Es sei eine Bau- und keine Kulturvorlage, hatte Regierungsrat Marc Mächler am 20. März vor den Medien und danach auch bei den Beratungen im Kantonsrat betont. Technische Mängel und prekäre Arbeitsbedingungen herrschten im markanten Betonbau. Und zwar vor allem hinter den Kulissen: In den Werkstätten werde zum Teil unter arbeitsrechtlich nicht mehr legalen und unzumutbar engen Platz- und Lichtverhältnissen produziert. Die Heizung sei marode, die Isolation mangelhaft, die Technik veraltet.
Bauchef Mächler sagte damals im März deshalb: Er rechne allenfalls mit Widerstand gegen die Kosten des Provisoriums, sei aber zuversichtlich, dass die Notwendigkeit der Renovation unbestritten bleibe. Details zur damaligen Medienorientierung hier.
Inzwischen ist klar: Die Vorlage kommt vors Volk. Bestritten wurde im Parlament von rechter Seite das Vorhaben als Ganzes – mit dem Argument, ein Neubau wäre sinnvoller als die geplante Renovation des 50-jährigen Theatergebäudes. Dass ein solcher bis zu 150 Millionen statt knapp 50 kosten würde, blieb unwidersprochen.
Zudem wird das Projekt kulturpolitisch angefeindet, so in einem Interview im «Tagblatt», wo Nationalrat Toni Brunner kritisierte, jetzt müssten «die Sarganserländer, die Rapperswiler und die Toggenburger plötzlich dieses marode Haus bezahlen».
Wenn der Kredit abgelehnt wird, bekommt genau diese Haltung des Kulturabbaus und der Entsolidarisierung im Kanton Aufwind. Deshalb Jakob: «Ja zur Kultur in der Ostschweiz, bitte!» nennt sich die Unterstützungsaktion, die Saiten initiiert. Sie könnte übrigens im Untertitel auch heissen: Ja zum Baugewerbe.
Ab der kommenden Woche wird dazu auf ja-kob.ch mehr zu lesen sein. Bis dahin: Jakobs zehn Gründe für ein Ja zum Kredit für den Theaterumbau und für die Kultur.
Jakob freut sich auf die Diskussionen. Und auf ein Ja zum Theater. Damit es unter zeitgemässen Bedingungen weiterspielen kann. Und die Kultur nicht zusammenpacken muss.
Szene aus «Vrenelisgärtli», Regie Jonas Knecht, 2016/17 am Theater St.Gallen.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.