Gesellschaftskritischer Rap
Die Walliser Rapperin KT Gorique bringt kritische und treffsichere Lyrics nach Wil ins Gare de Lion. Musik die mitreisst und zum Nachdenken anregt.
Die Walliser Rapperin KT Gorique (Bild: pd)
Melodisch bis aggressiv – die neue EP Radio Pirate der Walliser Rapperin KT Gorique bedient die gesamte Palette an Stimmungen und doch sind alle Tracks aus einem Guss.
Die Künstlerin lässt sich in keine Schublade stecken: Ihre Musik vereint Hip-Hop, Reggae, afrikanische Rhythmen und elektronische Klänge zu einem einzigartigen Stil, den sie selbst als «Future Roots» bezeichnet. Mit ihrer energiegeladenen Bühnenpräsenz, poetischen Texten und kompromissloser Authentizität hat sie sich in der internationalen Hip-Hop-Szene etabliert.
Am 5. April tritt die Künstlerin im Rahmen ihrer «Radio Pirate Sound System Tour» im Gare de Lion in Wil auf.
Die italienisch-ivorische Künstlerin wurde 1991 in Abidjan an der Elfenbeinküste geboren. Afromusik, Reggae, Soul und Blues begleiteten sie durch ihre Kindheit. Bereits mit vier Jahren lernte sie Tanzen und drückte ihre Liebe zur Musik vor allem durch die Bewegung aus. Bald begann sie eigene Texte zu schreiben und mit etwa zwölf Jahren führte sie die Leidenschaft für Worte und Rhythmen zum Rap.
Mit 21 Jahren katapultierte sie ihr Talent ins Rampenlicht: Als erste Frau, erste Schweizerin und jüngste Teilnehmerin überhaupt gewann sie den internationalen Freestyle-Rap-Wettbewerb «End of the Weak» in New York. Dieser Sieg markierte den Beginn ihrer professionellen Musikkarriere und öffnete die Tür für zahlreiche Veröffentlichungen, Kollaborationen und Tourneen.
Es folgten mehrere Alben, für die sie verschiedene Auszeichnungen erhielt, unter anderem den Swiss Music Award in der Kategorie Best Act Romandie im Jahr 2023. Neben ihrer Musikkarriere hat sich KT Gorique auch als Schauspielerin bewiesen und gewann für ihre Rolle im Film Brooklyn von Pascal Tessaud aus dem Jahr 2014 mehrere Preise.
Die Musik von KT Gorique spiegelt ihre soziokulturelle Herkunft, ihre Erfahrungen als Migrantin und ihre unermüdliche Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit wider. Sie thematisiert persönliche Kämpfe ebenso wie globale Missstände, Identität und die Herausforderungen einer Frau in der männerdominierten Hip-Hop-Welt.
Die neue EP Radio Pirate ist in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Gary «Riga» Burke entstanden und wurde am 14. März veröffentlicht. Das Gare de Lion schreibt dazu: «Mit einem mutigen neuen Konzept sprengt KT Gorique die Grenzen ihres Schaffens und präsentiert ein kompromissloses 100-Prozent-Sound-System-Erlebnis, in dem donnernde Bässe auf kraftvolle digitale Beats treffen.»
Dennoch bleibt sich die frankophone Rapperin treu und kombiniert afrikanische Musikelemente mit Drill-Rhythmen und elektronischen Beats. Die Texte sind wie gewohnt pointiert: Gesellschaftskritik vereint sich mit einer grossen Portion Selbstreflexion und enormem künstlerischem Talent.
Reduziert und mit einem klaren Beat ist der Track Qui m’appelle?. Es geht um Respekt, ums Scheitern und darum, kompromisslos akzeptiert zu werden. Dabei ergänzt KT Gorique ihre französischen Texte mit Anglizismen: «Petit s'tu veux du love. Commence par poser du respect.»
Hochpolitisch ist dann auch das Lied Run, das sich mit Krieg, Unterdrückung und Macht auseinandersetzt. «J'ouvre ma bouche c'est pour dire tous les termes mon frérot. T'es trop émotif faut te taire mon frérot». Kritisch beleuchtet sie, wer überhaupt sprechen darf und wessen Stimme ungehört bleibt.
Und mit jedem neuen Projekt zeigt KT Gorique, dass sie gekommen ist, um zu bleiben und lässt so manche:n Deutschschweizer:in bedauern, im Französischunterricht nicht besser aufgepasst zu haben.
KT Gorique: «Radio Pirate Sound System Tour», 5. April, 20 Uhr, Gare de Lion, Wil.
garedelion.ch
Auf ihrem neuen Album Immer dur Nächt zeigen sich Stahlberger krautrockig. Und sie geben Halt in einer Welt, in der man sich an immer weniger festhalten kann.
Fünf Jahre arbeitete der St.Galler Musiker Marc Frischknecht alias Yes I’m Very Tired Now an seinem neuen Album, auf dem er sich mit existenziellen Fragen auseinandersetzt. Anfang März tauft er The Dark Tape mit seiner Band in der Grabenhalle.
Neues Musikalbum
Mit ihrem neuen Album Pura hebt Ziska von Crayen das Appenzeller Silvesterchlausen auf ein neues Level: irgendwo zwischen Ritualkunst, elektronischem Soundrausch und einer spirituellen Klangreise.
Die Songs von Olive Black gehen unter die Haut – und ins Herz. Die Rheintaler Musikerin verarbeitet darin ihre Vergangenheit. Und die hat es in sich.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.