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Halbe Storys und Dystopien

Ob Liebesfrust, düstere Zukunftsvisionen oder flauschige Tierbabies – die rund 90 eingereichten Beiträge des diesjährigen Ostschweizer und Liechtensteiner Kurzfilmwettbewerbs sind thematisch breit gefächert. Die Gewinnerinnen und Gewinner wurden online gekürt. Von Sandra Cubranovic
Von  Gastbeitrag , 
Illustration: Dario Forlin

Das Publikum im gut besetzten Saal blickt gespannt auf die Bühne. Zwei Männer in grauen Anzügen stehen nebeneinander, nicken sich wohlwollend zu. Die Stimmung ist erwartungsvoll-festlich. Die zwei Protagonisten stehen sich jetzt ganz nah. Sie sehen sich in die Augen, die Blicke schweifen nochmals kurz ab zum Publikum – dann holen sie aus zum Händedruck. Erste Klatscher münden in einem tosenden Applaus. Die Fotoapparate klicken und blitzen.

Weiter Infos zum Ostschweizer und Liechtensteiner Kurzfilmwettbewerb und Clips:

filmwettbewerb.ch

Bis zu diesem Zeitpunkt scheint alles normal: ein Abkommen, ein Zusammenschluss öffentlich besiegelt – doch die Männer lassen nicht ab vom Händedruck. Der eine drückt fester, zieht kräftig-bestimmt an der Hand des anderen, das Gegenüber tut es ihm gleich. Die Szenerie artet aus: aus zwei Händen werden erst vier, dann fünf, dann unzählige – sie verknoten sich, ziehen mit Gewalt andere Anwesende heran, verschlingen sie und vereinen sich zu einem immer grösser und bedrohlicher werdendem Hände-Gesichter-Körper-Knäuel. Massenpanik breitet sich aus, die Menschen flüchten aus dem Saal, kreischend, stolpernd, rennend.

Die beschriebenen Szenen sind Ausschnitte aus Hand in Hand, dem Kurzfilm von Ennio Ruschetti, Rafael Kistler und Noah van Dok (Buchs, SG), der von der fünfköpfigen Jury als bester Film in der Kategorie «Professionals» prämiert wurde. Aus den rund 90 eingereichten Kurzfilmen wurden in den drei Kategorien «Professionals» (ab 22 Jahre), «Jungfilmer*innen» (13-21 Jahre) und «Musikclips» die besten Filme gekürt. Die fachkundige Jury des Kurzfilmwettbewerbs setzte sich zusammen aus Filmemacher Thomas Karrer, dem Kameramann und Produzenten Martin Rickenmann, dem Multimediaproduzenten, VJ und Kameramann Andreas Zuber, der Filmfestival Veranstalterin Mina Pawar sowie dem 3D-Artist & Trickfilmer Simon Oberli.

 

Dystopische Wirklichkeiten und spielende Babyfüchse

Nicht nur Hand in Hand thematisiert den schmalen Grad zwischen Realität und Horror und dessen teils fliessenden Übergang. Auch der Kurzfilm 2402 von Tobias Zürrer und Eddy Guzman (Mollis, GL), der sich mit Half the Story von Daniel Hager, Marvin Münger, János Bozi und Simon Hofstetter (Wängi, TG) den ersten Platz aus der Kategorie «Jungfilmer*innen» teilt, zeichnet eine düstere Zukunftsvision. In einer Zeit vor dem Virus unterhalten sich zwei Kinder aufgeregt und voller Vorfreude über ihre Zukunft am Gymnasium. Doch die Realität verläuft konträr – die Kinder erwartet eine dystopische Wirklichkeit, geprägt von staatlicher Repression.

Wer dann doch lieber Babyfüchsen beim Spielen zusieht und «Netz Natur» mit Andreas Moser zu seinen Lieblingssendungen zählt, fühlt sich mit Frühling – wo das Leben beginnt von Levi Fitze bestimmt abgeholt.  Der Dokumentarfilm zur heimischen Fauna zeigt mit eindrücklichen Drohnen- und Nahaufnahmen das Verhalten von Amseln, Kleibern, Fuchs- und Entenfamilien im Frühling. Der Fotofachmann in Ausbildung aus Bühler hat in der Kategorie «Jungfilmer*innen» den vierten Platz belegt.

Kompositionen fürs Auge

In der Kategorie «Musikclips» wurden rund 24 Beiträge eingereicht, unter anderem von namhaften Ostschweizer Bands wie Stahlberger und Bit-Turner, den Punkrockern Painhead oder Panda Lux. Diese Videoclips standen den anderen Kategorien in puncto kreativer Ausgelassenheit und gemütvollen Bildkompositionen in nichts nach.

Letztendlich setzte sich Karambolage von Panda Lux durch und sicherte sich den ersten Platz in der Kategorie «Musikclips». Ennio Ruschetti, Robin Disch und Silvan Kuntz (Rorschach, SG) konstruierten einen farbig-sinnlichen Clip mit minimalistischem Setting, der mit einer bedächtig-humorvollen Art am charakteristisch verworrenen Bewusstseinszustand, der für gewöhnlich nach dem Aus einer Beziehung eintritt, teilhaben lässt.

Hier gehts zum Stream aller 31 nominierten Beiträgen inklusive Prämierung:

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,

Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

Von Angela Kuratli,
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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

Von Beatrice Häfliger,
Gruppenfoto

Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller