Lachen ist gesund und macht glücklich. Diese einleuchtende Erkenntnis ist empirischwissenschaftlich erhärtet. Ebenso haben Forscher herausgefunden, dass gesünder und glücklicher ist, wer den Vokal i oft benutzt, da wir bei seiner Aussprache die Mundecken heben. Deshalb heisst Knuts Koffers vierte Platte ii. Das zweite i soll die falsche Aussprache verhindern (im deutschen Sprachraum hat Apple aus dem i ein weniger gesundes ei gemacht).
Auf Dauergrinsen oder Schenkelklopfen ist die Rapperswiler Band Knuts Koffer aber nicht aus. Einerseits interessiert sich Bandleader und Texter Frédéric Zwicker mehr für Politik, bizarre Paarungsrituale, Geschichte und Wissenschaft als für leicht verdauliche Sprüche. Andererseits sind die Texte doppelbödig und oft sarkastisch. Das musikalisch wie textlich in der heilen Welt beginnende Porträt des Biobauern Toni mündet in eine Alkohol- und Blutorgie. In Eimal im Lebe träumt ein Veganer davon, Robbenbabys mit einem Holzknüppel zu erschlagen. In einer zunehmend polarisierten Welt mit Medien und Politikern, die gerne vereinfachen, will Zwicker die Menschen motivieren, sich differenzierter mit Themen auseinanderzusetzen.
Die Schattenseiten der Antibabypille
Eine erste musikalische und inhaltliche Duftmarke gibt Knuts Koffer bereits mit Eisprung ab, dem ersten Lied des neuen Doppelalbums in Vinyl. Ein jazziges Intro geht über in einen stimmigen Reggae mit wummerndem Orgelsound. Dazu beklagt Zwicker die Wirkung der Antibabypille. Diese verhindere nämlich nicht nur den Eisprung, sondern auch die volle Entfaltung der weiblichen Schönheit (auch dies hat die Wissenschaft nachgewiesen). Die Lieder der Band Knuts Koffer sind wie ein Traumstrand, der mit Hundekot und Quallen besudelt ist. Oder wie subversive Appenzeller Bauernmalerei, die auch Inzucht und Korruption zeigt.
Zwicker ist zugleich Musiker, SlamPoet, Journalist, Aufklärer und Schriftsteller (die Veröffentlichung seines ersten literarischen Werkes ist in Vorbereitung). Inspiration fand er als Teenager in der Serie South Park und bei der britischen Komikergruppe Monty Python. Während seiner Zeit an der Kantonsschule fing er an, in Bands zu musizieren, später wurde er zum SlamPoeten.
Knuts Koffer: ii, knutskoffer.ch, Kauf und Download: flimmerplatten.ch
Konzerte: 12. Dezember, Titty Twister Bar, St.Gallen und 23. Januar, ZAK, Rapperswil-Jona.
Die Band Knuts Koffer entsprang 2006 Zwickers Wunsch, seine PoetryTexte mit Musik vorzutragen. Die erste Platte Greatest Hits veröffentlichte er 2007 mit dem Saxophonisten und ElectroTüftler Matthias Tschopp. Schon damals äusserte sich Zwickers ausufernde Fantasie in unkonventionellen Texten und einem experimentellen Sammelsurium von Musikstilen. Zwei Jahre später stiess der Schlagzeuger Dennis von Ballmoos zur Band. Vor einem Jahr fand die aktuelle Besetzung der Band zusammen: Patrick Watanabe (Schlagzeug, Perkussion), Christoph Bucher (Bass, Tuba) und Tobi Vogler (Piano, Akkordeon). Othmar Küng als Kunstfigur mit undefiniertem Auftrag ist der unterbeschäftigte Perkussionist mit Hang zur Komik. Knuts Koffer ist jetzt eine richtige, druckvolle Band mit beeindruckender Präsenz.
Zwicker singt, spielt Gitarre und Violine. Am Anfang eines neuen Liedes steht Zwickers Text, zu dem er das harmonische und melodische Gerüst mitbringt. Die Bandmitglieder entwickeln dazu ihre Ideen, die dann puzzleartig zusammengesetzt werden. So entsteht ein stilistisch sehr vielseitiger Sound, der ausgiebig geprobt wird, bis er bühnenreif ist.
Joachim Rittmeyers Lob
Knuts Koffer haben ii in einem Appenzeller Bauernhaus aufgenommen. Das Werk ist live – also im Bandverbund – eingespielt und wirkt entsprechend lebendig und authentisch. Vom ehemaligen Bewohner und jetzigen Mitbesitzer des Bauernhauses – Kabarettist Joachim Rittmeyer – gabs wohlverdientes Lob, wie auf der Bandwebsite nachzulesen ist: «Besonders gefällt mir der immer wieder aufschiessende fröhlichbeissende Sarkasmus, eingelegt in einen prächtig inspirierenden, fruchtigfetzigen Sound. Die Texte bleiben wunderbar auf dem Grat, unverbraucht, assoziativ, aber pfeilgenau, wenns ans Eingemachte geht.»
Dieser Text erschien im Dezemberheft von Saiten.
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