Kategorie
Autor:innen
Jahr

Ging runter wie Honig

Am Mittwoch der letzten Kulturfestival-Woche wurden die Rap-Fans in St.Gallen mit einem Exklusiv-Konzert der Dilated Peoples verwöhnt. Rundum gelungen, und auch ihr Manager ist durchaus sympathisch.
Von  Corinne Riedener , 
Gut für Körper und Geist: Dilated Peoples (Bilder: Kasimir Höhener)

«Eine Mischung aus Klassentreffen und St.Gallerfest, nur mit geilerem Sound», sagte jemand nach dem Konzert. Kann man so sagen, denn ausser jenen, die gerade irgendwo in den Ferien weilen, traf sich gestern am Kulturfestival so ziemlich alles, was in den letzten 15 Jahren irgendwas mit Rap und Ostschweiz zu tun hatte. Was soll man auch sonst tun, wenn Dilated Peoples für ein Schweizer Exklusiv-Konzert in der Stadt sind. Jurassic 5 am selben Abend in Tsüri hin oder her.

Draussen, Bierdepot, ausverkauft – irgendwie passt auch der St.Gallerfest-Vergleich. Aber eben, der Sound… Das musikalische Angebot der alljährlichen Innenstadt-Sause ist in der Tat kläglich, verglichen mit dem Kulturfestival. Im Museumsinnenhof hingegen wurde das Publikum gestern einmal mehr mit musikalischem Gourmet-Material beglückt, und das auch noch bei edelstem Sommerwetter.

Auf der falschen Party

Den Anfang machten Thedawn und DJ Pacman, zwei nicht mehr ganz junge Lokalhelden und musikalisch definitiv etwas vom feineren vo dä Region für d’Region. Pünktlich um halb neun haben Dawns Bässe geknattert, die Köpfe genickt und die Füdlispalten geschwitzt. Und im Gegensatz zu anderen DJ’s, die ihre Turntables oft nur noch zum Sampeln benutzen, ist Pacman stets auf den Kern seines Business’ bedacht: Cuts und Scratches.

thedawn_pac

Der Support: Pacman (links) und Thedawn

Das passt zu den Dilates Peoples, denn DJ Babu hat das Scratchen spätestens mit dem Album The Plattform zur Kunstform erhoben. Wäre da bloss nicht dieser musikalische Stilbruch gewesen vor dem Auftritt der Jungs aus L.A.: Shantel und Balkan Techno ab Konserve. Am Abend davor, vor dem Auftritt der fantastischen Fanfare Ciocărlia, mag das tipptopp gepasst haben, aber gestern, wo alles im Zeichen der «Golden Era» stand, war Shantel irgendwie auf der falschen Party.

Der leichte Anflug von Ärger ist zum Glück rassig verflogen, als DJ Babu auf die Bühne kam und Hip Hop von Dead Prez anspielte. Als sich wenig später auch Evidence und Raaka Iriscience dazugesellten, wussten wir schon gar nicht mehr, dass Shantel überhaupt existiert. Die Ansage von Babu & Co. war jedenfalls deutlich: You can’t run you can’t hide. Und wer bis dahin noch an den Live-Qualitäten der Jungs gezweifelt hat, dürfte spätestens nach Live on Stage eines besseren belehrt worden sein.

Turntablism at it’s best

Raakas Funke sprang sofort über. Evidence wirkte manchmal etwas angespannt, hat aber ebenfalls grandios abgeliefert. Er ist gleich für zwei unerwartete Highlights verantwortlich: Sein Part als Weatherman von seiner 2007 erschienenen gleichnamigen Soloplatte ging runter wie Honig. Übertroffen hat er das noch mit You, einem von DJ Premier produzierten Track, zu finden auf Cats & Dogs, Evidences zweitem Soloalbum.

Dilated Peoples_2

Evidence, DJ Babu und Raaka (von links)

Zu den stärksten Momenten gehörte auch DJ Babus Solo-Einlage inklusive Seed-Splittern. Recht so, denn der Name Dilated Peoples steht bekanntlich nicht nur für erstklassiges Gerappe und geschmeidigen Flow, er steht auch für Babus inspirierende Beats und seine weltklasse Scratches.

Bei den Classics sollte es gestern aber nicht bleiben, schliesslich erschien mit Directors Of Photography Ende 2014 nach acht (!) Jahren endlich das fünfeinhalbte Dilated-Album. Fünfeinhalb, weil Imagery, Battle Hymns & Political Poetry, ihre erste Scheibe, bis heute nicht regulär veröffentlicht wurde. Anyway, mit Let Your Thoughts Fly Away oder Show Me The Way (am Kulturfestival ohne Aloe Blacc-Feature) haben sie jedenfalls bewiesen, dass sie auch nach bald 25 Jahren im Biz noch mehr als nur gepflegten Sound und auch entsprechende Performances abliefern – was bei anderen nicht mehr der Fall ist.

Kleiner Schwank zum Schluss: Der blonde Hüne mit dem Cap am Merchandise-Stand, der immer seinen Rucksack trug und zwischendurch stirnrunzelnd eine Runde auf der Bühne gedreht hat, sieht zwar ein bisschen aus wie die «weisse» Version von Brother Ali, ist aber kein Rap-Kollege der Drei aus L.A. – und auch kein Sicherheitsmann. «Oh, no», meinte er darauf angesprochen und grinste breit. «I am the manager.»

 

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
DSC09196

Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0505 max

Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
IMG 5751