Kategorie
Autor:innen
Jahr

Nach 22 Jahren ein neues Kulturgesetz

Der Kanton St.Gallen soll ein neues Kulturgesetz erhalten: einerseits zur Förderung der aktuellen Kultur, andrerseits zur Pflege des Kulturerbes. Mehr Geld gibt es allerdings damit nicht.
Von  Peter Surber

Die St.Galler Kantonsverfassung von 2003 definiert Kultur als eine der Staatsaufgaben. Seither ist viel passiert – unter anderem betreibt der Kanton die Lokremise St.Gallen (Bild) oder das Schloss Werdenberg als eigene Institutionen, und in den meisten Regionen haben sich die Gemeinden zu Förder-Plattformen zusammengeschlossen – Südkultur, Rheintaler Kulturstiftung, Toggenburg Kultur, ThurKultur und seit neustem KulturZürichseeLinth. All dem fehlt bis heute die gesetzliche Grundlage, denn das Kulturgesetz von 1995 ist ein reines, knapp gehaltenes Subventionsgesetz.

Darüber hinaus hat der Kantonsrat mehrfach kulturpolitische Klärungen verlangt – oder auch Hauruck-Entscheide zu Sparmassnahmen gefällt, so bei der Halbierung der Jahressubvention für die Lokremisen-Kunstzone. Eine Totalrevision hing also «in der Luft», sagt Regierungsrat Martin Klöti. Das Ergebnis fällt doppelt aus: Zum einen wird das Kulturfördergesetz aktualisiert, zum andern gibt es erstmals ein Kulturerbegesetz. Beide Gesetze samt Botschaft gehen jetzt im Februar an den Kantonsrat.

Der Kanton und seine «Kulturstandorte»

Das Hauptziel lautet: festschreiben, was heute schon Praxis ist. So bekommen die regionalen Plattformen eine gesetzliche Grundlage, dringend nötig im äusserst heterogenen Kanton. Was die Gemeinden lokal fördern, bleibt aber weiterhin in ihrer Verantwortung.

Gesetzlich legitimiert ist neu auch die Schaffung kantonaler «Kulturstandorte». Heute sind das die Lokremise St.Gallen, das Schloss Werdenberg und Konzert und Theater St.Gallen. Beim finanziell umstrittenen Kunstzeughaus Rapperswil-Jona ist der Kanton dagegen nicht Eigentümer, bloss Hauptzahler. Und dasselbe gilt für das Alte Bad Pfäfers; es soll gemäss Klöti jedoch in absehbarer Zeit wieder an den Kanton zurückgehen.

Und die anderen potentiellen Flaggschiffe, das Textilmuseum und der Stiftsbezirk St.Gallen? Beide bewerben sich darum, vom Bundesamt für Kultur in seine nationale Museumsförderung ab 2019 aufgenommen zu werden. Das Textilmuseum sollen nach Klötis Vorstellung Bund und Kanton gemeinsam fördern. Es passe als eigenständiges Haus mit Sammlung und Wechselausstellungen ideal in die Kriterien des Bundes hinein; Eigenschaften, die für den Stiftsbezirk weniger gälten, trotz starken Promotoren, darunter Ständerat Paul Rechsteiner.

Klöti will das Weltkulturerbe Stiftsbezirk auf anderen Wegen fördern, unter anderem mit dem neuen Kulturerbe-Gesetz. Und auch der jüngst präsentierte Managementplan zeige, dass der Kanton den Stiftsbezirk mit ebenso viel «Herzblut» behandle.

Kultur für alle wird konkret

Zentral im neuen Kulturfördergesetz ist schliesslich der Begriff der kulturellen Teilhabe: Unabhängig von Bildung, Einkommen und Herkunft sollen alle Bevölkerungsteile «abgeholt» werden und am Kulturgeschehen partizipieren, sagt Klöti. «Kulturelle Teilhabe fokussiert auf Kulturkompetenz und Mitgestaltung und zielt auf eigene und selbständige kulturelle Tätigkeit möglichst Vieler.» Dazu listet die Botschaft eine ganze Reihe möglicher Massnahmen auf, von vergünstigten Tickets oder barrierefreiem Zugang bis zu Leseförderung und Angebote für Fremdsprachige. Oder auch, erfreulich: «Kulturjournalismus stärken».

Am Lotteriefonds führt (noch) kein Weg vorbei

Bleibt das Geld. «Kultur als selbstverständliche Staatsaufgabe sollte aus dem ordentlichen Staatshaushalt finanziert werden», sagt Klöti als «überzeugter Liberaler». Die heute gängige Finanzierung der meisten Projekte und Institutionen durch den Lotteriefonds sei fragwürdig – auch wenn sie in allen Kantonen praktiziert wird und vom Bundesgericht legitimiert ist.

Im neuen Gesetz hält die Regierung, trotz diverser Kritik in der Vernehmlassung, an der heutigen Praxis fest. Immerhin, sagt Klöti, werde erstmals formuliert, «dass die Aufwendungen des Kantons für die Kulturförderung grundsätzlich aus dem allgemeinen Staatshaushalt zu finanzieren sind und nur ergänzend für bestimmte Fördermassnahmen Lotteriefondsmittel verwendet werden dürfen.» Dies öffne zumindest eine Tür für die Zukunft, wenn der Kanton dereinst bei besserer Finanzlage sei, sagt Klöti.

Entscheidend ist für den Kulturminister: Ein Gesetz soll nicht verhindern, sondern ermöglichen. In diesem Fall hofft er vom Doppelgesetz, dass es möglichst viele Leute zur Kultur ermutigt.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
260708 Jim Dime Florin Roeoesli DSC6138

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
Hekvetia Hd M

FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
IMG 0500

Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
DRILL Pressphoto 2 Full

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ein er­staun­li­ches Werk

Her­bert Rauch (1929–2012) war Brief­trä­ger und Künst­ler. In den Schwarz-Weiss-Fo­to­gra­fien des Rank­wei­lers er­schei­nen Ob­jek­te wie Stei­ne und Fe­dern als abs­trak­te, gra­fi­sche Ge­bil­de. Nun ist ein Fo­to­band zu sei­nem Spät­werk er­schie­nen, und im Schau­raum Re­né Dal­pra in Alt­ach sind sei­ne Ar­bei­ten aus­ge­stellt.

Von  Ariane Grabher
2 HR M Steine 2009 124x154 r duplex WG5 RGB

Stadt der Un­der­dogs

Ei­ne Bun­des­rä­tin, meh­re­re Na­tio­nal­rät:in­nen und die Po­li­trap­per der Stun­de: Al­le kom­men sie aus der Klein­stadt Wil. Ei­ne Er­kun­dung vor den Lo­kal­wah­len.

Von  Kaspar Surber
Lukas reimann mike sarbach ursula haene

Mehr Platz für Bü­cher und Ma­te­ri­al­mus­ter

Ei­nes der vie­len Ge­bäu­de des Sit­ter­werks, die vor ge­nau 100 Jah­ren er­bau­te Schwarz­fär­be­rei, be­her­bergt heu­te die Kunst­bi­blio­thek und die Ma­te­ri­al­mus­ter­schrän­ke. Ei­ne Auf­sto­ckung soll künf­tig mehr Platz schaf­fen.

Von  René Hornung
Sittwerwerk Aufstockung Bibliothek

Sze­na­ri­en für die Vo­lie­re im St.Gal­ler Stadt­park

Noch bis in den Herbst hin­ein und auch in den zwei fol­gen­den Som­mern bleibt die Vo­lie­re im Stadt­park ei­ne Bu­vet­te. Ab 2029 wird sie zur «Mai­son des œufs», zum di­dak­ti­schen Hüh­ner­hof. Die ein­ge­reich­ten Ideen sa­hen noch ganz an­de­re Nut­zun­gen vor.

Von  René Hornung
Maison des oeufs 1

Stimm­bür­ger:in­nen ent­schei­den über Tem­po 30 auf Haupt­stras­sen

Der Streit ums St.Gal­ler Ver­bot von Tem­po 30 auf Haupt­ver­kehrs­ach­sen geht in die nächs­te Run­de: Das Re­fe­ren­dums­ko­mi­tee hat die not­wen­di­gen Un­ter­schrif­ten ge­gen ei­ne Än­de­rung des kan­to­na­len Stras­sen­ver­kehrs­ge­set­zes ein­ge­reicht. Da­mit wird das Stimm­volk über die Fra­ge ent­schei­den. 

Von  Reto Voneschen
Tempo 30 1 reto voneschen

Kolumne: 24/7 Traumacore

He­al­ing Jour­ney von Wil nach Wie­ner Neu­stadt

Von  Mia Nägeli

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 6

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 6: «Weg­war­te 002», Sur le Lac, Win­ter­thu­rer Mu­sik­fest­wo­chen und Schloss­fest­spie­le Wer­den­berg. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Ragazzi di vita 2024

Ben­fi­ca vs FC St.Gal­len 5:0 – Wei­ter geh­t's in der Con­fe­rence Le­ague

Der FCSG kriegt beim Aus­wärts­spiel in Lis­sa­bon die Gren­zen deut­lich auf­ge­zeigt. Sie ver­lie­ren das Spiel 0:5. Da­mit geh­t's für den FCSG jetzt ge­gen She­riff Ti­ras­pol in der Con­fe­rence Le­ague wei­ter. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bild­ge­wal­ti­ges Epos mit nach­hal­ti­gem Sei­ten­ef­fekt

No­ti­zen zu Chris­to­pher Nolans The Odys­sey

Von  Florian Vetsch
Odysseus und Athene

Vie­le For­mu­la­re, zwei Ge­sprä­che und ei­ne Power­point-Prä­sen­ta­ti­on

An­ja Braun leb­te be­reits 18 Jah­re in der Schweiz, als sie sich ge­mein­sam mit ih­rer Fa­mi­lie ent­schied, sich ein­zu­bür­gern. Es war ein lo­gi­scher Schritt. Das Ver­fah­ren war es nicht im­mer.

Von  Andi Giger
260722 illustration einbuergerung 2

Neues Buch

Zwi­schen Cha­os und Hoff­nung – La­ra Stolls Gun­ni

Von  Kathrin Reimann
215790

Ein aus­ser­ge­wöhn­li­ches Ge­spür für künst­le­ri­sche Qua­li­tät

Be­reits 1971 er­öff­ne­te Ur­su­la Krin­zin­ger ih­re ers­te Ga­le­rie in Bre­genz. Bis heu­te prägt sie die Kunst­sze­ne weit über die Bo­den­see­re­gi­on hin­aus. Nun be­fasst sich die Bre­gen­zer Som­mer­aus­stel­lung im Pa­lais Thurn und Ta­xis mit der Ga­le­ris­tin.

Von  Sieglinde Wöhrer
Ursula K dez2018 27 A9595