Etwas ist fast jedes Jahr gleich beim Nordklang-Festival: Wenn man sich nicht herzhaft mit der Musikszene im Hohen Norden auseinandersetzt, kennt man kaum mehr als einen oder zwei der vielen Namen auf dem Programm.
Daran hat sich auch im elften Festival-Jahr nichts geändert. Der Däne Lasse Matthiessen ist uns noch ein Begriff, weil er vor etwa zwei Jahren im Kulturhaus Rose in Stein gespielt hat, über Gidge stand letzten Frühling was im «Cone Magazine», und M€RCY und Antonio Gram heissen die Soloprojekte der Gründungsmitglieder von Reptile Youth.
Esben Valløe aka Antonio Gram
Der Rest des diesjährigen Line-Ups ist Neuland. Und das ist auch gut so, denn was gibt es Schöneres, als Unbekanntes zu entdecken – und in gut vier Wochen gleich noch live vor der eigenen Haustür zu erleben. Eine Pionier-Haltung, die auch von den Macherinnen und Machern des Nordklang-Festivals gepflegt wird, etwa wenn sie sich am SPOT-Festival in Århus regelmässig Inspiration fürs heimische Programm holen.
Keine Genre-Schubladen, sondern Kategorien
Damit man sich trotzdem einigermassen orientieren kann, gibt es seit letztem Jahr verschiedene Skalen auf dem Nordklang-Flyer. Sie versuchen, die Musik der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler einzuordnen, aber nicht in beengte Genre-Schubladen, sondern in Kategorien wie «traditionell bis modern», «instrumentell bis elektronisch», «laut bis leise» und «fröhlich bis melancholisch».
sir Was aus Schweden müsste demnach eher elektronisch, leise, melancholisch und sehr modern klingen. Nachdem wir YouTube intensiv konsultiert haben, können wir das grob so bestätigen:
Valdimar aus Island klingen ebenfalls vielversprechend (auch wenn wir kein Wort von dem verstehen, was sie singen). Im Programm ist die Band als eher instrumentell und modern gelistet und soll laut Nordklang-Präsidentin Larissa Bissegger eine «ziemlich abgefahrene Truppe» sein:
Sehr traditionell und fröhlich kommen Hohka daher. Das Folk-Musik-Ensemble aus Finnland ist schon seit mehr als zehn Jahren aktiv und ist auch schon ordentlich rumgekommen:
So ziemlich das Gegenteil von Hohka: M€RCY. Sie reissen den «Ausklang» am Samstagabend in der Grabenhalle und machen «schnörkellosen Techno», sagt Bissegger. Fürs Aufwärmen am selben Abend sind The Youth aus Dänemark zuständig, eine Band, die sich auf Garage-Rock aus den 60ern spezialisiert hat.
Den Abgang machen mit M€RCY
Das generelle Einwärmen geht aber bereits am Donnerstag zuvor vonstatten, wenn die vier Damen von We Like We, ebenfalls aus Dänemark, im Kinok den Schweizer Stummfilm Der Rächer von Davos von Heinrich Brandt vertonen (um 19 Uhr und ein zweites Mal um 21 Uhr). Darin geht es um «die schöne Agnes», die sich in den Grafen de Miliesco verliebt, welcher es wiederum nur auf Agnes’ Geld abgesehen hat. Schneekutschenrennen und Showdown auf dem Viadukt der Rhätischen Bahn inklusive.
Für einmal ohne Vorklang
Zum zehnjährigen Jubiläum letztes Jahr hat Nordklang-Gründer Felix Van den Berg die Leitung des Festivals an ein junges Team abgegeben. Dieses sei nach der erfolgreich bestandenen Feuertaufe im letzten Jahr weiter zusammengewachsen und freue sich nun sehr auf die diesjährige Ausgabe des Nordklang-Festivals, sagt Bissegger.
Einziger Wehmutstropfen: Der geplante «Vorklang», eine Kooperation mit Katrine Stochholm aus Dänemark und hiesigen Künstlern in der Kirche St.Laurenzen, musste aus organisatorischen Gründen kurzfristig abgesagt werden.
Die gute Nachricht: Das Nordklang sucht noch Helferinnen und Helfer, zum Beispiel an der Garderobe, an der Kasse oder für die Betreuung der Bands. Das Ganze ist ehrenamtlich, wie alles beim Nordklang, aber wer will schon Geld für eine Gratis-Exkursion in die musikalischen Gefilde des Hohen Nordens. Wer Lust hat, kann sich melden: bei Dominik vom Verein Nordklang.
Nordklang 2017: 9. und 11. Februar, Grabenhalle, Palace, Pfalzkeller, Hofkeller und Kellerbühne St.Gallen. Showcase mit Ida Gard: 11. Februar, 15 Uhr, Viegener Optik St.Gallen. Ausführliches Programm: nordklang.ch.
Rahmenprogramm im Kinok, schon ab jetzt: Welcome to Norway. Infos und Spielplan: kinok.ch.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.