Kategorie
Autor:innen
Jahr

Kulturbremserei (I): Klötis Antworten

Kulturplafonierung: War da was? Ja, da war was, auf den Tag vor zwei Wochen im St.Galler Kantonsparlament. Da wurde beschlossen, die Kulturausgaben bis 2020 einzufrieren – als einzige Sparte wurde die Kultur abgestraft. Regierungsrat und Kulturminister Martin Klöti nimmt Stellung.
Von  Peter Surber
Politik mit geschlossenem Visier... Objekte aus der St.Galler Archäologie-Ausstellung.

Saiten: Herr Klöti, der St.Galler Kantonsrat hat die Kulturausgaben bis 2020 plafoniert. Es fehlen in den kommenden Jahren rund 950‘000 Franken. Was sagen Sie dazu?

Martin Klöti: Grundsätzlich habe ich kein Verständnis für die Plafonierung, und zwar, weil das Geld zum allergrössten Teil aus dem Lotteriefonds stammt. Die Besorgnis der CVP, von der der Antrag ja gekommen war, dass die Staatsbeiträge für die Kultur laufend steigen, ist daher unbegründet. Immerhin wurde richtigerweise der Beitrag an die Lohnanpassung von Konzert und Theater St.Gallen von der Plafonierung ausgenommen. Die circa 80‘000 Franken jährlich sind gesetzliche Pflicht. Dieser Antrag war das einzig Gute, was ich dem Entscheid abringen konnte.

Einer der grösseren Beiträge, rund 250‘000 Franken, galt dem Betrieb und der Betreuung der neuen Archäologieausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen.

Das zeigt den ganzen Widerspruch in dem jetzigen Entscheid auf. Erst gerade vor zwei Jahren hat man die Räume renoviert, eine neue Ausstellung konzipiert und diese feierlich eröffnet. Das geschah damals im klaren Bewusstsein, dass daraus auch ein Mehraufwand für die Betreuung der Dauerausstellung resultiert. Der Staat sagt sehenden Auges Ja zu einem Projekt – und streicht dann die dazu notwendigen Betriebsbeiträge. Das ist, nicht nur in der Kultur, eine Inkonsequenz, die mir zu schaffen macht.

Das Kultur-Sparlament: Der Entscheid zur Plafonierung der Kulturausgaben bis 2020 fiel bei der Beratung des Aufgaben- und Finanzplans mit 61 zu 56 Stimmen knapp aus. Dafür waren CVP und SVP, geschlossen dagegen FDP, SP und Grüne. Bei der CVP gab es drei Nein-Abweichler: Thomas Warzinek, Mels, Mathias Müller, Lichtensteig und Nino Cozzio, St.Gallen. Bei der SVP hielt ein einziger dagegen: Christian Spoerlé, Gemeindepräsident von Ebnat-Kappel. Infos hier.

Was hat das für Folgen für die Archäologie-Ausstellung?

Man wird sie weiterhin aus dem Lotteriefonds finanzieren. Dasselbe gilt für andere geplante Engagements. Zum einen ging es um Beiträge an die jüngsten regionalen Förder-Plattformen Zürichsee-Linth und Thurkultur, wo jeder Kantonsfranken ja Gemeindegelder in gleicher Höhe zur Folge hat, was diesen Regionen etwas mehr Luft verschaffen soll für die Kulturförderung. Zum andern sind es Beitragserhöhungen an eine Reihe von Institutionen, die schon lange warten und jetzt weiterhin auch über den Lotteriefonds gehen müssen.

Ist das ein Nachteil?

Es schafft zum einen Unsicherheit für die Betroffenen – schliesslich geht es um Arbeitsplätze. Und man muss Jahr für Jahr projektbezogene Eingaben machen. Zum andern ist es grundsätzlich fragwürdig, Daueraufgaben in der Kultur, in der Denkmalpflege, aber auch im Sozialen über den Lotteriefonds zu finanzieren statt über den ordentlichen Staatshaushalt.

Skelett in der St.Galler Archäologieausstellung. (Bilder: Historisches und Völkerkundemuseum St.Gallen)

Sehen Sie hinter dem Plafonierungsentscheid eine generell kulturfeindliche Stimmung?

Nein, aber was mir Mühe macht, ist die Fixierung auf das Geld, nicht nur im Bereich der Kultur, sondern in beinah allen staatlichen Aufgaben. Unabhängig vom Thema endet die Diskussion beim Geld, und stets geht es darum, weniger Geld auszugeben oder zumindest nicht mehr. Von Gestaltungswillen und vom Engagement der Politik für die Gesellschaft ist hingegen kaum etwas zu spüren. Rundherum sehe ich sehr viel Eigeninitiative und freiwilliges Engagement, sei es im Gesundheitswesen, in der Kultur, im Sport, im Sozialen oder in der Bildung. Bloss beim Staat wird einzig ans Geld gedacht. Das fängt mich zunehmend an zu stören. Und es plagt andere auch, wie etwa das Votum von Andreas Hartmann in der Debatte gezeigt hat.

Vor der Plafonierung der Kulturausgaben gab es bereits das Nein des Kantonsrats zum Klanghaus-Kredit, die Kürzungen bei der Lokremise und Stellenstreichungen für die Bibliotheken. Sind jetzt auch die anstehenden grösseren Kulturprojekte gefährdet? Zum Beispiel das neue Kulturfördergesetz, das im März im Parlament beraten wird – in der vorberatenden Kommission sitzt eine Mehrheit von SVP und CVP, die allesamt Ja zum Kultursparen gesagt haben…

Bei dem Gesetz gibt es nichts, was nicht rundherum akzeptabel wäre, aus meiner Sicht. Es schreibt nur die heutige Förderpraxis fest und kostet uns nicht einen Franken zusätzlich.

Ein weiteres Grossprojekt ist die Renovation des Theatergebäudes, für welche im Finanzplan ab 2019 49 Millionen Franken eingestellt sind und für die eine Volksabstimmung nötig ist.

Das ist eine reine Bau- und keine Kulturvorlage. Das Gebäude ist 50 Jahre alt, es braucht eine Erneuerung, baulich und technisch, und teilweise eine Asbest-Sanierung.

Und die definitive Lösung für das  St.Galler Bibliotheksprovisorium in der Hauptpost?

Wir arbeiten an dieser Aufgabe, der definitive Standort steht zwar noch nicht fest, aber wir haben einen klaren Auftrag. Ein Provisorium kann nicht ewig bestehen bleiben. Die Plafonierung der Kulturausgaben hat damit aber keinen Zusammenhang.

Martin Klöti. (Bild: pd)

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
260708 Jim Dime Florin Roeoesli DSC6138

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
Hekvetia Hd M

FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
IMG 0500

Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
DRILL Pressphoto 2 Full

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ein er­staun­li­ches Werk

Her­bert Rauch (1929–2012) war Brief­trä­ger und Künst­ler. In den Schwarz-Weiss-Fo­to­gra­fien des Rank­wei­lers er­schei­nen Ob­jek­te wie Stei­ne und Fe­dern als abs­trak­te, gra­fi­sche Ge­bil­de. Nun ist ein Fo­to­band zu sei­nem Spät­werk er­schie­nen, und im Schau­raum Re­né Dal­pra in Alt­ach sind sei­ne Ar­bei­ten aus­ge­stellt.

Von  Ariane Grabher
2 HR M Steine 2009 124x154 r duplex WG5 RGB

Stadt der Un­der­dogs

Ei­ne Bun­des­rä­tin, meh­re­re Na­tio­nal­rät:in­nen und die Po­li­trap­per der Stun­de: Al­le kom­men sie aus der Klein­stadt Wil. Ei­ne Er­kun­dung vor den Lo­kal­wah­len.

Von  Kaspar Surber
Lukas reimann mike sarbach ursula haene

Mehr Platz für Bü­cher und Ma­te­ri­al­mus­ter

Ei­nes der vie­len Ge­bäu­de des Sit­ter­werks, die vor ge­nau 100 Jah­ren er­bau­te Schwarz­fär­be­rei, be­her­bergt heu­te die Kunst­bi­blio­thek und die Ma­te­ri­al­mus­ter­schrän­ke. Ei­ne Auf­sto­ckung soll künf­tig mehr Platz schaf­fen.

Von  René Hornung
Sittwerwerk Aufstockung Bibliothek

Sze­na­ri­en für die Vo­lie­re im St.Gal­ler Stadt­park

Noch bis in den Herbst hin­ein und auch in den zwei fol­gen­den Som­mern bleibt die Vo­lie­re im Stadt­park ei­ne Bu­vet­te. Ab 2029 wird sie zur «Mai­son des œufs», zum di­dak­ti­schen Hüh­ner­hof. Die ein­ge­reich­ten Ideen sa­hen noch ganz an­de­re Nut­zun­gen vor.

Von  René Hornung
Maison des oeufs 1

Stimm­bür­ger:in­nen ent­schei­den über Tem­po 30 auf Haupt­stras­sen

Der Streit ums St.Gal­ler Ver­bot von Tem­po 30 auf Haupt­ver­kehrs­ach­sen geht in die nächs­te Run­de: Das Re­fe­ren­dums­ko­mi­tee hat die not­wen­di­gen Un­ter­schrif­ten ge­gen ei­ne Än­de­rung des kan­to­na­len Stras­sen­ver­kehrs­ge­set­zes ein­ge­reicht. Da­mit wird das Stimm­volk über die Fra­ge ent­schei­den. 

Von  Reto Voneschen
Tempo 30 1 reto voneschen

Kolumne: 24/7 Traumacore

He­al­ing Jour­ney von Wil nach Wie­ner Neu­stadt

Von  Mia Nägeli

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 6

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 6: «Weg­war­te 002», Sur le Lac, Win­ter­thu­rer Mu­sik­fest­wo­chen und Schloss­fest­spie­le Wer­den­berg. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Ragazzi di vita 2024

Ben­fi­ca vs FC St.Gal­len 5:0 – Wei­ter geh­t's in der Con­fe­rence Le­ague

Der FCSG kriegt beim Aus­wärts­spiel in Lis­sa­bon die Gren­zen deut­lich auf­ge­zeigt. Sie ver­lie­ren das Spiel 0:5. Da­mit geh­t's für den FCSG jetzt ge­gen She­riff Ti­ras­pol in der Con­fe­rence Le­ague wei­ter. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bild­ge­wal­ti­ges Epos mit nach­hal­ti­gem Sei­ten­ef­fekt

No­ti­zen zu Chris­to­pher Nolans The Odys­sey

Von  Florian Vetsch
Odysseus und Athene

Vie­le For­mu­la­re, zwei Ge­sprä­che und ei­ne Power­point-Prä­sen­ta­ti­on

An­ja Braun leb­te be­reits 18 Jah­re in der Schweiz, als sie sich ge­mein­sam mit ih­rer Fa­mi­lie ent­schied, sich ein­zu­bür­gern. Es war ein lo­gi­scher Schritt. Das Ver­fah­ren war es nicht im­mer.

Von  Andi Giger
260722 illustration einbuergerung 2

Neues Buch

Zwi­schen Cha­os und Hoff­nung – La­ra Stolls Gun­ni

Von  Kathrin Reimann
215790

Ein aus­ser­ge­wöhn­li­ches Ge­spür für künst­le­ri­sche Qua­li­tät

Be­reits 1971 er­öff­ne­te Ur­su­la Krin­zin­ger ih­re ers­te Ga­le­rie in Bre­genz. Bis heu­te prägt sie die Kunst­sze­ne weit über die Bo­den­see­re­gi­on hin­aus. Nun be­fasst sich die Bre­gen­zer Som­mer­aus­stel­lung im Pa­lais Thurn und Ta­xis mit der Ga­le­ris­tin.

Von  Sieglinde Wöhrer
Ursula K dez2018 27 A9595