprachen ab, können diese mit Rekurs an das kantonale Baudepartement weitergezogen werden. Dasselbe im umgekehrten Fall. Bis zum allfälligen Bau der umstrittenen Tiefgarage vergehe damit möglicherweise noch «viel Zeit», sagt Michel – «unter Umständen kann das Verfahren Jahre dauern».
Alle finden es unbefriedigend…
Der leere Raum, von Passanten auch schon als «Schandfleck» betitelt, ist eines ganz sicher: schlecht fürs Image. Migros-Kulturprozent-Mann Bühler sähe auch von daher eine Zwischennutzung lieber. Dass die Migros als bisherige und künftige Mieterin und als kulturpolitisches Schwergewicht mehr Druck auf die Hausbesitzerin ausüben könnte, hält er allerdings nicht für möglich: «Wir sind nicht in der Position, solche Forderungen zu stellen.» Auch für die Helvetia sei die Situation unbefriedigend, sagt Benedikt Rusch.
Der «blinde Fleck» beelendet auch Ernst Michel, «als Bürger und als einen, der diese Stadt liebt», wie er sagt. Er bedaure es ausserordentlich, dass in und um das Lokal kein Leben sei. Die Stelle sei zentral als Eingangstor zum Marktplatz und zur Innenstadt – zum Schibenertor hin, aber auch auf der Rückseite zum Blumenmarkt, wo die alte Zulieferrampe alles andere als ein erspriesslicher Anblick ist.
Läbe mues etz ine!
Was tun? Der Schäfer wüsste vielleicht, was: «Helvetia mues use, Läbe mues etz ine»… Politisch konkreter aber ist dies: Als nächstes dürfte das andere hängige Parkhaus-Projekt, das ehemalige Ug 24 und künftige Ug 25, bewilligt und gebaut werden. Dannzumal werden in unmittelbarer Altstadtnähe nochmal einige hundert neue Autoplätze zur Verfügung stehen.
Vielleicht mieten sich die Helvetia-Versicherungen, heute noch zusammen mit der City-Parking AG und anderen beim Projekt Union+ engagiert, dann am Unteren Graben ein, bloss einige Schritte sowohl vom Union als auch von ihrem Hauptsitz an der Rosenbergstrasse entfernt.
Und in der Zwischenzeit blüht am Union die Zwischennischenkultur. Der Protestsong in «Schäfers Stunde» und die Forderung «Läbe mues etz ine» bliebe dann doch nicht ungehört. Und Hansueli Stettlers Vision einer Rambla am Union wird doch noch Realität:
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.