Der Griff zum Buch: Er könnte zum Beispiel diesem Buch, hier oben auf dem Bild im Stadium des Gelesenwerdens, gelten: Blumberg heisst es und ist der neue Roman des in Wien lebenden Exil-St.Gallers Andreas Niedermann.
Niedermann schickt seine Antiheldin Isa Blumberg, Journalistin mit ziemlich durchzogener Karriere und aggressiven Schüben, auf die Suche nach einem jungen Mann, der auf verdächtige Weise verschollen ist. In der Gluthitze einer Stadt, vermutlich Wien, weil es nur dort so unerträglich heiss sein kann, schwitzt sich Blumberg durch komplizierte Beziehungen, ergebnislose Recherchen und zwielichtige Fitnesscenter langsam an die tödliche Wahrheit hinter der Geschichte heran.
So realitätsnah Niedermann das ihm bestens vertraute Gym-Milieu beschreibt, so wie aus einer anderen Welt gefallen erscheint Blumbergs Begleiterin, eine schweigsame, hochschwangere türkische Taxifahrerin namens Düzen, die die Titelheldin im lottrigen Oldtimer durch die Hitze kutschiert wie eine postmigrantische Verkörperung des Todesfährmanns Charon – bloss dass hier am Ende nicht bloss gestorben wird, sondern auch ein Kind zur Welt kommt.
Blumberg ist ein Krimi, bei dem man auch lesenderweise auf höchst vergnügte Weise ins Schwitzen kommt.
Andreas Niedermann: Blumberg, Songdog Verlag Wien 2018, Fr. 25.- songdog.at
Niedermann liest am Welttag des Buchs allerdings nicht leibhaftig. Dafür gibt es andere klingende Namen und originelle Buch-Aktionen – nachstehend ein Einblick ins Programm der «Buchstadt» St.Gallen.
Tauschbücher, Pergamente, Lösli
Der wohl prominenteste Buchgast liest in Gossau: Peter Bichsel beehrt um 19 Uhr die Gutenberg Buchhandlung mit einer Lesung aus seinen Geschichten. Buchhändler André Wigger hat auch sonst ein intensives Tagesprogramm zusammengestellt unter dem biblischen Motto «Im Anfang war das Wort»: Ab halb zwei steht vorerst das Buch als Ding im Zentrum, mit Informationen zum Bindehandwerk, zu Reparatur und Druck. Um 17 Uhr liest Claudia Vamvas aus ihren Kürzesttexten «Sitze im Bus», nach der Verpflegung, sinnigerweise mit Buchstabensuppe, geht es weiter mit Bichsel, mit Slampoet Kilian Ziegler und mit Gutenachtgeschichten aus der Weltliteratur. In Gossau bietet am Montag Vormittag zudem auch die prächtige Stadtbibliothek ein Sonderprogramm.
Die städtischen Bibliotheken und Buchhandlungen haben sich für den Welttag des Buchs ihrerseits einige Buch-Anreize einfallen lassen. In St.Katharinen ist der Mediomat in Betrieb: «Bring ein Buch und nimm ein Buch». Die Bibliothek in der Hauptpost thematisiert das Reisen im Buch «von Afrika bis Winnetou»; das Finale macht hier im Raum für Literatur Raumfahrtexperte Bruno Stanek mit einem Referat über «kommerzielle Reisen zu Mond und Mars». Ein Weltreisender kommt auch an die Uni: Helge Timmerberg liest aus «Die Strassen des Lebens».
Die Kunstbibliothek Sitterwerk zeigt den «Stoff, aus dem die Bücher sind». In der Bibliothek der FHS sind die St.Galler Verlage Vexer, VGS und Triest zu Gast, die Mediatheken der PH machen ein Extraprogramm.Die Textilbibliothek bietet Führungen zu sonst nicht zugänglichen Beständen.
Programm und Infos:
buchstadt.ch
Die Stiftsbibliothek stellt ein Buch über zwei Weltstars der Buchgeschichte vor: die Schaffhauser Adamnan-Handschrift und das Irische Evangeliar von St. Gallen.
Schliesslich die Buchhandlungen: Comedia verlost «Das grosse Los» und in der Buchhandlung zur Rose bringt Schauspieler Matthias Flückiger als Hilfsbuchhändler Ladenhüter und Leseexemplare unters Volk (Bild oben, mit Buchhändlerin Leonie Schwendimann). Der Notenpunkt kündigt musikalische Überraschungen an, der Kinderbuchladen zeigt «Märchenwelten», und im Rösslitor gibt es Gratiskaffee. Den Tag nach dem Tag (beziehungsweise gleich die ganze Woche) begeht die Buchhandlung Buchpunkt Herisau – kleine Geschenke sollen die Kunden zur «Welt-Woche des Buches» locken.
Gefährdete Freiheitsrechte
Bücher ständen an der Schnittstelle einer Reihe von Freiheitsrechten, insbesondere dem Recht auf Ausdruck und der Publikationsfreiheit, heisst es in der Botschaft der Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay zum diesjährigen Weltbuchtag. Diese Freiheiten seien gefährdet – von Fragen des Copyrights und der kulturellen Vielfalt bis zu körperlichen Bedrohungen für Autoren, Journalistinnen und Verleger in vielen Ländern. Und diese Freiheiten würden auch mit Füssen getreten, wenn etwa Schulen angegriffen und Bücher zerstört würden.
«Es ist unsere Pflicht, weltweit diese Freiheiten zu verteidigen und Lesen und Schreiben zu fördern im Kampf gegen Analphabetismus und Armut. Darüberhinaus fördern Bücher die Kreativität und tragen dazu bei, Ideen und Wissen über alle Grenzen hinweg zu verbreiten», heisst es in der Botschaft der französischen Unesco-Chefin.
1995 hatte die Unesco den 23. April zum Welttag des Buches erklärt, als Festtag für das Lesen, die Bücher und die Rechte der Autorinnen und Autoren. Die UNO-Organisation für Kultur und Bildung hat sich dabei von dem katalanischen Brauch inspirieren lassen, zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg Rosen und Bücher zu verschenken. Zudem ist der 23. April der Todestag von William Shakespeare und Miguel de Cervantes.
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Nachruf auf Urs Ullmann
Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.