Die Gründung der Wyborada 1987 ist die Geschichte einer Mobilisierung, wie sie typisch war für die grosse Zeit der Frauenbewegung. Den Anstoss gab die Tatsache, dass «viele Schriftstellerinnen und feministische Theoretikerinnen nicht oder nur vereinzelt in der Kantonsbibliothek Vadiana präsent waren, geschweige denn die Neue Frauenbewegung in ihrer Themenfülle»: So schreibt es Sandra Meier 2005 im Sammelband «Neue Frauenbewegung» (erschienen als 145. Neujahrsblatt des Historischen Vereins des Kantons St.Gallen).
Und auch die staatliche Zurückhaltung bei der Finanzierung, um es vornehm zu sagen, war damals der kulturpolitische Normalfall. Noch einmal Sandra Meier: «Was die öffentlichen Gelder anbelangt, war es die übliche Leidensgeschichte, von denen Frauenprojekte immer wieder besonders betroffen sind. Die Starthilfe von 15’000 Franken, die der Regierungsrat des Kantons St.Gallen für die Eröffnung beisteuern sollte, wurde von der Finanzkommission des Grossen Rates kurzerhand gestrichen. Darauf starteten die Wyboradafrauen zusammen mit der OFRA die Finanzierungskampagne ‹150 x 100 Franken sind auch 15’000 Franken›. Radio und Presse unterstützten die Idee; Schulen, Firmen und Privatpersonen spendeten so eifrig, dass nach einem halben Jahr der Kontostand bereits auf 20’000 Franken gestiegen war und über 200 Frauen dem Verein beigetreten waren. Eröffnet wurde die Wyborada am 7. Februar 1987 mit einer Ausstellung über feministische Kinderbücher – ohne öffentliche Gelder, dank grosszügiger privater Unterstützung und 1500 Stunden Gratisarbeit der Gründerinnen.»
Zum Auftakt des Jubiläums lädt die Frauenbibliothek diesen Samstag zu einem Zeichnungs-Nachmittag. Genauer: Besucherinnen und Besucher der Bibliothek können sich ein Buch auswählen, eine Passage lesen, und Lika Nüssli zeichnet dazu live, das entstehende Bild wird projiziert, die literarischen werden in visuelle Bilder übersetzt.
Der Flyer fragt, mit einer Lika-Zeichnung: «30 Jahre Wyborada – und wie weiter?». Braucht es anno 2017 noch eine spezialisierte Frauenbibliothek, ist solches Separieren nicht eigentlich passé – oder braucht es sie angesichts der anhaltenden gesellschaftlichen Ungleichgewichte zwischen Männern und Frauen erst recht? Lika Nüssli sagt von sich selber, dass sie beiden Haltungen etwas abgewinnen könne. Als Absolventin einer Meitle-Sekundarschule in Gossau habe sie einst als Jugendliche eher negative Erfahrungen mit der Geschlechtertrennung gemacht. Andrerseits dürfe man auch anno 2017 den Einsatz für die Rechte der Frau auf keinen Fall vernachlässigen.
Antworten oder zumindest Diskussionsanregungen gibt es diesen Samstag: 11. Februar, 17 Uhr an der Davidstrasse 42. Saiten kommt im Märzheft auf das Thema und auf die Wyborada zurück.
wyborada.ch
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