Was ist Ihre erste Reaktion auf das Nein? Erleichterung?
Paul Rechsteiner: Das Nein ist der Ausdruck und die Folge einer starken Bewegung, die in erstaunlich kurzer Zeit entstanden und gewachsen ist. Man hat die bedenkliche Haltung der Wirtschaftsverbände gesehen, die Machtlosigkeit der Parteien gegenüber dem SVP-Populismus, und daraus ist ein eigentlicher Aufstand der Zivilgesellschaft geworden. Das heutige deutliche Nein zeigt eine neue Qualität in der Schweizer Politik. Es zeigt, dass die Schweiz weiter ist, als man ihr oft unterstellt.
Was war aus Ihrer Sicht das zentrale Motiv für die Mehrheit, Nein zu sagen?
Zentral war die Überzeugung, dass die Schweiz eine Gesellschaft der Vielfalt ist, dass wir als Bevölkerung aus unterschiedlichsten Herkünften zusammengewachsen sind und zusammen weiterkommen wollen. Diese Realität der Schweiz als Einwanderungsland wurde in der fremdenfeindlichen Politik der SVP nicht gespiegelt beziehungsweise negiert. Das heutige Nein zur inhumanen Initiative bedeutet eine Wende, hin zu einer demokratischen Schweiz.
Wie stark war der Einfluss der Nein-Kampagne und des Dringenden Aufrufs, den mehr als 50000 Personen unterzeichnet haben?
Uns war von Anfang an klar: Es muss ein Plakat her, es muss ein Appell her, wie er dann im unnachahmlich formulierten Dringenden Aufruf zu Stande gekommen ist. Und das hat eine äusserst starke Welle von Aktivitäten ausgelöst, quer durch die Zivilgesellschaft. Diese Bewegung kam nicht von oben, sie kam von unten.
Was werden die Folgen dieses Neins für die künftige Ausländerpolitik sein?
Der Kampf geht natürlich weiter. Aber das Nein markiert einen Wendepunkt für eine andere Politik. Für eine Einbürgerungspolitik, die von einer solidarischen Haltung getragen ist und die allen Jungen gute Startbedingungen ermöglicht, unabhängig von ihrer Herkunft. Das Nein steht für eine Schweiz, die sich als Land der Chancen für alle versteht und die Menschenrechte respektiert.
Gastkommentar von Jacques Michel Conrad
Zum 20. Mal bringt das Kulturfestival internationale Entdeckungen und lokale Lieblingsbands in einen der schönsten Konzertorte St.Gallens. Zum Jubiläum blickt Organisator Lukas Hofstetter zurück – und behauptet sich zugleich in einem Musikgeschäft, das für kleinere Festivals immer schwieriger geworden ist.
Vor 40 Jahren gründete Felix Lehner in Beinwil am See die Kunstgiesserei, die 1994 nach St.Gallen zog. Und vor 20 Jahren entstand ergänzend dazu die Stiftung Sitterwerk, die unter anderem eine weltweit einzigartige Kunstbibliothek führt. Wir tauchen ein in diesen wundersamen Mikrokosmos im Sittertal. Ausserdem in der Juli/August-Doppelnummer: die unverzichtbaren Sommertipps, die Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Interview zum 100-Jahr-Jubiläum unserer Hausdruckerei Niedermann.
Florian Fuchs arbeitet an einer antik anmutenden, 2,5 Meter hohen Marmorstatue. Warum interessiert sich ein junger Bildhauer für diese klassische Herangehensweise? Ein Werkstattbesuch in Flawil.
Es war das Jahrzehnt der Kultur: In den 80ern kam die Stadt St.Gallen zu einer Kunsthalle, einem Programmkino, der Frauenbibliothek, der Grabenhalle, genossenschaftlichen Beizen und anderem. Wie das gelang und wer die Fäden zog, zeichnen Ralph Hug und Corinne Schatz im Buch Der grosse Aufbruch nach.
Das Filmdrama Fuori erzählt ein kurzes Kapitel der aussergewöhnlichen Lebensgeschichte italienischen Schriftstellerin, Schauspielerin und Widerstandskämpferin Goliarda Sapienza.
Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.
Die St.Galler Festspiel-Oper spielt dieses Jahr im Haus statt auf dem Klosterplatz – ein Glücksfall für Verdis Aida, die menschlich und musikalisch in die Tiefe geht. Modestas Pitrenas dirigiert ein letztes Mal, Ben Baur inszeniert bildstark.
Im Werk 2 in Arbon dreht sich derzeit alles um Mythen. «Sehnsucht Mythos. Wie Geschichten unsere Welt gestalten» ist eine ästhetische Ausstellung, die mit ihrem sehr breiten Mythosbegriff arbeitet und vielfältige Geschichten unter einem Dach vereint.
Neue Eigenproduktion
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Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
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In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
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