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Saiten im April: Kollektive

Ein Jubelheft über selbstorganisierte Teams und Gemeinschaften, die möglichst hierarchiefrei, kooperativ und gewaltfrei funktionieren – ohne das übliche Oben-Unten. Ausserdem: Helen Meier, die Reise ins Herz eines zaudernden Aktivisten und Post aus Dahab.
Von  Redaktion Saiten
Bild: Jiří Makovec, Victoria, Gozo, 2013

Saiten funktioniert als Kollektiv – seit 25 Jahren. Das heisst: keine (oder zumindest: flache) Hierarchien, Einheitslohn und eine Diskussions- und Entscheidungskultur, die möglichst solidarisch und rundum respektvoll ist beziehungsweise sein soll. Die schöne Theorie besteht den Praxistest nicht immer gleichermassen kratzerfrei – aber immerhin erfolgreich seit 25 Jahren. Und auf diesem Kurs schippert der Saitenkahn auch weiter.

Diese Jubiläumsausgabe beschäftigt sich aus gegebenem Anlass mit Kollektiven. Wie können selbstorganisierte Gruppen, Teams, Gemeinschaften möglichst hierarchiefrei, kooperativ und gewaltfrei funktionieren? Wie fallen Entscheidungen, wie löst man Konflikte, wo liegen die informellen Stolpersteine? Was uns interessierte, waren zukunftstaugliche Arbeits- und Lebensmodelle ohne das übliche Oben-Unten. Denn wie sagte ein kluger Mensch kürzlich so träf: «Demokratie muss nicht nur als politisches System, sondern auch als Lebensform installiert werden.»

Drei solcher Projekte sind im Heft porträtiert: die St.Galler Buchhandlung Comedia, Genossenschaft der ersten Stunde, das IT-Unternehmen Liip, das sich holokratisch organisiert, und die Lebensgemeinschaft Nextgen in Trogen, die den Kollektiv-Gedanken umfassend bis in den Kleiderschrank zu verwirklichen sucht. Dazu gibt Soziokratie-Expertin Katja Breitenmoser Auskunft, wir stellen Hans Widmers Andere Stadt vor und wollten wissen, wie Basisdemokratie heute gelebt wird – am Beispiel des Kollektivs, das derzeit den St.Galler Frauenstreik vorbereitet.

Ganz ohne Nabelschau geht es natürlich auch nicht, zu finden auf den Seiten 37 bis 39. Aber nicht vergangenheitsbesoffen, sondern zukunftsgerichtet. Wir haben einiges angedacht und ausgeheckt fürs Jubeljahr und darüber hinaus, unter anderem eine Medienwerkstatt, ein Saitenkalender-Upgrade, eine Ostschweizer Kultur-IG – und ein neues Saitengewand, was unschwer zu erkennen ist. Gefeiert wird selbstverständlich auch, nämlich am 6. April im Kulturkonsulat und im ehemaligen Kino Rex, dem EXREX, das danach bis Ende Juni für Zwischennutzungen zu haben ist. Mehr zum Fest hier.

Ausserdem im Heft: Die Sonderausstellung «Kinder im KZ Bergen-Belsen», Begegnungen mit der Schriftstellerin Helen Meier, die im April ihren 90. Geburtstag feiert, das Sterbehilfe-Stück am Theater St.Gallen, die filmische Reise ins Herz eines zaudernden Aktivisten und Post aus Dahab.

Roman Hertler, Corinne Riedener und Peter Surber

 

Der Inhalt:

Reaktionen/Positionen
Redeplatz mit Eva Bachmann
Stimmrecht
Nebenbei gay
Warum?
Innensichten
Parteilos und Schnoris I–III

Kollektive

Soziokratie 3.0: Katja Breitenmoser über Hierarchien, die Lust am Konflikt und eine holländische Spitex-Organisation.
Von Corinne Riedener

Das Software-Unternehmen Liip arbeitet nach der Holokratie-Verfassung.
Von Roman Hertler

Wie die St.Galler Frauen niederschwellig und basisdemokratisch den Streik planen.
Von Jenny Heeb und Andrea Scheck

Die St.Galler Genossenschaftsbuchhandlung Comedia ist
 36 Jahre alt und wird heute noch im Kollektiv geführt – mit weit weniger Diskussionen als früher allerdings.
Von Sina Bühler

Die neue Arbeits- und Wohnutopie von Hans Widmer alias P.M.
Von Peter Surber

Die Nextgen Community versucht eine kollektive und gewaltfreie Form des Zusammenlebens. Ein Besuch im Bauernhaus in Trogen.
Von Peter Surber

Perspektiven

Saiten-Jubiläumsstrauss: Der Kalender, die Medienwerkstatt,
 das Redesign, der Comic, der Recherchefonds, die IG-Kultur Ost.
Von Corinne Riedener, Peter Surber, Roman Hertler und
 Michael Felix Grieder

Flaschenpost aus Dahab.
Von Kathrin Reimann

Kultur

Die Sonderausstellung «Kinder im KZ Bergen-Belsen» kommt
 nach St.Gallen.
Von Roman Hertler

Elio Riccas zweites Album Lovely Underground.

Von David Nägeli

Bassistin Martina Berther über die Lust am Experiment, Frauen in der Musikszene und den Vaterschaftsurlaub.
Von Corinne Riedener

Der weisse Vogel, der Hut und die Prinzessin: Begegnungen mit Helen Meier.
Von Charles Linsmayer und Peter Surber

Ivo Ledergerber bringt zu seinem 80. Geburtstag lyrische Alltagsgrübeleien im Waldgut-Verlag heraus.
Von Richard Butz

Christian Labharts Passion: Eine Reise durch die letzten 
50 Jahre – und ins Innere eines zaudernden Aktivisten.
Von Corinne Riedener

Sterben helfen am Theater St.Gallen: ein Probenbericht.
Von Peter Surber

Salvatore Vitale in
der Fotostiftung Winterthur.
Von Kristin Schmidt

Die Stadtprojektionen gehen in die dritte Runde, diesmal in den St.Galler Quartieren Lachen und St.Otmar.
Von Andri Bösch

Am Schalter im April: Kino – Eine Zeitreise.

Boulevard

Abgesang

Kreuzweiseworte
Kellers Geschichten
Pfahlbauer
Comic

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Daiana Lou

Heavy Psych Sounds Fest

Fes­ti­val der schwe­ren Gi­tar­ren­klän­ge

Von  David Gadze
Weedpecker 25 BW 6 50

Ro­ter Tep­pich und ro­te Li­ni­en

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Von  Roman Hertler
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Was­ser, Drag und Vir­gi­nia Woolf

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Von  Vera Zatti
LUX 9420 JPG 1500 by Leni O

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Im Bi­ber­re­gen

Von  Jeremias Heppeler

Ei­ne ak­ti­vis­ti­sche Künst­le­rin wie­der­ent­deckt

Ele­a­n­or An­tin ist seit 60 Jah­ren künst­le­risch tä­tig. Früh hat sie sich mit Tech­no­lo­gie, Ras­sis­mus und Gen­der­flui­di­tät be­schäf­tigt, doch zwi­schen­zeit­lich war sie fast in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten. Nun macht die ers­te eu­ro­päi­sche Re­tro­spek­ti­ve Sta­ti­on im Kunst­mu­se­um Liech­ten­stein.

Von  Kristin Schmidt
Eleanor Antin Ausstellungsansicht Foto Sandra Maier pr6

Fik­tiv und doch sehr re­al

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Von  David Gadze
Loveboy and his imaginary friends smile baby

Or­ga­nik trifft KI

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Von  Shqipton Rexhaj
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