Bald 50 Jahre Frauenstimmrecht in der Schweiz – eine Errungenschaft, hinter der ein jahrzehntelanger Kampf steht. Das Historische und Völkerkundemuseum (HVM) beleuchtet in seiner neuen Ausstellung eine weitere Emanzipationsgeschichte der Frauen, denn auch zur Bildenden Kunst mussten sie sich den Zugang erst erkämpfen.
Beispiel gefällig? Erst vor wenigen Jahren forderte die Kunstkritikerin Julia Voss: «Wir müssen die Kunstgeschichte umschreiben.» Sie hat eine Biografie geschrieben über eine radikale Pionierin des Abstrakten, Hilma af Klint.
Mondrian, Kandinsky, Malewitsch – man kennt sie alle, sie sind Teil des Kanons. Kandinsky reklamierte das allererste Bild der abstrakten Malerei für sich, das war 1911. Dass jedoch af Klint ihren männlichen Kollegen um Jahre voraus war, war lange ein gut gehütetes Geheimnis. Sie fehlt (noch) im Kanon. Erst im Juni hat das Kinok den sehr lohnenden Dokumentarfilm über af Klint gezeigt: Jenseits des Sichtbaren.
So wie ihr erging es vielen Künstlerinnen. In der aktuellen Ausstellung des HVM werden nun elf zwischen 1825 und 1895 geborene Frauen vorgestellt, deren Leben und Werk für das Schweizer Kunstschaffen repräsentativ ist. Alle gehören zu den Pionierinnen der Bildenden Kunst in der Schweiz: Sie malten nicht zum Zeitvertrieb, wie es für Töchter aus gutem Hause damals üblich war, sondern widmeten sich ernsthaft der Kunst als Broterwerb.
Berufswunsch Malerin! Elf Wegbereiterinnen der Schweizer Kunst: 29. August bis 31. Januar, Historisches und Völkerkundemuseum St.Gallen
Vernissage: 28. August, 18:30 Uhr
hvmsg.ch
Katalog: Daniel Studer (Hg.), Berufswunsch Malerin! Elf Wegbereiterinnen der Schweizer Kunst aus 100 Jahren, Verlag FormatOst, 2020
«Ihre qualitativ hochstehenden Werke bestehen problemlos den Vergleich mit denjenigen von männlichen Kollegen», schreibt das Museum in der Ankündigung. «Obschon sie nicht die gleichen Voraussetzungen betreffend Ausbildung und Ausstellungsmöglichkeiten besassen.»
Unter den Malerinnen befinden sechs Ostschweizerinnen: Anna Elisabeth Kelly (1825–1890), die erste namentlich bekannte St.Galler Malerin, die aus Herisau stammende, lange in England als Porträtistin tätige Ida Baumann (1864–1932), Marie-Louise Bion (1858– 1939) aus altem St.Galler Geschlecht, Martha Cunz (1876–1961), berühmt für ihre japanisierenden Farbholzschnitte, die Pazifistin Hedwig Scherrer (1878– 1940) und die Textilkünstlerin Maria Geroe-Tobler (1895–1963), ausgebildet im Bauhaus in Dessau. Winterthur ist mit Sophie Schäppi (1852–1921) vertreten, Zürich mit der energischen Ottilie Wilhelmine Roederstein (1859–1937).
Die Malerin Martha Stettler (1870–1945), rechts, mit ihrer Lebenspartnerin, der Malerin Alice Dannenberg (1861–1948), um 1895, im Atelier in Paris.
Ich freue mich auf diese wunderbare Ausstellung!
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
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Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
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Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
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Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
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