Kategorie
Autor:innen
Jahr

Jakob oder 10 Gründe für das Theater

Am 4. März kommt der 48-Millionenkredit für die Renovation des Theaters St.Gallen zur Abstimmung. Saiten engagiert sich für ein Ja und lanciert ja-kob.ch. Ein paar Argumente.
Von  Redaktion Saiten
Visualisierung der Theaterfassade nach der Renovation. (Bild: Hochbauamt)

Es sei eine Bau- und keine Kulturvorlage, hatte Regierungsrat Marc Mächler am 20. März vor den Medien und danach auch bei den Beratungen im Kantonsrat betont. Technische Mängel und prekäre Arbeitsbedingungen herrschten im markanten Betonbau. Und zwar vor allem hinter den Kulissen: In den Werkstätten werde zum Teil unter arbeitsrechtlich nicht mehr legalen und unzumutbar engen Platz- und Lichtverhältnissen produziert. Die Heizung sei marode, die Isolation mangelhaft, die Technik veraltet.

Bauchef Mächler sagte damals im März deshalb: Er rechne allenfalls mit Widerstand gegen die Kosten des Provisoriums, sei aber zuversichtlich, dass die Notwendigkeit der Renovation unbestritten bleibe. Details zur damaligen Medienorientierung hier.

Inzwischen ist klar: Die Vorlage kommt vors Volk. Bestritten wurde im Parlament von rechter Seite das Vorhaben als Ganzes – mit dem Argument, ein Neubau wäre sinnvoller als die geplante Renovation des 50-jährigen Theatergebäudes. Dass ein solcher bis zu 150 Millionen statt knapp 50 kosten würde, blieb unwidersprochen.

Zudem wird das Projekt kulturpolitisch angefeindet, so in einem Interview im «Tagblatt», wo Nationalrat Toni Brunner kritisierte, jetzt müssten «die Sarganserländer, die Rapperswiler und die Toggenburger plötzlich dieses marode Haus bezahlen».

Wenn der Kredit abgelehnt wird, bekommt genau diese Haltung des Kulturabbaus und der Entsolidarisierung im Kanton Aufwind. Deshalb Jakob: «Ja zur Kultur in der Ostschweiz, bitte!» nennt sich die Unterstützungsaktion, die Saiten initiiert. Sie könnte übrigens im Untertitel auch heissen: Ja zum Baugewerbe.

Ab der kommenden Woche wird dazu auf ja-kob.ch mehr zu lesen sein. Bis dahin: Jakobs zehn Gründe für ein Ja zum Kredit für den Theaterumbau und für die Kultur.

  • Ja zu zumutbaren Arbeitsbedingungen: Die Werkstätten im Untergeschoss haben kein Tageslicht. Es fehlen geschlechtergetrennte Garderoben und sanitäre Anlagen. Die Maskenbildnerinnen können sich an ihrem Platz kaum drehen, die Waschküche würde kaum für einen Zweipersonenhaushalt reichen.
  • Ja zu zeitgemässer Technik: Die Betonfassade hat Risse. Die Bodenheizung ist funktionsuntüchtig, der Energieverlust bei den Eingangstüren beträchtlich, die Telefonanlage über 20 Jahre alt. «Trotz der Unterhaltsarbeiten ist der bauliche Zustand des Gebäudes schlecht», heisst es in der Vorlage.
  • Ja zu ein bisschen mehr Bühnentechnik: Die Renovation verzichtet auf wünschbare Verbesserung wie etwa eine (heute andernorts standardmässige) Drehbühne. Hingegen soll die Bühnenmaschinerie von Handbetrieb auf Elektrowindenzüge umgestellt werden.
  • Ja zu Komfort fürs Publikum: Die 1993 erneuerten Sitze sind «durchgesessen», der Bezug in einem Violett, das niemanden mehr glücklich macht. Verbessert wird zudem die Akustik.
  • Ja zum Betonbau: Das Gebäude von Claude Paillard gilt als meisterhafter Zeuge der Betonarchitektur der 60er-Jahre – wie in St.Gallen höchstens noch die Achslenhochhäuser von Heinrich Graf. Ein Abriss wäre ein Skandal, zudem bei einem Schutzobjekt von nationaler Bedeutung kaum möglich.
  • Ja zum Geld: Von den 48,6 Millionen Franken gelten nach Ansicht der Regierung nur 9,5 Millionen als wertvermehrend. Die Gegner stellten diese Rechnung in Frage und setzten bei der Schlussabstimmung im Juni eine Volksabstimmung durch. Mit dem Betrag bleibe St.Gallen, im Gegensatz zu anderen Schweizer Städten, «auf dem Theaterboden und macht kein Affentheater um sein Theater», stand im «Tagblatt».
  • Ja zur kantonalen Solidarität: 2009 hat die Bevölkerung der Übernahme des Theatergebäudes durch den Kanton zugestimmt. Das Theater, auch wenn es im Volksmund noch immer «Stadttheater» heisst, zieht Publikum aus der ganzen Ostschweiz und dem angrenzenden Ausland an. Land gegen Stadt – oder das angebliche «Volk» gegen eine angebliche «Elite» – auszuspielen, hat mit der Besucherrealität nichts zu tun. Auslastung (rund 75 Prozent) und Eigenwirtschaftlichkeit (über 30 Prozent) sind schweizweit einmalig, in erster Linie dank der volkstümlichen Musicaltradition.
  • Ja zur Kulturwirtschaft: Auch wenn Städte wie Winterthur oder Kantone wie Luzern noch drastischeren Kulturabbau betreiben: In Stadt und Kanton St.Gallen wird gern an der Kultur gespart. Das Kantonsparlament hat die Kulturausgaben plafoniert und Beträge (etwa an die Denkmalpflege) gestrichen. Was dabei vergessen geht: Kulturgelder sind Löhne – im Fall des Theaters für rund 560 Fest- oder Teilangestellte.
  • Ja, aber… zum Provisorium: Um den Spielbetrieb (und damit die Löhne) zu sichern, ist ein Provisorium mit 500 Plätzen am Rand des Stadtparks geplant. Der Standort ist umstritten, und kritische Stimmen fordern zwei «mobile» Spielzeiten während des Umbaus. Eine lohnende Diskussion.
  • Ja, aber… zur Lokremise: Ein Ja zur Theaterrenovation bedeutet keinen vorbehaltlosen Applaus für den Theaterbetrieb als Ganzes. Die freie Theater- und Tanzszene kommt in St.Gallen zu kurz, was Spielräume betrifft. Gefordert wird insbesondere mehr Platz in den beiden Theatersälen der Lokremise. Eine lohnende, eine notwendige Diskussion.

 

Jakob freut sich auf die Diskussionen. Und auf ein Ja zum Theater. Damit es unter zeitgemässen Bedingungen weiterspielen kann. Und die Kultur nicht zusammenpacken muss.

Szene aus «Vrenelisgärtli», Regie Jonas Knecht, 2016/17 am Theater St.Gallen.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Auf der Ziel­ge­ra­den

Es ist sei­ne letz­te Ses­si­on nach zehn Jah­ren im St.Gal­ler Kan­tons­rat. SP-Kul­tur­po­li­ti­ker Mar­tin Sai­ler setzt künf­tig ganz auf den Zel­tai­ner. Das Geld für den Neu­bau in Wild­haus ist fast zu­sam­men, 2027 soll es los­ge­hen.

Von  Peter Surber
Foto1 Zeltainer

Ohm41 stellen wieder aus

Kunst auf der Kip­pe

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 03 um 11 14 39

Sehn­sucht nach Frei­heit

Das Thur­gau­er Pop-Phä­no­men Noe­mi Be­za ver­öf­fent­licht An­fang Ju­ni ih­re neue EP. You’ll Find Me The­re ver­eint Coun­try-Vi­bes mit ast­rei­nem Pop – was man ein we­nig ver­misst, sind Ecken und Kan­ten.

Von  Jeremias Heppeler
1 Pressefoto Noemi Beza Youll Find Me There

Kolumne: Stimmrecht im Juni

Back to the Fu­ture

Von  Liliia Matviiv

Ausstellung in Herisau

70 Jah­re und 70 Pup­pen

Von  Vera Zatti
70 Jahre SG Ausstellung

«Gros­ses Lob für die­sen Kel­ler»

Nach 22 Jah­ren gibt Mat­thi­as Pe­ter die Lei­tung der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne ab. Vom Raum ist er nach wie vor be­geis­tert. Aber dem Ka­ba­rett ging es auch schon bes­ser, er­zählt er im Ge­spräch.

Von  Peter Surber
2606 Redeplatz Matthias Peter

Für ei­nen Mo­ment be­rührt

Die Thur­gau­er Künst­le­rin Mi­cha Stuhl­mann be­fasst sich in ih­rem neu­en Pro­jekt mit dem Da­sein im Mo­ment. Am 7. Ju­ni fin­det da­zu ein Work­shop in St.Gal­len statt und am 26. Ju­ni zeigt sie mit ih­rem En­sem­ble die fi­na­le Per­for­mance in Kreuz­lin­gen. 

Von  Vera Zatti
Martin Schweingruber DA SEIN Vorpremiere 20260509 tgkultur 31 von 49

Mu­si­ka­li­sches Fest zum 150.

Die Ton­hal­le Wil wur­de 1876 er­öff­net. Seit­her be­rei­chert sie prak­tisch un­un­ter­bro­chen das kul­tu­rel­le Le­ben der Äb­te­stadt. An den kom­men­den zwei Wo­chen­en­den wird ge­fei­ert.

Von  Roman Hertler
DSC2639

Lau­te Ein­sam­keit

Jo­nas Ul­rich taucht mit sei­nem ers­ten Spiel­film in die Black-Me­tal-Welt ab. Wol­ves ist ei­ne bild­star­ke Ge­schich­te über Ein­sam­keit und das Da­zu­ge­hö­ren, vol­ler Ge­gen­sät­ze und mit et­was holp­ri­gen Dia­lo­gen.

Von  Daria Frick
001 wolves

Das Ge­dächt­nis der Zu­kunft

St.Gal­len be­wahrt nicht mehr nur 1000-jäh­ri­ge Hand­schrif­ten. Mit dem In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land ent­steht hier ein Ar­chiv für Web­sei­ten, künst­li­che In­tel­li­genz und das di­gi­ta­le Ge­dächt­nis der Zu­kunft.

Von  Philipp Bürkler
2606 Internet Archive 01
Heftvorschau 06/26
archive.org, Generalverdacht, 80er-Aufbruch

Mit In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land ent­steht in St.Gal­len ein Ab­le­ger des gröss­ten Ar­chivs für Web­si­ten und Künst­li­che In­tel­li­genz welt­weit. Aus­ser­dem im Ju­ni­heft: Män­ner un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht, das gros­se St.Gal­ler 80er-Buch, das Ab­schieds­in­ter­view mit dem lang­jäh­ri­gen Kel­ler­büh­nen­chef und die Fla­schen­post aus Ve­ne­dig.

Saiten 2606 01 Cover

«Han­deln wi­der bes­se­res Wis­sen ist wie­der po­pu­lär»

Der WWF St.Gal­len wird 50 Jah­re alt. Sein Ge­schäfts­lei­ter Lu­kas In­der­maur zieht bei der Be­ur­tei­lung der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on von Na­tur und Um­welt ei­ne durch­zo­ge­ne Bi­lanz.

Von  Reto Voneschen
2605 Redeplatz Lukas Indermaur

Freu­de am Ma­chen

«Urs Frei. A – Z» im Kunst­mu­se­um St. Gal­len ist die ers­te Re­tro­spek­ti­ve zum aus­ser­or­dent­li­chen Schaf­fen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Ar­bei­ten ge­ben Ein­blick in ein Werk, das kaum zu fas­sen ist. Das ge­hört zu sei­ner Qua­li­tät.

Von  Ursula Badrutt
Urs frei online

Ideen für die Zu­kunft

Wie wol­len wir künf­tig le­ben und un­se­re Nah­rungs­mit­tel pro­du­zie­ren? Die Aus­stel­lung «How goes To­mor­row» der Ost­schwei­zer Künst­le­rin Clau­de Büh­ler in der Shed­hal­le in Frau­en­feld sen­si­bi­li­siert für nach­hal­ti­ge Hand­lungs­stra­te­gien. 

Von  Vera Zatti
IMG 9114

Vom Un­glück der Frau, die ihn ge­bo­ren hat

«Das Kind zu­rück­las­sen? Wie kann man so dumm und herz­los sein», schreibt der Schwei­zer Au­tor Lu­kas Bär­fuss über sei­ne Mut­ter, die kei­ne Mut­ter für ihn sein konn­te. In sei­nem neu­en Buch schaut er in die Ver­gan­gen­heit und hat Ver­ständ­nis, nicht für die Mut­ter, aber doch für die­se Frau, die nie Glück und im­mer zu we­nig Geld hat­te.

Von  Sieglinde Wöhrer
Jhqzg1tg 1 1 Stefano de Marchi

Lau­sanne-Ouchy vs. FCSG – St. Gal­len ist end­lich Cup­sie­ger!

Gaal, Gört­ler und Wit­zig schies­sen St. Gal­len zum lang­ersehn­ten Cup­sieg!

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bis­se am Bo­den­see­ufer

Die Me­di­ka­men­ten­ver­su­che von Müns­ter­lin­gen als Teil ei­nes Vam­pir-Mu­si­cals? Auf die Idee muss man erst ein­mal kom­men. Die Büh­ne Mam­mern wagt den Ver­such. Ab 29. Mai im Zir­kus­zelt.

Von  Michael Lünstroth
Cast landscape

Zwi­schen Gleis, Ge­gen­wart und Ge­sell­schaft

Die dies­jäh­ri­ge Kul­tur­lands­ge­mein­de fin­det ent­lang der Bahn­li­nie zwi­schen Gos­sau und Was­ser­au­en statt. Es ist ein in­ter­dis­zi­pli­nä­res Ex­pe­ri­m­ent­zwi­schen Kunst, Ge­sell­schaft und Ak­ti­vis­mus. Aus­ser­dem stellt die Kul­tur­lands­ge­mein­de künst­le­risch und or­ga­ni­sa­to­risch die Wei­chen für die Zu­kunft.

Von  Philipp Bürkler
KULA Vorstand Oleksandra Tsapko

Ein Fes­ti­val für Punk­rock

Am Sams­tag fin­det in St.Gal­len erst­mals das Punk­fes­ti­val El Car­tel statt. Es soll da­zu bei­tra­gen, die Sze­ne zu stär­ken. Da­bei fehlt es ge­ra­de in St.Gal­len an Nach­wuchs.

Von  David Gadze
Yellow tales grabepunk

Wy­bora­da: Die fe­mi­nis­ti­sche Bi­blio­thek der Ost­schweiz

Seit 40 Jah­ren macht die Bi­blio­thek Wy­bora­da in St.Gal­len sicht­bar, was lan­ge fehl­te: Li­te­ra­tur von und über Frau­en. Heu­te sind Au­torin­nen und fe­mi­nis­ti­sche The­men zwar stär­ker prä­sent in der Öf­fent­lich­keit, doch die Re­le­vanz der Bi­blio­thek ist nach wie vor gross.

Von  Marion Loher
2605 Wyborada Laura Tura room