Der nächste Sommer wird gross!
Zumindest die Schweizer Festivalfreaks wissen spätestens jetzt, was sie dann erwartet: Der geläuterte Rüpel Sido, der Gras-Prediger Wiz Khalifa und der Polit-Pop-Rapper Macklemore in Frauenfeld, wie im Dezember bekannt wurde.
Die ewigen Funkrocker Red Hot Chili Peppers in Interlaken.
Und der ausgezehrte Godfather of Punk, Iggy Pop, am Retortenfestival Rock the Ring im Zürcher Oberland.
«Wa luegsch!?». Punk-Altmeister Iggy Pop. (Bild: pd/Rock the Ring)
Auch das Openair St.Gallen legt bald nach und veröffentlicht am 21. Januar einen Teil des Programms.
Währenddessen friere ich beim Velofahren an die Finger, hacke Holz für den Ofen und warte gespannt auf den ersten richtigen Schnee. Nichts ist weiter weg als der nächste Festivalsommer.
Trotzdem: Wer bei einem der obigen Anlässe dabei sein will, muss sich jetzt schon ultimativ Gedanken übers Ticketkaufen machen. Eigentlich eine Zumutung, an die sich die St.Galler Festivalgänger aber offenbar gewöhnt haben. Wer sich dem Hype entziehen will, kann einzig auf den schlechten Wetterbericht kurz vor dem Festival spekulieren. Tritt dieser ein, wird ricardo.ch zuverlässig mit günstigen Tickets überschwemmt werden. Oder man zahlt – bei schönem Wetter und starkem Programm – halt die saftigen Preise auf dem Schwarzmarkt.
Weit weg: Das Openair St.Gallen, Ausgabe 2015. (Bild: upz)
Druck auf St.Gallen Ich erinnere mich an eine Zeit, in der ich jeweils drei Wochen vor dem Openair St.Gallen in Flip Flops an den Bahnschalter gegangen bin, und mir ein Ticket gekauft habe. Ohne überhitztes ricardo.ch-Gefeilsche, ohne monatelange Planung, ohne Spekulieren. Das ist geschätzt vielleicht fünf oder sechs Jahre her, aber heute undenkbar geworden: Die Ausgaben 2015 und 2014 des Festivals im Sittertobel waren jeweils bereits im Dezember des Vorjahres ausverkauft, nur Stunden oder wenige Tage nach Beginn des Vorverkaufs.
Gepusht hat diese Entwicklung die harte Konkurrenz auf dem gesättigten Schweizer Festivalmarkt: In einem Land, in dem fast jedes Dorf sein eigenes Festival hat, muss man schnell sein – also Lärm machen, sobald man ein paar zugkräftige Bands vorweisen kann.
«Die Dynamik der Branche hat sich in den letzten Jahren so entwickelt», sagt Sabine Bianchi, langjährige Sprecherin des Openair St.Gallen. So wurde sie im Dezember regelmässig – von Journalisten und Fans – darauf angesprochen, wo denn das St.Galler Programm bleibe. «Wir wollten dieses Jahr aber bewusst erst an die Öffentlichkeit gehen, wenn wir einen grossen Teil des Programms kommunizieren können», sagt Bianchi.
Das soll am 21. Januar der Fall sein. Knapp zwei Wochen nachdem das Programm gedroppt wird, geht dann auch der Vorverkauf los. In diesen zwei Wochen soll sich im Fanportal registrieren können, wer das bislang noch nicht gemacht hat. Denn auch ohne das geht nichts mehr.
Leichtheit in Nyon, Alleingang in Bern
Etwas verpennt mit dem Programm von 2015 sind von den «Grossen» online nur noch das Openair Lumnezia, das Openair Gampel, das Zürich Openair und das Paléo Festival unterwegs. Letzteres kann sich eine gewisse légèreté aufgrund seines legendären Rufs erlauben, und das Zürich Openair geschäftete eh schon immer nach eigenen Regeln. Einen Alleingang, den die Konkurrenz wohl genau beobachten wird, wagt das Gurtenfestival. Dessen Tickets werden 2016 zum ersten Mal personalisiert sein.
Fairer Schachzug der Berner: Im Frühling, wenn das Programm des Gurtens zum grössten Teil bekannt sein wird, kommt ein zweites Ticketkontingent auf den Markt. So können jene, die (vor allem) wegen der Musik an Festivals gehen, sich richtig entscheiden – und Enttäuschungen vermeiden, die vorprogrammiert sind, wenn man im Winter gezwungenermassen bei den Hamsterkäufen mitmachte, weil es halt alle tun.
Ticketkauf beim «Auschecken»?
Es bleibt spannend zu beobachten, wohin sich das Ticketwesen weiter entwickeln wird. Werden wir dereinst beim «Auschecken» (das heisst ja offiziell so) vom Festivalgelände gleich auch noch am Verkaufsstand mit den Tickets fürs nächste Jahr vorbeigeschleust? Das war in St.Gallen 2011 mit der Ankündigung der Toten Hosen fürs Jahr 2012 schon fast so. Wobei: Das Konzert der untötbaren Deutsch-(Pop)-Punker war dann unbestritten stark.
Oder bricht die Welle irgendwann, gibt es irgendwann zu viele Festivals für zu wenige Freaks?
Übrigens sind die Festivals der Popkultur nicht die Einzigen, die unverschämt früh ihre Tickets auf den Markt werfen – die von den Konsumenten dann auch brav gekauft werden: Auch die St.Galler Festspiele, die 2016 wieder auf dem Klosterplatz stattfinden, haben den Voverkauf im Dezember lanciert. Die Top-Plätze in der mittleren Tribüne («neuer Premium-Sektor mit hohem Komfort») sind an den Wochenenden schon ziemlich gut verkauft.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?