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Ex-Kino Corso: Es bewegt sich was

Ein neues Studiokino mit acht Sälen und einer Bar oder ein Kulturlokal: Ideen für das seit 2012 geschlossene Kino Corso gibt es viele.
Von  Urs-Peter Zwingli

Seit über drei Jahren steht das ehemalige Kino Corso an der Brühlgasse leer. Das ist ziemlich viel vergeudetes Potential aus Beton: Das Gebäude liegt mitten in der belebten St.Galler Ausgeh- und Einkaufsszone. Und von der hässlichen Fassade sollte man sich nicht abschrecken lassen. Im Innern des grau-weissen Gebäudes hat es Platz.

So viel Platz nämlich, dass im vergangenen Jahr die Zürcher Neugass Kino AG eine Machbarkeitsstudie für ein neues St.Galler Studiokino erarbeitete. Nicht weniger als acht (!) Kinosäle und eine Bar waren damals angedacht.

Die Neugass Kino AG betreibt die Studiokinos Riffraff und Houdini in Zürich sowie das Bourbaki in Luzern. Laut Frank Braun, Geschäftsführer der Neugass Kino AG, kam das Projekt in St.Gallen aber nicht über eine Machbarkeitstudie hinaus.

Jammerschade. Klar, als Filmfreund mag man das klug programmierte Kinok in der Lokremise. Aber trotzdem: Etwas Konkurrenz hätte dem seit Jahren etablierten und gut eingemitteten St.Galler Studiokino nicht geschadet. Neue Kinobetreiber hätten vielleicht neue Dinge ausprobiert und gewagt, die bislang in St.Gallen keinen Platz (mehr) hatten.

Einen Traum begraben

Aber: Das bleibt vorerst Wunschdenken, es gibt kein «zweites Riffraff» in St.Gallen.

Aber auch: Rund ums Corso ist viel in Bewegung. «Die Kinoidee war ein Traum, eine Vision, die wir dann leider verabschieden mussten», sagt Iso Senn, Verwaltungsrat der Immo-W AG. Diese hatte das Gebäude 2012 gekauft. «Der Umbau wäre schlicht zu teuer und aufwändig gewesen», sagt Senn.

Die Immobilienfirma hatte 2013 dann auch das ehemalige Restaurant Boccalino gekauft, so dass ihr heute der ganze Gebäudekomplex zwischen Brühlgasse und Burggraben gehört. Der besteht aus einem einem Kinosaal, einem zweigeschossigen Restaurant, einer stillgelegten Kegelbahn sowie einer Terrasse Richtung Kantipark… Und das alles mitten in der Stadt.

Laut Senn ist eines fix: «Einfache Büros soll es im Erdgeschoss des Gebäudes nicht geben.» Man ziele auf eine öffentliche Nutzung ab. «Die Suche, was aus dem ehemaligen Kino Corso werden soll, läuft weiter», sagt Senn. Die Firma habe mittlerweile drei «voneinander völlig verschiedene» neue Projektstudien erarbeitet. Über deren Inhalt schweigt Senn. «Wir werden voraussichtlich noch dieses Jahr entscheiden, wie es weitergeht.»

Das kann vieles heissen – lässt aber auch hoffen: Fürs Corso schwirrten in den letzten Jahren schon einige Ideen herum, unter anderem war auch ein grosses Kulturlokal angedacht. Aber auch hier: Der Umbau wäre zu teuer geworden.

Wer regelmässig ins Corso ging, erinnert sich sicher an dessen speziell geformten Vorführsaal. Und an ein paar denkwürdige Filme, die man dort gesehen hat.

Etwa diesen:

Oder noch früher diesen:

Kino-Infrastruktur im Innern noch da

Was auch immer passiert: Das Corso ist auch offen für vorübergehende Nutzungen.

So zeigte 2013 der St.Galler Filmemacher Dennis Ledergerber seinen Film Himmfelfahrtskommando, den die Kino-Gigantin Kitag nicht ins Programm nehmen wollte. Und Ende August führte die Stadtverwaltung ihren Dok-Film über das grandios gescheiterte Geothermie-Projekt vor. Letztere Veranstaltung ist hoffentlich kein schlechtes Vorzeichen für das Corso-Gebäude.

Jetzt mitreden: 2 Kommentare
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Jochen Melmuka,  

St. Gallen bietet an sich vieles für kulturell interessierte Menschen. Es fehlt aber ein Kulturlokal, das für Künstler offen steht, deren Bekanntheitsgrad keinen Auftritt in den grösseren Orten rechtfertigt. Ein Begegnungszentrum, welches einen schönen Rahmen für Kulturbegeisterte bietet. Bewusst Kultur, nicht nur Konzerte. Warum nicht auch für verschiedenste Vereine eine Möglichkeit bieten, Veranstaltungen durchzuführen. Seien dies Theater, Vernissagen, Blasmusik, Lesungen oder eben auch Rock / Blues / Jazz Konzerte. In Kombination mit dem ehemaligen Boccalino als gediegenes Lokal und dem nahen Parkhaus wäre die Location ideal. Bei entsprechender Einrichtung und guten Engagements könnte ein solcher Kulturladen weit in die benachbarten Regionen ausstrahlen und Besucher in die Stadt St. Gallen locken.

Daniel Köppel,  

Ich arbeite an den Wochenenden in der St. Galler Innenstadt als DJ. In verschiedenen Lokalen mit unterschiedlichen Altersklassen. Diverse Lokale sind mittlerweile beliebte Treffpunkte für Musiker und Musikinteressierte geworden. Was viele Menschen unterschiedlicher Generationen immer mehr zu bewegen scheint, ist die traurige Tatsache, dass sich in der City die Idee von einem Konzertlokal bis heute nicht durchsetzen konnte. Es wird zwar schon Jahre darüber diskutiert, von einem Veranstaltungsort, wo einerseits die regionale Musikszene unterstützt und gefördert wird, aber auch nationale, wenn nicht sogar internationale Akts präsentiert werden. Dieses Bedürfnis ist sowohl bei einem jüngeren, als auch einem älteren Publikum klar spürbar. Dieser bunte Mix von Altersklassen macht das Ganze erst recht attraktiv. Es findet ein Austausch und ein Miteinander unter Generationen stattfindet. Live-Musik wird nicht nur zum Erlebnis, sonder auch wird zum Medium, das Generationen zusammenbringt. Besonders bei den ü-40ern ist der Tenor spürbar: sie wollen wieder abrocken und Musikqualität live auf der Bühne zum geniessen bekommen. Wie wärs also mit einem Concerto Corso?

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