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Im Bann des Bergells

Die Biennale Bregaglia lockt das Publikum diesen Sommer ins entlegene Bergell. Das Tal ist dabei Schauplatz und Thema der Ausstellung zugleich. Dieses Wochenende erscheint eine umfangreiche Publikation dazu. Von Sebastian Ryser
Von  Gastbeitrag
Neue Kunst in alten Garagen: «The Fluttering Being» von Alexandra Navratil in Vicosoprano. (Bilder: Michel Gilgen)

Vicosoprano. Das Dorf mit knapp 450 Einwohner:innen befindet sich nicht weit von der italienischen Grenze. Während sich das Leben in neue Einfamilienhäuschen an den Rand verschoben hat, scheint die Zeit im Dorfkern stehengeblieben zu sein: Enge Gassen führen zwischen alten Steinhäusern hindurch, vorbei an ehemaligen Ställen und stattlichen Patrizierhäusern, die mit feinem Sgraffito verziert sind. Man spürt, dass Vicosoprano als Hauptort des Bergells immer schon ein wichtiger Knotenpunkt des Tals war.

Geschmückte Fassade am Haus Cad Pruz.

Das ist auch der Grund, weshalb die beiden Kuratorinnen Anna Vetsch und Bigna Guyer das Dorf als Austragungsort der diesjährigen Biennale Bregaglia gewählt haben. Sie begreifen das Tal als Ergebnis unterschiedlicher historischer, sozialer und wirtschaftlicher Prozesse. Die Verbindungen der Dörfer untereinander spielt dabei genauso eine wichtige Rolle wie die besondere geografische Lage des Bergells.

Aus diesem mehrdimensionalen Interesse speist sich ihr kuratorisches Konzept: 14 Künstler:innen haben sie eingeladen, sich mit dem Tal, seiner Geschichte und der es umgebenden Natur auseinanderzusetzen. Entstanden sind ortsspezifische Werke in unterschiedlichen Medien, die ihre Anknüpfungspunkte in der lokalen Geschichte und Geografie des Tals haben.

Brunnenbild von Zoé Cornelius.

Die zeitgenössischen Positionen wurden vom Kuratorinnen-Duo dann behutsam ins historische Ortsbild eingefügt: Video-Art flackert in einem leeren Holzschuppen, Fotografien funkeln am Grund der Dorfbrunnen, und über dem Fluss Maira leuchten farbige Lichtinstallationen. Dass die Werke dabei nicht vom pittoresken Kontext erdrückt werden, liegt am klaren Konzept von Vetsch und Guyer. Sie lassen die Werke durch ihre Platzierung mit den Räumen in Kontakt treten, ihre Geschichten aufnehmen, sie weiterdenken oder sich daran reiben.

Hexenverfolgung im Stall

Mit der Geschichte des Ortes beschäftigt sich die Basler Künstlerin Lena Maria Thüring, die das obere Geschoss eines ehemaligen Stalles bespielt. Das Thema ihrer Arbeit sind die Hexenprozesse, die im Bergell vom 16. bis ins 18. Jahrhundert stattfanden. In einer multimedialen Installation verwebt die Künstlerin Videoaufnahmen mit einem Sprechchor sowie einem eigens kreierten Duft zu einer klugen und sinnlichen Reflexion über die Marginalisierung von Frauen.

Down The River von Lena Maria Thüring.

Den Sprechchor hat Thüring mit einem Chor aus dem Bergell aufgenommen, den Duft hat sie in Kooperation mit dem in der Region ansässigen Unternehmen Soglio entwickelt. Sie zieht in ihrer Arbeit somit nicht nur Verbindungen von der bergeller Sozialgeschichte weiter zu aktuellen Diskussionen um Unterdrückung und Empowerment. Sie bezieht auch Akteur:innen aus der Region in den Produktionsprozess mit ein, was die Arbeit in ihrer Vielschichtigkeit an den Ort bindet.

Frisch gemauert

Auch Christian Hörlers Arbeit fügt sich in den Ort. Der in Ausserrhoden lebende Künstler hat für die Biennale einen schlichten Quader aus Steinen aufgeschichtet, die er in der Umgebung gefunden hat. Dafür nutzte er die Technik des Trockenmauerns, bei der Steine ohne Einsatz von Mörtel zusammengesetzt werden.

Christian Hörlers Trockenmauer Lichtmass Richtung Meer und eines seiner Vorbilder:

Die Skulptur gibt sich im Kleid lokaler Bausubstanz, strahlt aber zugleich den kühlen Formalismus der Minimal Art aus. Doch anders als dort steht bei Hörler eben genau der Prozess in seiner entschleunigten Zeitlichkeit im Fokus. Das traditionelle Handwerk und die moderne Formensprache treten in einen spannungsreichen Dialog. Und bieten ein Zuhause für Eidechsen und Insekten.

Einen ganz anderen Zugriff auf den Ort gibt es bei Jiajia Zhang und Jiří Makovec zu sehen: Die Arbeit des St.Galler Duos besteht aus einer 10-teiligen Postkartenserie mit Motiven, die die Künstler:innen im Bergell aufgespürt haben. Die Karten zeigen Spuren und Zeichen in der Landschaft – Markierungen und Fundstücke, natürliche oder menschgemachte.

Postkarten von Makovec/Zhang.

Die Verschiebung der Fotografien in das Medium der Postkarte so subtil wie konzeptionell stark: Die Postkarte als Bildträger verweist nicht nur auf den Tourismus in der Gegend; die Karten können in verschiedenen Läden im Bergell, aber auch in allen Postfilialen in der Schweiz gekauft werden. Das Tal verbreitet sich so – technisch reproduziert – im ganzen Land.

So unterschiedlich die Arbeiten in ihrem Zugriff auf das Bergell sind – in allen ist das Echo seiner Geschichte und Natur zu spüren. Und so verändert sich beim Spaziergang durch die Ausstellung auch der Blick auf das Dorf selbst. Die Kunst macht den Ort in seiner Vielschichtigkeit neu erfahrbar.

Biennale Bregaglia: bis 24. September, Vicosoprano
Buchvernissage: 30. Juli, 14.15 Uhr
Historische Führung «Frauen im Bergell»: 30. Juli, 16.15 Uhr

biennale-bregaglia.ch

Am 30. Juli erscheint nun eine umfangreiche Publikation zur Ausstellung. Nebst Besprechungen der Werke und zwei Essays zum Kontext der Ausstellung, gibt es darin auch einen literarischen Text der Rorschacher Autorin Anna Stern. Die Vernissage findet am 30. Juli in Vicosoprano statt – ein guter Grund, sich auf die Reise ins Bergell zu machen.

 

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

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Transluzent Saiten 5

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Stadtkultur2

Ei­ne Por­ti­on Kunst

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Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

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Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

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SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

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Von  Eva Bachmann
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Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

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Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
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Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
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FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

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Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

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Von  Jeremias Heppeler
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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ein er­staun­li­ches Werk

Her­bert Rauch (1929–2012) war Brief­trä­ger und Künst­ler. In den Schwarz-Weiss-Fo­to­gra­fien des Rank­wei­lers er­schei­nen Ob­jek­te wie Stei­ne und Fe­dern als abs­trak­te, gra­fi­sche Ge­bil­de. Nun ist ein Fo­to­band zu sei­nem Spät­werk er­schie­nen, und im Schau­raum Re­né Dal­pra in Alt­ach sind sei­ne Ar­bei­ten aus­ge­stellt.

Von  Ariane Grabher
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Stadt der Un­der­dogs

Ei­ne Bun­des­rä­tin, meh­re­re Na­tio­nal­rät:in­nen und die Po­li­trap­per der Stun­de: Al­le kom­men sie aus der Klein­stadt Wil. Ei­ne Er­kun­dung vor den Lo­kal­wah­len.

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Lukas reimann mike sarbach ursula haene