Jahrzehntelang war es bekannt als italienisches Konsulat, zuletzt war das Haus an der Frongartenstrasse im St.Galler Bleicheliquartier von Saiten und vielen Kulturschaffenden als «Kulturkonsulat» zwischengenutzt worden. Jetzt, zwei Jahre nach dem Abbruch, ist der Neubau praktisch fertig, Mitte August werden die Mitarbeitenden von Medisuisse vom benachbarten Oberen Graben her hinüberzügeln.
Für 70 Angstellte der AHV-Ausgleichskasse und der Pensionskasse der Ärzte bietet das Haus Platz. Die Hälfte des Erdgeschosses steht aussderm für eine öffentliche Nutzung zur Verfügung. Dies war eine Auflage in der Baubewilligung. Vermietet ist der Raum noch nicht. Und Wohnungen gibt es in diesem Neubau keine.
Selbstbewusst in hochrangiger Architektur-Nachbarschaft
Mit dem Projekt «Plug & Play» hatte das Basler Studio Harry Gugger einen eingeladenen Wettbewerb unter sechs Architekturbüros gewonnen. Der Solitär, als bisher höchster Holzbau der Stadt, nimmt den Fussabdruck des ehemaligen Konsulats auf. Er steht ohne Vorgarten auf der Baulinie des renovierten Nachbarhauses, das dem Katholischen Konfessionsteil gehört.
Auf der Hofseite entspricht das zweigeschossige Volumen dem Anbau des ehemaligen Konsulats. Die Hofterrasse des Neubaus ist aber nicht nutzbar – eine Konzession an Einsprachen aus der Nachbarschaft. Als sechsgeschossiges, turmähnlich wirkendes Gebäude besetzt der Neubau den Platz neben der 2012 fertiggestellten, mehrfach ausgezeichneten Erweiterung des Verwaltungsgebäudes des Kantons, realisiert ebenfalls von einem Basler Architekturbüro, von Jessenvollenweider.
Mit der im Erdgeschoss grauen und ab dem ersten Geschoss grünen, aus gewelltem Faserzement bestehenden Fassade steht der Medisuisse Neubau selbstbewusst im eng bebauten Quartier, ohne aber den Nachbarn zu nahe zu kommen. Gleich hoch wie der gegenüberstehende Neubau von 2019 des Architekturbüros Rüsch & Weh (früher Rüsch & Rechsteiner) mit dem Vermögenszentrum als Hauptnutzerin, bietet auch das neuste Gebäude im Quartier vom obersten Geschoss – mit einer Terrasse auf der Nordseite – den Blick über die Dächer.
Diese Etage ist aber nicht etwa den Chefs vorbehalten, sondern dient der gesamten Belegschaft als Cafeteria und Aufenthaltsraum, wie Kassenleiter Marco Reichmuth festhält.
Planen dauerte länger als Bauen
Nachdem die zwei Untergeschosse mit Garage, der Lift- und Treppenhauskern betoniert waren, entstanden die Etagen dank Vorfabrikation durch Erne Holzbau aus Laufenburg im Wochenrhythmus. «Unsere Planung hat mehr Zeit in Anspruch genommen als der eigentliche Bau», stellt Architekt Harald Schmidt vom Studio Harry Gugger fest. Grosse Bauteile samt Fenstern und Stützen und Bodenelemente wurden mit dem Kran aufeinandergesetzt.
Beheizt wird der Neubau mit Erdsonden. Über den Akkustikdecken sind die Heizungs-/Kühlungs- und Lüftungstechnik montiert. Weil die Geschossdecken aus Holz-/Betonverbund-Platten bestehen, übernehmen sie ihrerseits thermische Funktionen. Doch trotz kontrollierter Lüftung lassen sich im ganzen Haus die Fenster öffnen.
Die Etagen sind teils fest unterteilt, teils flexibel teilbar. Auf der Ostseite des Gebäudes finden sich die Gruppenbüros. Die Holzausstattung und Schafwoll-Teppiche sorgen für ein untypisches Büroambiente. In den Räumen dominiert helles Fichtenholz. Die Trennwände und Türen sind aus Brandschutzgründen aus Eichenholz, einzelne Eingangs- und Balkontüren sind aus statischen Gründen Metallkonstruktionen. Die unterschiedlichen Farben der Hölzer werden sich im Laufe der Jahre angleichen.
Brandschutz: kein Problem
Ein Holzbau dieser Grösse – und grösser – ist dank moderner Technik heute problemlos. Die Brandschutzbestimmungen lassen dies inzwischen auch zu. Beim Medisuisse-Neubau sind die Stützen «auf Abbrand» dimensioniert: Sie würden bei einem Brand zwar aussen angekohlt, aber ihre Tragfähigkeit bewahren. Nur im Erdgeschoss sind auf der Strassenseite die Stützen betoniert, weil hier der nötige Aufprallschutz zu noch massiveren Dimensionen geführt hätte.
Ein anderes grosses Holzbauprojekt in der Stadt St.Gallen ist die Überbauung Waldacker des Zürcher Architekturbüros Oxid (früher Burkhalter Sumi) mit 113 Wohnungen auf Boden der Ortsbürgergemeinde. Die beiden Zeilenbauten sind für ihre nachhaltige Bauweise bereits ausgezeichnet worden. Ein weiteres Holzbauprojekt auf Boden der Ortsbürgergemeinde wird demnächst gestartet: die Überbauung des Areals der Stadtsäge.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?