Es ist klebrig, grell, digital, kindlich unschuldig und doch irgendwie verschmiert. Und es klingt grauenhaft und zuweilen auch sonderbar toll. Dieses Etwas ist der Sound von PC Music, jener Londoner Popzelle, die 2013 vom Produzenten A.G. Cook erfunden wurde. Happy Hardcore, Energy-Drinks, Stars als virtuelle Avatare, die Sophie oder GOFTY heissen, setzen der Popkritik zu.
«Ist dies nur eine Posse oder ein Produkt?», fragt etwa der «Guardian». Und im Buch Seismographic Sounds – Visions of a New World, das vom Netzwerk Norient herausgegeben wurde, steht die Frage im Raum: «Ist dies der neue Punk?», während im Aufsatz «The New Hi-Tech Underground», erschienen im gleichen Band, der Autor Adam Harper konstatiert, dass dies Musik sei, die die Grenzen zwischen Pop und satirischem Exzess neu verhandle.
«Frisch und irritierend»
Es sind genau solche Ungewissheiten, die den Musikethnologen und Norient-Gründer Thomas Burkhalter interessieren und ihn nun dazu bewogen haben, mit Danny L. Harle einen der prägenden PC-Music-Produzenten für die Clubnacht seines Musikfilmfestivals in die Schweiz zu holen: «PC Music ist ein Sound, der für mich frisch und irritierend ist. In seinen stärksten Momenten höre ich eine gekonnte, sehr überzeichnete Persiflage auf den schlimmsten Kommerz unserer Zeit. In anderen denke ich, jetzt habe ich als Kurator jeglichen Geschmack verloren», schreibt Burkhalter aus seinen Ferien. «Mir gefällt diese Ambivalenz. Sie reizt mich mehr als die vielen gefestigten musikalischen Positionen, die ich sonst oft höre.»
Norient Musikfilmfestival: 14. bis 16. Januar, Palace St.Gallen, Infos: norient.com, palace.sg
Norient spürt diese unsicheren Positionen auf, dank einem weltweit verzweigten Netz aus Bloggerinnen, Filmemachern, Journalistinnen und Musikern. Es ist eine popkulturelle Welt im Durcheinander, die das 2002 in Bern gegründete Netzwerk einfängt. Einzelne Aspekte dieser ungeordneten Welt werden nun am Musikfilmfestival beleuchtet. «Wir programmieren gerne Kontraste. Ich glaube sogar, wenn die einzelnen Filme wirklich stark sind, so kann man vieles nebeneinander setzen», schreibt Burkhalter.
Tieftraurige Geschichtsaufarbeitung
So prallen am Festival verschiedene (Musik-)Geschichten aufeinander: Akounak Tedalat Taha Tazoughai porträtiert den nigrischen Tuareg-Gitarristen Mdou Moctar, in Beats of the Antonov wird das verbliebene Alltagsleben im vom unendlichen Bürgerkrieg versehrten Sudan aufgespürt, während Don’t Think I’ve Forgotten an den blühenden Rock’n’Roll in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh erinnert, bevor das Schreckensregime der Roten Khmer die Macht übernahm und die Musik gewaltsam verstummen liess.
Im gleichen Block wie diese wertvolle und tieftraurig stimmende Geschichtsaufarbeitung ist Monsterman programmiert, der die finnischen Eurovisions-Gewinner Lordi demaskiert und als gescheiterte Alltagsgestalten porträtiert. «Es ist ein ruhiger, sehr persönlicher Film», so Burkhalter, der ihn als Zuschauer gänzlich anders berühre als Don’t Think I’ve Forgotten.
Offen bleibt die Frage, wie Danny L. Harles übergrelle PCSound-Fantasien im Anschluss an den südafrikanischen Hyperdub-Produzenten Okzharp, der mit der Sängerin Manthe Ribane anreist, wirken wird. Denn Schabernack ist die Sache dieses Duos, das auch im programmierten Film Ghost Diamond zu sehen ist und zu seiner Single Dear Ribane einen zarten und aufwühlenden Clip gedreht hat, ganz und gar nicht.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.