Kategorie
Autor:innen
Jahr

Künstlerische Grenzgänge

Die IG Halle zeigt im Kunstzeughaus in Rapperswil-Jona fünf künstlerische Positionen, die sich mit dem vielfältigen Thema Grenzen auseinandersetzen. Larisa Baumann war an der Vernissage.
Von  Gastbeitrag
Aus der Arbeit Iran. Interrupted von Beatrice Minda. Von links nach rechts: Yazd (2010) und zweimal Tehrān (2011).

Am vergangenen Sonntag eröffnete die IG Halle Rapperswil ihre neue Ausstellung im Kunstzeughaus. «ARS TERMINI, 5 Grenzüberschreitungen» heisst die von Guido Baumgartner kuratierte Gruppenausstellung. Der Titel ist in Anlehnung an «Terminus», den Gott der Grenzsteine und Grenzen in der römischen Mythologie, entstanden.

Grenzen sind in unserem Leben allgegenwärtig. Es gibt sicht- und unsichtbare, natürliche und ideelle Grenzen. Unser Leben ist begrenzt. Unser Körper grenzt uns ein. Wir sprechen von Sprach-, Kultur-, Grundstücks- und Staatsgrenzen. Grenzen wirken ab- und ausgrenzend, sie können ein Gefühl von Schutz, aber auch von Einschränkung vermitteln. Anhand von fünf künstlerischen Positionen wird das breite Spektrum des Themas aufgenommen.

ARS TERMINI – 5 Grenzüberschreitungen: bis 3. November, Kunstzeughaus Rapperswil-Jona. Mit Werken von Maharishikaa Preeti, Fraenzi Neuhaus, Roger Eberhard, Beatrice Minda und Kurt Caviezel

ighalle.ch

Trotz grosser Bandbreite beginnt die Ausstellung klein, nämlich mikroskopisch klein; zumindest in Bezug auf die Werktitel: Mikrobe I und II (beide 2014) sowie Mikrobe VI (2022) von Fraenzi Neuhaus begrüssen die Besucher:innen bereits auf dem Treppenabsatz ins Obergeschoss. Was in der Realität aufgrund unseres begrenzten Sehvermögens unsichtbar wäre, ist hier in seiner Grösse und Farbe gut sichtbar.

Mit Grenzen (2024) hat die Solothurner Künstlerin eigens für die Ausstellung eine begehbare Installation kreiert, die erfahrbar macht, wie sich Grenzen anfühlen können. Aus 120 vor Ort zusammengesetzten Elementen ist ein langer netzartiger Schlauch entstanden. Er besteht aus den biegsamen Kunststoffrohren, die üblicherweise für das Verlegen von Glasfasern verwendet werden und mit Kabelbindern zusammengeknüpft sind. Die Installation verweist somit auch auf das Internet und wirft Fragen auf, zum Beispiel ob uns das World Wide Web mehr beengt, als befreit?

Die begehbare Installation von Fraenzi Neuhaus aus Ground Pipes und Kabelbindern.

Um Befreiung im Sinn von Bewusstseinserweiterung geht es der indisch-schweizerischen Konzeptkünstlerin Maharishikaa Preeti. Wie der Name impliziert, ist sie auch ein spiritueller Guru. An der Vernissage flüsterte mir ein sogenanntes lebendes Kunstwerk, ein ArtBeing, beim Betrachten des grossformatigen PreetiMirror – Magus (2023) eine Anweisung ins Ohr.

Unter dem Motto «Everyone is a potential work of art» hat Maharishikaa Preeti vor über 20 Jahren ihre ersten ArtBeings erschaffen, mit dem Ziel, den Fokus vom Objekt auf den Menschen zu lenken und somit die Grenzen des vorherrschenden Kunstverständnisses auszuweiten. Der Spiegel – eingefasst von sechs konzentrischen Kreisen aus Kupfer – soll in diesem Zusammenhang als Werkzeug der Selbstreflexion und Transformation dienen. ArtBeings werden im Verlauf der Ausstellung noch sporadisch anwesend sein.

Maharishikaa Preetis ArtBeing vor dem PreetiMirror – Magus (2023).

Das Innere thematisiert auch die in Berlin lebende Künstlerin Beatrice Minda, jedoch thematisiert sie das Innere von Räumen, welches sie den Betrachtenden ihrer Fotografien auf subtile Weise zugänglich macht. Innenwelten und ihre Abgrenzung zur Aussenwelt sind wiederkehrende Themen ihres Œuvres.

In «ARS TERMINI» sind Werke aus Mindas Fotoserie Iran. Interrupted zu sehen, die 2014 auch in Buchform erschien. Durch die von Texttafeln begleiteten Fotografien zeichnet sie ein Bild der Geschichte und Kultur des Irans auf und lässt uns an der – im Land nicht selbstverständlichen – Grenzüberschreitung vom öffentlichen Raum in den privaten Innenraum teilnehmen. Obwohl die Künstlerin belebte Räume fotografiert, fehlen die Menschen im Bild.

Die Abwesenheit von Menschen ist auch für die Fotografien von Roger Eberhard prägend. Für seine Arbeit Human Territoriality, die 2020 auch als Buch erschien, ist der Künstler im Rahmen einer grossen Recherchearbeit weit gereist und hat Orte fotografiert, an welchen sich Grenzen verschoben haben. Darunter der Furggsattel, Switzerland (2017).

Grenzverschiebung auf dem Furggsattel aus der Fotoserie Human Territoriality von Roger Eberhard

Ein Begleittext verweist jeweils auf die im Bild unsichtbare Grenzlinie. So lernt man beispielsweise, dass die 2003 auf italienischem Gebiet gebaute Bergstation der Furggsattel-Gletscherbahn seit 2009 auf Schweizer Boden steht. Ein grosser Teil der Grenze in der Bergregion zwischen der Schweiz und Italien erstreckt sich nämlich entlang der Wasserscheide. Auf dem Furggsattel hat sich diese wegen des Abschmelzens des Theodul-Gletschers leicht verschoben. Es ist dieser Fokus auf die Veränderung und die grosse Abwesenheit der eigentlichen Grenze in den Bildern, die das Konstrukt Landesgrenze so künstlich erscheinen lassen.

Auch Kurt Caviezel bringt Fotografien aus der ganzen Welt in den Ausstellungsraum in Rapperswil-Jona. Für seine Fotos ist er weder gereist noch braucht er eine eigene Kamera. Vielmehr nutzt er das Internet als seine Kamera. Seit gut 20 Jahren arbeitet Caviezel mit Fotografien, die er aus öffentlich zugänglichen Web- und Überwachungskameras zieht, die auf Öffentliches und Privates schauen.

In Kooperation mit der Zürcher Hochschule der angewandten Wissenschaften (ZHAW) ist daraus das Projekt WATCHING THE WORLD, The Encyclopedia Of the Now entstanden. Die öffentliche Webseite lädt pro Tag 1,2 Millionen Bilder herunter. Mit der riesigen Online-Kamera projiziert Caviezel per Livestream Bilder in die Ausstellung «ARS TERMINI» und provoziert Diskussionen über Datenschutz, unseren Umgang im Internet und allfällige Grenzen von Kunst.

Watching the World, Livestream 2, People (2024) von Kurt Caviezel

 

WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
6085807

FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land mit 2:3

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01

Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
Whats App Image 2026 08 26 at 08 36 26

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2

Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

Von  Veronika Fischer
Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

Von  Andi Giger
Image2

Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
260708 Gutesbauen 02 260527 GBO2603 4559 MAX

Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
Offizielles bild stadtrat 2021 Bild PD Ueli Steinbgruber

Ein Tau­mel von Grün

Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
Daemmerung Prates de Matos 4

In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
IMG 9687 2

«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
Ingeborg Bachmann Still 01 Elliott Kreyenberg 1920x1080 jpg

Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
260708 Jim Dime Florin Roeoesli DSC6138

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
Hekvetia Hd M

FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf