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Juli und August: Saiten bleibt im Land…

...und sucht das Sommerglück im Chor, im Stall und im Casino. Zehn Texte über das Glück. Zwanzig mal Kultur im Sommerführer. Und ein Stück Erinnerung: Yuri Forster über Peter Liechti.
Von  Redaktion Saiten

Wer Lotto spielt, sucht das Glück. In aller Regel vergeblich. Aber der Spieltrieb hat trotzdem sein Gutes: Ohne Lotto gäbe es weniger Kultur. Die Einnahmen aus dem Spiel fliessen in die Lotteriefonds der Kantone und von dort zurück: in die Denkmalpflege, in Sozial-und Entwicklungsprojekte, in die Kulturförderung. Rund 500 Millionen Franken kommen so jährlich zusammen, davon gehen 150 Millionen allein in der Deutschschweiz an die Kultur. Und die zweckgebunden sprudelnden Gelder haben einen weiteren Vorzug: Ihre Verteilung ist transparent. Im Kanton St.Gallen entscheidet gar das Parlament über den Lotteriefonds, im Thurgau ist gerade ein juristisches Gefecht um diese Kompetenzen im Gang: Das Bundesgericht entscheidet in Kürze darüber, ob die Regierung wie bisher weiterhin über den Geldsegen verfügen kann oder nicht – Anstoss dazu gab der Streit um den geplanten Neubau des Kunstmuseums in Ittingen, für das die Regierung tief in den Lotterietopf greifen wollte.

Wie auch immer der Konflikt ausgeht: Leute, spielt Lotto! Versucht Euer Glück! Glück brauchen wir alle, Glück erhoffen wir uns ein Leben lang, manche wollen es erzwingen, viele glauben genau zu wissen, was sie glücklich macht, andere wissen vom Glück des Nie-ganz-glücklich-Seins – doch wenn man genauer am Glück herumzuhirnen beginnt, erweist es sich als gar nicht so leicht fassbar.

Das haben auch die Studierenden der Medienschule St.Gallen erlebt. Als Abschlussarbeit ihres Kurses haben sie sich mit Saiten für dieses Kooperationsheft zusammengetan. Und sind dem Glück nachgejagt, haben es bei Fachleuten, in der Werbung, im Chor oder in der Religion gesucht, sind im Happy Maker Huus und bei den glücklichen Hühnern vorbeigegangen. Den Auftakt macht ein Interview mit Glücksforscher Mathias Binswanger – und zum Titelthema passt auch der Report aus dem Casino St.Gallen, wo Suche und Sucht, Unglück und Glück besonders heftig zusammenprallen. Nicht zuletzt deshalb, weil die sogenannten Spielbanken in den letzten zehn Jahren rund 4,7 Milliarden Franken in die AHV spülten.

Und noch ein Glücksfall, aus traurigem Anlass: Yuri Forster schreibt in diesem Heft einen Erinnerungstext an seinen Vater, den im April verstorbenen Filmemacher Peter Liechti.

Schliesslich, wie immer im Juli- August-Doppelheft: der Kultursommer. Suchen und finden Sie hier Ihr Aus- geh- und Kulturglück, im Hinterkopf den lebensklugen Satz von Arthur Schnitzler: Glück ist alles, was die Seele durcheinander rüttelt.

Katharina Flieger, Corinne Riedener, Peter Surber

 

DER INHALT:

Reaktionen

Positionen
Blickwinkel von Sebastian Stadler
Redeplatz mit Angelo Zehr
Einspruch von Alex Bänninger
Stadtpunkt von Dani Fels
Abgänge I und II

Zehn Mal Glück
«Die Globalisierung ist unserem Glücksempfinden nicht förderlich»
Was sagt die Glücksforschung? Ein Gespräch mit Mathias Binswanger.
von Felix Mätzler und Peter Huesmann

Die Ungewissheit am Ende
Charles Frey alias Akron hat seine eigene Vorstellung vom Glück.
von Melissa Jetzer

Dem Krieg entkommen
Eine syrische Familie spricht über das Glück zuhause und in der Fremde.
von Fabienne Bolz

Es liegt an uns!
Zu Besuch im Tibet-Institut in Rikon.
von Patrik Marti

Gib mir Freunde und Adrenalin!
Glücksversprechungen in der Werbung.
von Nadja Hipp

Glück ist wie ein Vogel
Ein Gespräch zwischen Grossvater und Enkelin.
von Priska Scherrer

Zwei wie Glück und Schwefel
Das Happy Maker Huus in Romanshorn.
von Doris Gross

Hosianna!
Ein Abend mit dem St.Galler Dom-Chor.
von Nadja Hipp

Das Gras ennet dem Hag
Können Tiere glücklich sein? Eine Spurenlese.
von Franz Wismer

Die Bilder zum Titelthema fotografierte Peter Huesmann.

Report
Faites vos jeux. Hinter den Kulissen des Casinos St.Gallen.
von Corinne Riedener und Ladina Bischof

Perspektiven
Flaschenpost aus Hosono von Roger Walch
Winterthur
Rheintal
Appenzell
Toggenburg
Stimmrecht von Leyla Kanyare

Lorena Isepponi zeichnet den Juli/August-Comic.

Kultur
Kultursommer: Musik, Theater, Kino, Kunst & Co. im Juli und August.
Artist in Residence von Georg Gatsas
Die Liebe meines Vaters von Yuri Forster

Abgesang
Kellers Geschichten
Bureau Elmiger
Charles Pfahlbauer jr.
Boulevard

Und nun gehet in Frieden und suchet euer Glück!

sommer

Juli/August-Cover: Beni Bischof, romantischer Sonnenuntergang (romantika sunsubiro), 2013

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