Nicht ausgeschlossen, dass die drei Preisträger am Ende der Feier in der Eventkirche mit dem furchtbaren Namen «Dömli» zu einer spontanen Jam-Session zusammenfinden. Sie wäre stilistisch uneindeutig, aber es könnte trotzdem passen. Zweimal Akkordeon mit Goran Kovačević, dem weltmusikalischen Tausendsassa, und Willi Valotti, dem experimentierfreudigen Volksmusikanten, und dazu der Sänger und Gitarrist der Band Knuts Koffer, Frédéric Zwicker, dem vermutlich ein paar Spontantexte leicht über die Lippen kämen. Wer weiss… am 28. April lohnt sich aber auch sonst die Reise nach Ebnat-Kappel, wo die St.Gallische Kulturstiftung dieses Jahr ihre Preise verleiht.
«Leidenschaft und Virtuosität»
Einen Anerkennungspreis von 15’000 Franken erhält Akkordeonist Goran Kovačević. Man kennt ihn als Solist und Theatermusiker (im Ensemble «Die Schurken» oder in Peer Gynt am Theater St.Gallen), von seinem Dusa Orchester und von unzähligen weiteren Kollaborationen, mit denen er vom Balkan nach Appenzell bis Argentinien, von der Volksmusik zum Tango Nuevo und vom Jazz bis zu klassischer Musik unterwegs ist. «Als eigenwilliger Interpret ebenso wie als Komponist fächert Kovačević ein musikalisches Spektrum auf, das seinesgleichen sucht», schreibt die Kulturstiftung. «Leidenschaft und Virtuosität kennzeichnen sein Spiel ebenso wie sein Engagement für die Musik.»
Kovačević, Jahrgang 1971, in Schaffhausen geboren und in Engelburg wohnhaft, hat bis heute 46 CDs eingespielt; das Revival der Quetschkommode zumindet in unserer Region ist wesentlich sein Verdienst, und seine Schülerinnen und Schüler tragen das ihre dazu bei.
«Authentisch und volksnah»
Das Akkordeon ist auch das Hauptinstrument von Willi Valotti, dem zweiten Träger eines Anerkennungspreises. Die Stiftung würdigt ihn als einen Erneuerer der Schweizer Volksmusik: «Als profunder Kenner der Appenzeller- und Innerschwyzer Volksmusik treibt er seine Kompositionen und Interpretationen unermüdlich auf die Spitze und bleibt dabei authentisch und volksnah. Mit seiner virtuosen und gefühlvollen Spielkunst und dem Spielen aus dem Stegreif pflegt der Akkordeonist höchste Ansprüche.»
Valotti hat vom «Echo vom Hemberg» über die «Kapelle Heirassa» und die «Alderbuebe» bis zu «Willis Wyberkapelle» diverse Formationen geprägt und mit einer Vielzahl von Kompositionen die Szene bereichert. Und ist seiner Toggenburger Heimat dabei treu geblieben.
«Tiefsinn und Unterhaltung»
Der jüngste im Bunde und mit einem Förderpreis von 10’000 Franken ausgezeichnet ist Saiten-Redaktor Frédéric Zwicker. Er erhält den Preis für seinen Erstlingsroman Hier können Sie im Kreis gehen, der in der ganzen Deutschschweiz auf grosse Resonanz gestossen sei, wie die Stiftung festhält. «Das liegt einerseits am Thema Demenz, aber auch an der witzigen, tiefsinnigen und literarisch verspielten Art des Romans. Er macht aus dem Dementen- einen Schelmenroman, bringt den melancholischen Rückblick auf das Leben mit einer doppelten Liebesgeschichte zusammen und schildert aus der Sicht eines charmanten Misanthropen ungeschönt den Alltag in einem Pflegeheim: sprachlich präzis und dank einer abwechslungsreichen Dramaturgie luftig zu lesen. Hier verbinden sich Tiefsinn und Unterhaltung sehr schön.»
Zwickers zweite Karriere als Texter und Sänger der Band Knuts Koffer wird von der Jury ebenfalls gewürdigt, inklusive politisches Engagement, wie es etwa in den Songs gegen die Durchsetzungsinitiative oder zur Rapperswiler Stadtpräsidenten-Wahl zum Ausdruck kommt.
Das Buch, inzwischen in dritter Auflage, macht im übrigen weiterhin Furore. So liest Zwicker am Prolog zum Wortlaut Festival im Kulturforum Amriswil (30.März) und ist von Pro Helvetia im April an das Buchfestival Budapest eingeladen.
Preisfeier: 28. April, 19 Uhr, Dömli Ebnat-Kappel
Die St.Gallische Kulturstiftung zeichnet seit 1986 mit der Vergabe von Förder-, Anerkennungs- und Kulturpreisen besondere Leistungen aus. Dabei legt der Stiftungsrat Wert auf die Berücksichtigung verschiedener Regionen und Themen. Das Spektrum reicht vom Brauchtum bis zur Wissenschaft, von der bildenden Kunst bis zum Naturschutz. Neben diesen jährlich vergebenen Preisen wird alle drei Jahre der Grosse Kulturpreis verliehen.
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