Am Sonntag wird in Heerbrugg über das Kopftuchverbot abgestimmt, im lokalen Kino Madlen wollen rund 1300 Besucherinnen und Besucher «Akte Grüninger» sehen.
Im Windschatten der SVP-Masseneinwanderungs-Initiative findet am Sonntag in der Schulgemeinde Au-Heerbrugg eine weitere Abstimmung statt, in der es letztlich um Toleranz geht. An der Urne wird über das Kopftuchverbot in der Schule entschieden.
Zwei Flüchtlings-Mädchen aus Somalia besuchen dort vorläufig den Unterricht mit Kopftuch. «Ohne Probleme», wie Schulratspräsident Walter Portmann feststellt. Damit dies möglich war, brauchte es aber im Sommer eine Änderung der Schulordnung. Darin hatte Au-Heerbrugg, wie viele St.Galler Gemeinden auf Geheiss des St.Galler Erziehungsrats ein Kopftuchverbot erlassen. Im konkreten Fall war dann allerdings der Schulratspräsident der Ansicht, dass ein solches Verbot in einem Gesetz auf Kantons- oder Bundesebene geregelt werden müsste. Der Passus wurde deshalb gestrichen. Daraufhin ergriff die örtliche SVP das Referendum gegen die Änderung der Schulordnung.
Die benötigte Unterschriftenzahl wurde problemlos erreicht.
Es gibt aber auch andere Signale aus Heerbrugg.
Das lokale Kino Madlen zeigt seit einigen Tage den Film «Akte Grüninger». Das Interesse ist gross. Grösser als an allen anderen Spielorten. «Nirgendwo sonst sind für die «Akte Grüninger» so viele Eintrittskarten verkauft worden wie in Heerbrugg», schreibt dazu das «St.Galler Tagblatt». Fast 1300 Tickets wurden im Madlen verkauft, das sind Zahlen, die sonst nur Harry-Potter-Filme erreichen.
Wie auch immer die Abstimmung ausgeht: Erwartet wird, dass ein Entschied für das Kopftuchverbot auf jeden Fall vor Gericht angefochten würde.
Daraus könnte letztlich der Präzedenzfall werden, mit dem am Schluss das Bundesgericht die Frage für die ganze Schweiz entscheiden wird. Walter Portmann hofft, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Au-Heerbrugg genau dies nicht wollen. Vor rund drei Wochen erklärte er deshalb: «Jeder Entscheid zu dieser Frage wäre für uns gut». Er spielte damit auf die noch ausstehenden Stellungnahmen der St.Galler Regierung zu drei Vorstössen aus dem Kantonsrat an. Zwei stammen von der SVP, einer von der CVP. In allen geht es um gesetzliche Regelungen für Kopftücher – und sogar Burkas.
Seine Hoffnungen wurden enttäuscht.
Kurz vor der Februarsession hat die St.Galler Regierung zwar bereits Dutzende von Vorstössen beantwortet – die Stellungnahme zur Kopftuchfrage fehlte aber.
Ausstehend ist auch ein Entscheid des Bildungsdepartements unter SVP-Regierungrat Kölliker über eine Beschwerde aus der Schulgemeinde St. Margrethen. Sie wurde bereits kurz nach den Sommerferien gegen das dortige Kopftuchverbot eingereicht. Der Anwalt des betroffenen Mädchens kritisierte, dass das Departement den Fall auf die lange Bank schiebe.
Mit dem Stillstand könnte es bald vorbei sein.
In all diese ausstehenden Entscheide dürfte nach dem 9. Februar Bewegung kommen – sobald klar ist, woher der Wind weht. Die Richtung vorgeben wird dabei aber weniger die konkrete Abstimmung in Au-Heerbrugg , als die richtungsweisende Entscheidung über die Masseneinwanderungs-Initiative der SVP.
In Konstanz gastiert derzeit die Gruppe As Karuana – ein politischer Frauenchor aus dem Amazonas. Sie zeigt mit ihrer Musik, ihrem Tanz, ihrer Kunst und ihrem Wissen politische Résistance und kämpft für die Rückeroberung ihrer indigenen Kultur.
Malerin, lesbisch und glühende NS-Anhängerin. Stephanie Hollenstein (1886-1944) war vieles. Ein Widerspruch? Der neue Dokumentarfilm von Birgitta Weizenegger befasst sich mit dem Leben der vorarlbergischen Künstlerin.
Gastkommentar von Jacques Michel Conrad
Zum 20. Mal bringt das Kulturfestival internationale Entdeckungen und lokale Lieblingsbands in einen der schönsten Konzertorte St.Gallens. Zum Jubiläum blickt Organisator Lukas Hofstetter zurück – und behauptet sich zugleich in einem Musikgeschäft, das für kleinere Festivals immer schwieriger geworden ist.
Vor 40 Jahren gründete Felix Lehner in Beinwil am See die Kunstgiesserei, die 1994 nach St.Gallen zog. Und vor 20 Jahren entstand ergänzend dazu die Stiftung Sitterwerk, die unter anderem eine weltweit einzigartige Kunstbibliothek führt. Wir tauchen ein in diesen wundersamen Mikrokosmos im Sittertal. Ausserdem in der Juli/August-Doppelnummer: die unverzichtbaren Sommertipps, die Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Interview zum 100-Jahr-Jubiläum unserer Hausdruckerei Niedermann.
Florian Fuchs arbeitet an einer antik anmutenden, 2,5 Meter hohen Marmorstatue. Warum interessiert sich ein junger Bildhauer für diese klassische Herangehensweise? Ein Werkstattbesuch in Flawil.
Es war das Jahrzehnt der Kultur: In den 80ern kam die Stadt St.Gallen zu einer Kunsthalle, einem Programmkino, der Frauenbibliothek, der Grabenhalle, genossenschaftlichen Beizen und anderem. Wie das gelang und wer die Fäden zog, zeichnen Ralph Hug und Corinne Schatz im Buch Der grosse Aufbruch nach.
Das Filmdrama Fuori erzählt ein kurzes Kapitel der aussergewöhnlichen Lebensgeschichte italienischen Schriftstellerin, Schauspielerin und Widerstandskämpferin Goliarda Sapienza.
Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.
Die St.Galler Festspiel-Oper spielt dieses Jahr im Haus statt auf dem Klosterplatz – ein Glücksfall für Verdis Aida, die menschlich und musikalisch in die Tiefe geht. Modestas Pitrenas dirigiert ein letztes Mal, Ben Baur inszeniert bildstark.
Im Werk 2 in Arbon dreht sich derzeit alles um Mythen. «Sehnsucht Mythos. Wie Geschichten unsere Welt gestalten» ist eine ästhetische Ausstellung, die mit ihrem sehr breiten Mythosbegriff arbeitet und vielfältige Geschichten unter einem Dach vereint.
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg