Das Publikum im gut besetzten Saal blickt gespannt auf die Bühne. Zwei Männer in grauen Anzügen stehen nebeneinander, nicken sich wohlwollend zu. Die Stimmung ist erwartungsvoll-festlich. Die zwei Protagonisten stehen sich jetzt ganz nah. Sie sehen sich in die Augen, die Blicke schweifen nochmals kurz ab zum Publikum – dann holen sie aus zum Händedruck. Erste Klatscher münden in einem tosenden Applaus. Die Fotoapparate klicken und blitzen.
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filmwettbewerb.ch
Bis zu diesem Zeitpunkt scheint alles normal: ein Abkommen, ein Zusammenschluss öffentlich besiegelt – doch die Männer lassen nicht ab vom Händedruck. Der eine drückt fester, zieht kräftig-bestimmt an der Hand des anderen, das Gegenüber tut es ihm gleich. Die Szenerie artet aus: aus zwei Händen werden erst vier, dann fünf, dann unzählige – sie verknoten sich, ziehen mit Gewalt andere Anwesende heran, verschlingen sie und vereinen sich zu einem immer grösser und bedrohlicher werdendem Hände-Gesichter-Körper-Knäuel. Massenpanik breitet sich aus, die Menschen flüchten aus dem Saal, kreischend, stolpernd, rennend.
Die beschriebenen Szenen sind Ausschnitte aus Hand in Hand, dem Kurzfilm von Ennio Ruschetti, Rafael Kistler und Noah van Dok (Buchs, SG), der von der fünfköpfigen Jury als bester Film in der Kategorie «Professionals» prämiert wurde. Aus den rund 90 eingereichten Kurzfilmen wurden in den drei Kategorien «Professionals» (ab 22 Jahre), «Jungfilmer*innen» (13-21 Jahre) und «Musikclips» die besten Filme gekürt. Die fachkundige Jury des Kurzfilmwettbewerbs setzte sich zusammen aus Filmemacher Thomas Karrer, dem Kameramann und Produzenten Martin Rickenmann, dem Multimediaproduzenten, VJ und Kameramann Andreas Zuber, der Filmfestival Veranstalterin Mina Pawar sowie dem 3D-Artist & Trickfilmer Simon Oberli.
Dystopische Wirklichkeiten und spielende Babyfüchse
Nicht nur Hand in Hand thematisiert den schmalen Grad zwischen Realität und Horror und dessen teils fliessenden Übergang. Auch der Kurzfilm 2402 von Tobias Zürrer und Eddy Guzman (Mollis, GL), der sich mit Half the Story von Daniel Hager, Marvin Münger, János Bozi und Simon Hofstetter (Wängi, TG) den ersten Platz aus der Kategorie «Jungfilmer*innen» teilt, zeichnet eine düstere Zukunftsvision. In einer Zeit vor dem Virus unterhalten sich zwei Kinder aufgeregt und voller Vorfreude über ihre Zukunft am Gymnasium. Doch die Realität verläuft konträr – die Kinder erwartet eine dystopische Wirklichkeit, geprägt von staatlicher Repression.
Wer dann doch lieber Babyfüchsen beim Spielen zusieht und «Netz Natur» mit Andreas Moser zu seinen Lieblingssendungen zählt, fühlt sich mit Frühling – wo das Leben beginnt von Levi Fitze bestimmt abgeholt. Der Dokumentarfilm zur heimischen Fauna zeigt mit eindrücklichen Drohnen- und Nahaufnahmen das Verhalten von Amseln, Kleibern, Fuchs- und Entenfamilien im Frühling. Der Fotofachmann in Ausbildung aus Bühler hat in der Kategorie «Jungfilmer*innen» den vierten Platz belegt.
Kompositionen fürs Auge
In der Kategorie «Musikclips» wurden rund 24 Beiträge eingereicht, unter anderem von namhaften Ostschweizer Bands wie Stahlberger und Bit-Turner, den Punkrockern Painhead oder Panda Lux. Diese Videoclips standen den anderen Kategorien in puncto kreativer Ausgelassenheit und gemütvollen Bildkompositionen in nichts nach.
Letztendlich setzte sich Karambolage von Panda Lux durch und sicherte sich den ersten Platz in der Kategorie «Musikclips». Ennio Ruschetti, Robin Disch und Silvan Kuntz (Rorschach, SG) konstruierten einen farbig-sinnlichen Clip mit minimalistischem Setting, der mit einer bedächtig-humorvollen Art am charakteristisch verworrenen Bewusstseinszustand, der für gewöhnlich nach dem Aus einer Beziehung eintritt, teilhaben lässt.
Hier gehts zum Stream aller 31 nominierten Beiträgen inklusive Prämierung:
Werke aus vier Kategorien wurden am Donnerstagabend im Palace St.Gallen mit dem Ostschweizer Kurzfilmpreis ausgezeichnet. Tätowierte Bösewichte in Rapvideos und geschwätzige Möwenpuppen – die Sieger waren überraschend, findet Luca Ghiselli.
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann