Kategorie
Autor:innen
Jahr

Jazz ist: «Poesie, Geschichte, Leidenschaft»

Was ist dieser Jazz eigentlich? Darauf suchten wir Antworten in unserem Oktoberheft. Hier der erste Teil unserer wild zusammengewürfelten und komplett unrepräsentativen Umfrage zum Thema «Jazz ist...» – samt Hörempfehlungen.
Von  Redaktion Saiten , 

Jazz ist…

…für mich eigentlich meine halbe Kindheit. Mein Vater war begeisterter Jazzhörer und Musiker, durch ihn hörte ich mich von Keith Jarrett bis John Coltrane, von Free Jazz bis Fusion. Eine Weile lang in den 90ern hatten wir beide dann, zusammen mit dem grandiosen Pianisten Urs «Kafi» Baumgartner und dem nicht weniger grossartigen Gitarristen Marcel Bächtiger sowie Jurij Meile am Waldhorn und David Hensel an der Querflöte eine kleine, aber feine Jazz-Band mit dem sprechenden Namen «Mhmmmm …» Unvergesslich für mich bleibt vor allem die Waldhornvariante von Autumn Leaves.

Milo Rau, 1977, Autor und Regisseur, zurzeit in Köln

 

Jazz ist…

… eine Sprache der Musik. In diesem Sinn könnte man wohl die Notenschrift als die gemeinsame Schriftsprache aller Musiker bezeichnen. Dazu gibt es sehr viele Dialekte (wie in der Schweiz ). Jazz ist einer davon – neben Klassik, Volksmusik, Pop, Rock, etc … Innerhalb des Jazz spricht natürlich auch fast jeder Musiker nochmals seine eigene Sprache! Dies ist sogar ein bisschen unser Ziel und Ehrgeiz: eigenständig zu sein – und trotzdem verstanden zu werden … Allen Jazzmusikern ist bestimmt die Freude am Improvisieren gemein. Die Lust, spontan im Moment etwas Neues zu schaffen. Es mag ein bisschen widersprüchlich sein, dass man diese Momente oft festzuhalten versucht, indem man sie auf eine CD brennt oder auf eine Platte presst. Dennoch gibt es sehr viele hörwürdige Aufnahmen, und es ist schön, dass man diese Momente immer wieder miterleben kann.

Michael Neff, 1975, Trompeter in St.Gallen, empfiehlt DelightfulLee von Lee Morgan, Stan Getz‘ Voyage und Peter Rosendals Old Man’s Kitchen.

 

Jazz ist…

… Poesie … Geschichte … Leidenschaft …wärmend, ehrlich, politisch, verwirrend. Und doch, wenn man genau hinhört, sich dafür Zeit nimmt und sich gehen lässt: unglaublich eingängig und nicht, wie sehr viele Menschen das Gefühl haben, kompliziert oder schwer zu verstehen bzw. zu hören. Man muss sich einfach drauf einlassen, Kopf und Herz leeren und sich von all dem kommerziellen Müll, den wir im Radio tagtäglich hören, befreien. Jazz verbindet, früher wie heute: Hört Euch Hiatus Kayote an oder Erykah Badu, Jill Scott oder D’Angelo. Beispiele, wie man Jazz ins Heute integriert, gibt es unzählige.

Mariel Zambellis, 1987, Singer/Songwriter und Music-Lover aus St.Gallen

 

 

Jazz ist…

…Struktur. A Love Supreme von John Coltrane besteht aus vier Tracks, von denen jeder eine bestimmte Rolle zu spielen scheint. Hört man sie einzeln sind sie gut, erscheinen aber kontextlos. Hört man sie am Stück, und in der richtigen Reihenfolge, erzählen sie eine musikalische Geschichte. Für Produzenten elektronischer Musik, welche sich mit verändernden Strukturen in Tracks beschäftigen, hat Jazz also definitiv eine Relevanz.

Max Frischknecht, 1989, ist Grafiker und produziert Bassmusik in St.Gallen. Er empfiehlt A Love Supreme von John Coltrane und Bending New Corners von Erik Truffaz.

 

 

Jazz ist…

…mannigfaltiges… ich finde, man sollte aufhören den jazz klar definieren zu wollen. das zwestört den grundgedanken von freiheit, improvisation und zusammenspiel. wo dies hinführt ist ungewiss!

Niklaus Hürny, Trompeter aus Bern und St.Gallen.

 

 

Mehr zum Thema Jazz gibt’s im Oktoberheft von Saiten. Übrigens: Wer nicht lesen will, kann hören.

Titelbild: Peter Hummel, Gambrinus Jazz Plus


FC St.Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Wie kommt St.Gal­len nach der Na­ti­pau­se zu­rück?

Ei­ne ge­fühl­te Ewig­keit ist seit dem letz­ten Li­ga­spiel ver­gan­gen. Wie schlägt sich der FCSG nach der Pau­se ge­gen Lau­sanne? SENF ti­ckert live ab 16.30 Uhr.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
IMG 5751

Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
2609 Staetevergleich DSC 6589

Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
7228 dsc00923

Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
1000229093

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
3 gewerbemuseum winterthur next relations leon ehrmann matthis plaga 300dpi a5 1

Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover