Kategorie
Autor:innen
Jahr

In der solidarischen Stadt

Wie sieht die Zukunft des Arbeitens, Wohnens und Zusammenlebens aus? Antworten auf diese Fragen gibt das Buch «Die Andere Stadt» des Zürcher Autors und Urbanitäts-Pioniers P.M.
Von  Peter Surber

P.M. – unter diesem Pseudonym war in den 80er-Jahren die Utopie bolo’bolo erschienen, bis heute ein Kultbuch des Stadt-Denkens. Ende 2017 brachte der Autor, nun unter seinem bürgerlichen Namen Hans Widmer, ein dickes Buch heraus, das die Stadt der Zukunft bis ins Detail entwirft.

Die Qualitäten dieser Stadt schildert Widmer so: «Wir wollen also schöne, dichte, spannende Städte, die Gemütlichkeit mit Grossstadtglamour, Langsamkeit mit Tempo, pompöse Gestaltung mit Schmuddelecken, Höhe mit Tiefe, Produktivität mit Musse, Gerechtigkeit mit Unterschiedlichkeit, Zuverlässigkeit mit Freiheit, lokale Verhocktheit mit globalem Austausch verbinden und sich in einem antifragilen Gleichgewicht halten. Wir wollen Städte, die uns leicht entlassen, aber auch gerne wieder aufnehmen. Wir wollen keine klebrigen Städte.»

Organisiert in Nachbarschaften

Der Lebensmittelpunkt werde sich in solchen Städten aus den personalisierten Wohnräumen hinaus in Nachbarschaften und Quartiere verlagern. Individuelle «Wohnschlösser» würden hinfällig. «Bewohnbare Städte gleichen Städten wie Marrakesch, Fez, Venedig oder dem alten Kyoto. Kaum verlässt du das Haus, bist du schon mitten in einer Vielzahl von Aktivitäten. Diese Aktivitäten müssen nicht kommerziell sein: Nachbarschaften sind selbst polyvalente Unternehmungen.»

Hans Widmer: Die Andere Stadt, mit Beiträgen von Hans Widmer, Bettina Dyttrich, Marcel Hänggi u.a. Paranoia City Verlag Zürich, 2017, Fr. 50.–

Die Nachbarschaft ist die Keimzelle der Widmer’schen Stadt. Sie umfasst im Schnitt 500 Bewohnerinnen, ist sozial durchlässig, bietet eine breite Palette von Wohnformen, ist demokratisch strukturiert, man übernimmt gegenseitig soziale und kulturelle Aufgaben, und ein Mikrozentrum dient im Verbund mit regionalen Landwirtschaftsbetrieben der Versorgung mit den Gütern des täglichen Bedarfs. Eine grössere Zahl von Nachbarschaften bilden das Quartier, das 10’000 bis 50’000 Personen zählt und alle zivilgesellschaftlichen Dienstleistungen erbringt. «Der Ort, wo das Quartier denkt, ist das ABC. Was ABC heisst, weiss niemand genau. Einige glauben, es stehe für Anti-Boredom-Center, andere halten es für ein Autonomes Bürger Centrum. Das ABC ist nicht materiell orientiert, sondern intellektuell, kulturell und politisch. Es ist jeden Tag 24 Stunden offen. Seine permanente Präsenz ist ein Teil seiner Wirksamkeit. Dadurch entsteht jene städtische Geborgenheit, die von führenden Urbanisten gefordert wird. Das ABC ist die moderne Agorà.»

Commons: Gemeingüter gehören allen


Grundlage der anderen Stadt ist eine andere Ökonomie. Und diese wiederum basiert auf Commons. Commons sind Güter, die niemandem allein gehören. Es sind gemeinschaftlich genutzte Ressourcen, die sowohl materiellen als auch immateriellen Charakter haben können. Dazu gehören Gemeingüter wie Luft, Natur oder Strassen, öffentliche Dienstleistungen wie Spitäler, Verkehrsmittel, Energie, Wasser, Bildung, Kultur, Gerichte oder Polizei sowie gemeinnützige Institutionen wie Wohngenossenschaften, Stiftungen, Hilfsorganisationen oder Vereine.

Illustriert wurde das Buch von Maria Rehli, gestaltet von Camille Decrey.

Statt Waren werden Commons produziert. Und alle Menschen werden in die Gestaltung von wirtschaftlichen Vorgängen einbezogen. «Das braucht mehr Zeit, mehr Kommunikationskompetenz, neue Institutionen», schreibt Widmer. Commons existieren nicht einfach, sie müssen immer wieder neu hergestellt werden, sie basieren auf Vereinbarungen. Bei Commons geht es um Teilen statt Tauschen. «Und da Menschen unterschiedlich sind, heisst Teilen immer auch Umverteilen.»

Ändern werden sich auch die Arbeitsbedingungen selbst. Wenn Profitdruck und die Konkurrenz zwischen einzelnen Unternehmungen wegfielen, dann könnten nichthierarchische Teams viel produktiver arbeiten. Diese Arbeitsform, auch Peer-to-Peer genannt, werde heute schon als die effektivste anerkannt.

Widmer bilanziert: «Die Commons-Stadt ist die Rückkehr zur Essenz des Stadtlebens: Kooperation zum allgemeinen Wohl. Städte sind der ideale Rahmen, um diese Kooperation direkt, unmittelbar und transparent-demokratisch zu gestalten.» Städte nur als Wohn- oder Konsumstädte seien dagegen nicht commons-tauglich.

Dieser Beitrag erschien im Aprilheft von Saiten.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Ben­fi­ca vs FC St.Gal­len 5:0 – Wei­ter geh­t's in der Con­fe­rence Le­ague

Der FCSG kriegt beim Aus­wärts­spiel in Lis­sa­bon die Gren­zen deut­lich auf­ge­zeigt. Sie ver­lie­ren das Spiel 0:5. Da­mit geh­t's für den FCSG jetzt ge­gen She­riff Ti­ras­pol in der Con­fe­rence Le­ague wei­ter. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bild­ge­wal­ti­ges Epos mit nach­hal­ti­gem Sei­ten­ef­fekt

No­ti­zen zu Chris­to­pher Nolans The Odys­sey

Von  Florian Vetsch
Odysseus und Athene

Vie­le For­mu­la­re, zwei Ge­sprä­che und ei­ne Power­point-Prä­sen­ta­ti­on

An­ja Braun leb­te be­reits 18 Jah­re in der Schweiz, als sie sich ge­mein­sam mit ih­rer Fa­mi­lie ent­schied, sich ein­zu­bür­gern. Es war ein lo­gi­scher Schritt. Das Ver­fah­ren war es nicht im­mer.

Von  Andi Giger
260722 illustration einbuergerung 2

Neues Buch

Zwi­schen Cha­os und Hoff­nung – La­ra Stolls Gun­ni

Von  Kathrin Reimann
215790

Ein aus­ser­ge­wöhn­li­ches Ge­spür für künst­le­ri­sche Qua­li­tät

Be­reits 1971 er­öff­ne­te Ur­su­la Krin­zin­ger ih­re ers­te Ga­le­rie in Bre­genz. Bis heu­te prägt sie die Kunst­sze­ne weit über die Bo­den­see­re­gi­on hin­aus. Nun be­fasst sich die Bre­gen­zer Som­mer­aus­stel­lung im Pa­lais Thurn und Ta­xis mit der Ga­le­ris­tin.

Von  Sieglinde Wöhrer
Ursula K dez2018 27 A9595

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 5

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 5: Emil Brun­ner – «Berg Kind Welt», Ra­pid Open­air und Kul­tur­ufer. 

Von  Redaktion Saiten
DSC05051 Kopie copy

FC St.Gal­len vs. FC Zü­rich 2:1 – Ers­te drei Punk­te im Tro­cke­nen

Der Spa­gat zwi­schen eu­ro­päi­schen Näch­ten und bie­de­rem Su­per­league All­tag ist oft schwer. So auch heu­te. Ei­ne Leis­tungs­stei­ge­rung und die rich­ti­gen Wech­sel in der zwei­ten Halb­zeit rei­chen aber für die ers­ten drei Punk­te der Sai­son. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bren­nen­de Wa­den und leuch­ten­de Kat­zen

In leich­ten Pas­tell­tö­nen und dunk­len Öl­far­ben setzt sich der deut­sche Künst­ler Mar­cel Hüpp­auff mit dem Pro­fi­rad­sport aus­ein­an­der. Da­bei tre­ten in sei­ner Schau im Chambre Di­rec­te-Schubi­ger in St.Gal­len nicht nur Men­schen, son­dern auch Kat­zen in die Pe­da­le.

Von  Vera Zatti
IMG 0330

Ein Wer­den­ber­ger Po­lit­star – lau­fend, stri­ckend, stets ge­er­det

Mit Hil­de­gard Fäss­ler (1951–2026) ver­starb kurz vor ih­rem 75. Ge­burts­tag ei­ne der pro­fi­lier­tes­ten Ost­schwei­zer Po­li­ti­ke­rin­nen an den Fol­gen ei­ner schwe­ren Er­kran­kung. Nach­ruf ei­ner lang­jäh­ri­gen Weg­ge­fähr­tin.

Von  Käthi Gut
P8262285

Wo Kunst ent­steht

Ver­steckt im Sit­ter­tal pro­du­ziert die Kunst­gies­se­rei Wer­ke re­nom­mier­ter Künst­ler:in­nen. Da­bei gilt es oft, Neu­es aus­zu­pro­bie­ren und Lö­sun­gen zu fin­den – mit Zu­cker, Wachs und na­tür­lich Me­tall. Sai­ten er­hält ei­nen Ein­blick in das ver­rück­te Schaf­fen am Ran­de St.Gal­lens.

Von  Daria Frick , Bilder:  Andri Vöhringer
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 11

FC St.Gal­len vs. Ben­fi­ca 2:1 – St.Gal­len schafft die Sen­sa­ti­on!

Der FC St.Gal­len ge­winnt ge­gen den haus­ho­hen Fa­vo­ri­ten aus Lis­sa­bon mit 2:1. Die gröss­te Sen­sa­ti­on, die die­ses Sta­di­on je ge­se­hen hat. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 4

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 4: Cy­prien Gail­lard – «When you ex­pect flu­tes, it whist­les», «Komm Glüückck» und Je­re­my Reeds Buch Du stirbst nur zwei­mal – Ein Syl­via Plath-/Vic­to­ria Lu­cas-Ro­man.

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Emma Kunzs grotte copy

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Flip­per im Mi­li­tär­dienst

Von  Jeremias Heppeler

Bad­hüt­te Ror­schach: Re­kon­struk­ti­on bis zum Tür­schar­nier

Die Bau­plä­ne sind ge­zeich­net, das Bau­ge­such liegt zur Vor­prü­fung bei der Stadt – doch noch ist ei­ni­ges rund um den Wie­der­auf­bau der Ror­scha­cher Bad­hüt­te zu klä­ren. Was pas­siert zum Bei­spiel mit all den an­ge­ros­te­ten und teils ver­bo­ge­nen Schar­nie­ren, Schlös­sern und an­de­ren Ei­sen­tei­len, die die Tau­cher aus dem See her­auf­ge­bracht ha­ben?

Von  René Hornung
Badhuette rorschach

«Sie wis­sen, dass ih­nen Ge­fäng­nis oder der Tod droht, wenn sie an Pro­tes­ten teil­neh­men. Und sie tun es trotz­dem.»

Moh­sen Ma­sou­di ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz ge­flo­hen. Heu­te lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Op­po­si­ti­on. Er er­zählt, war­um es die Schlies­sung der ira­ni­schen Bot­schaft braucht und was sich mit den Pro­tes­ten An­fang Jahr ver­än­dert hat.

Von  Matthias Fässler , Bilder:  Sara Spirig
260708 Redeplatz Mohsen Masoudi

Ein Pi­ra­ten­schiff am Bo­den­see­ufer

Das See-Burg­thea­ter macht aus sei­ner Pi­ra­tin­nen­ge­schich­te Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny ein akro­ba­ti­sches Spek­ta­kel vom Feins­ten. Bei al­ler Som­mer­thea­ter-Leich­tig­keit hät­te man aber doch ein biss­chen mehr Eman­zi­pa­ti­ons­ge­schich­te er­war­tet.  

Von  Maria Schorpp
Piratencrew Bildnachweis Ilja Mess

Ei­ne ein­ma­li­ge Ge­burts­tags­par­ty

Zu sei­nem 20. Ge­burts­tag hat das Kul­tur­fes­ti­val am Wo­chen­en­de Bands aus St.Gal­len und der Re­gi­on zu ei­nem zwei­tä­gi­gen Kon­zert­fest ein­ge­la­den. Die­ses war so viel­fäl­tig wie ge­lun­gen – auch we­gen der Idee, Co­vers aus der Grün­dungs­zeit des Fes­ti­vals in die Sets ein­zu­bau­en. 

Von  David Gadze
Kulturfestival 20 Jahre Jubilaeum 2026 Kasimir Hoehener

Bregenzer Festspiele

Mehr als die See­büh­ne: Ent­de­ckun­gen an den Bre­gen­zer Fest­spie­len

Von  Nathalie Grand
Pressetag broucek anjakoehler 260236

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 3

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 3: «Was der Kai­ser noch sah», Olaf Breu­ning – «Hu­mans» und Oria­na Bruseghi­ni  – Das ver­las­se­ne Ret­tungs­boot. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Colazione Sull Erba Pfister Noemi copy

Von Mo­de und Kör­pern

Wie setzt Fo­to­gra­fie Mo­de in Sze­ne? Und wer fo­to­gra­fiert da­bei ei­gent­lich wen? Das Tex­til­mu­se­um St.Gal­len gibt mit «Mi­se en Scè­ne» Ein­bli­cke in 120 Jah­re Mo­de­ge­schich­te. Es ist die letz­te Schau vor dem Mu­se­umsum­bau. 

Von  Vera Zatti
TMF 22 4 1 V