«Freiwilligenarbeit – Ideen und Perspektiven»: Zum Thema der Kulturkonferenz bot der Tagungsort, das Museum Rhein-Schauen in Lustenau vielfältigen Anschauungsunterricht – ein Erlebnis-Museum, das unter Mithilfe zahlreicher Freiwilliger aufgebaut worden ist. Ziel der Kulturkonferenz war es laut Kulturamtsleiterin Kathrin Meier, Reflexion und Austausch zu ermöglichen, um an der Weiterentwicklung der Freiwilligenarbeit im Kanton zu arbeiten – nicht nur am 5. Dezember, dem Tag der Freiwilligenarbeit, sondern permanent.
Nachstehend ein paar Erkenntnisse aus den Referaten und Workshops.
Volunteering als spontanes Tun
Freiwilligenarbeit (gemäss der Fachorganisaiton Benevol spaltet sich der Begriff in diverse Unterbereiche auf) hat grosse gesellschaftliche Bedeutung, nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt von Teilhabe und Verantwortung für das Gemeinwohl. Der Freiwilligenmonitor von 2016 zeigt, dass das klassische Freiwilligen-Engagement gesamthaft eher zurückgeht – wenn auch im kulturellen Bereich nicht so stark wie auf anderen Gebieten. Interessanterweise wächst aber das Segment des Onlinevolunteering, sei es eben Online- oder Cyber- oder Eventvolunteering, also neue Formen der informellen Freiwilligenarbeit. Anders gesagt: Der Aspekt des Helfens als Motivation für die Freiwilligenarbeit wird geringer, der Wunsch nach Community, und zwar gerne nach wechselnden Gemeinschaften, wird grösser.
In den Workshops wurden solche Phänomene, zum Beispiel das Microvolunteering, vorgestellt: Über eine App fragt ein Sehbehinderter, ob ihm jemand eine Packungsbeilage vorlesen könne. Irgendwer aus der Communitiy hat Zeit und springt ein und liest vor – eine gute Tat ist vollbracht, beide profitieren; aber bezeichnend und zeittypisch für solche Freiwilligeneinsätze ist, dass sie spontan, kurzzeitig und ohne längerdauernde Verbindlichkeit geleistet werden.
Die Klippen der Professionalisierung
Die Motivation für besoldetes oder unbesoldetes Engagement wurde als fast identisch eingestuft. In der Praxis diverser Kultur- und Sozialorganisationen arbeiten denn auch häufig Freiwillige mit (mehr oder weniger bezahlten) Profis zusammen. Alle möglichen Mischformen existieren, und als ein entscheidender Erfolgsfaktor wurde Transparenz und Klarheit genannt.
Heikel kann es werden, wenn sich Freiwilligenarbeit professionalisiert, wenn plötzlich bezahlt wird, was zuvor Gratisarbeit war, zum Beispiel «ungeliebte» Arbeiten wie Putzdienst oder Kassenführung. Solche Umstellungen können das System als Ganzes verändern und bei Freiwilligen grosse Frustrationen auslösen.
Unter der Fragestellung, wie man Freiwilligenarbeit belohnen kann, wurden immer wieder die Eckpfeiler Dank, Anerkennung und Wertschätzung genannt. Wie Organisationen profitieren
Gute Erfahrungen mit dem Zusammenspiel von Laien und Profis hat das Museum Lenzburg gemacht, das sich in einem der Workshops vorstellte. Der Einsatz von freiwilligen Helferinnen und Helfern ergebe gewissermassen eine «Win-win-win-Situation»: für das Publikum, für die Institution und für das Team. Zwar würde das Museum, sollten plötzlich alle Freiwilligen wegfallen, weiterhin funktionieren; Freiwilligenarbeit schaffe jedoch die unterschiedlichsten Zusatzangebote und darüber hinaus einen niederschwelligen Einstieg für die Besucherinnen und Besucher.
Die Freiwilligen bringen neue Ideen ein, erwerben Kompetenzen, werden vom Museum auch gecoacht, können etwas bewirken und knüpfen soziale Kontakte. Erfolgreich sind vor allem Modelle, in denen Freiwilligenarbeit aus Interesse an einem Thema (im Fall des Museums Lenzburg an der Welt des Mittelalters) geleistet wird – und weniger aus «abstraktem» Engagement für eine bestimmte Institution.
Die Kunst, die Jungen zu gewinnen
Das Segment der Altersgruppe 14 – 34 ist bei der Freiwilligenarbeit unterrepräsentiert. Das ist einerseits verständlich, ist man in diesem Alter doch mit anderen Themen beschäftigt und denkt eher an das Aufbauen als an das «Zurückgeben». Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass man die Jungen gewinnen kann, indem man ihnen zum einen Themen anbietet und zum andern einen grossen Mitgestaltungsfreiraum ermöglicht. Motivierend für Freiwilligenarbeit sei darüberhinaus, wenn man die Jugendlichen gut begleitet und ihnen eine Art individuellen Karriereweg anbietet, klassischerweise mit Möglichkeiten von Qualifikationen und Weiterbildungen.
Gratisarbeit, freiwillig und unfreiwillig
Im Bereich der Kultur wirft die Freiwilligenarbeit und deren Zusammenspiel mit dem professionellen Kulturschaffen einige Fragen auf. Zum einen ist in der nationalen Kulturgesetzgebung die Förderung der kulturellen Teilhabe verankert. Zum andern kennen viele Kulturschaffende den Spagat zwischen Selbstbestimmung bis zur Selbstausbeutung auf der einen Seite und Professionalisierung um den Preis der individuellen Freiheit auf der anderen Seite.
Im Raum stehen blieb auch die Frage, was von der Tatsache zu halten ist, dass viele Kulturschaffende unfreiwillig unbezahlte Arbeit leisten.
Die Diskussion über Lohn gleich Geld bzw. Lohn ungleich Geld müsse fortlaufend geführt werden – auch wenn auf der anderen Seite viele persönliche Beispiele für nicht-materielle Arten der Wertschätzung und Anerkennung genannt wurden.
Kathrin Lettner ist Abteilungsleiterin der Weiterbildung an der Schule für Gestaltung St.Gallen.
Bilder: Amt für Kultur
Eine halbe Million weniger von Kanton und Stadt – trotzdem machen Konzert und Theater St.Gallen vorläufig keine Abstriche beim Programm. Die Spielzeit 26/27 kündigt «Grenzgänge» an, sehr zeitgemässe insbesondere im Schauspiel.
Die Kritik an der Einladung des extremistischen und techno-libertären US-Bloggers Curtis Yarvin ans St. Gallen Symposium war gross – und berechtigt. Trotzdem war sein Auftritt am Ende vor allem eines: entlarvend. Selten traten die Widersprüche, die Selbstüberschätzung und die intellektuelle Leere der Neuen Rechten so öffentlich zutage.
In eigener Sache
Historische Überlieferungen sagen oft mehr über die Geisteshaltung der Verfasser aus als über geschichtliche Tatsachen. Was lässt sich also gesichert über die historische Person Wiborada sagen? Eine quellenkritische Spurensuche.
Ein Jahrhundert nach Thomas Manns Roman greifen Karl Kave & Durian das Motiv neu auf und erzählen mit Zauberberg ein vielschichtiges Konzeptalbum über Pflege, Perspektiven und gut betuchte Damen.
Paris, New York, Shanghai, Ittingen: Mit Fabrice Hyber gastiert mal wieder ein international renommierter Künstler im Kunstmuseum Thurgau. Eine Begegnung.
Treueprobe, Verkleidungsspuk, Partner:innentausch: Così fan tutte scheint definitiv von vorgestern. Trotzdem lohnt sich Mozarts Oper auch jetzt wieder am Theater St.Gallen. Am Samstag war Premiere.
Das Kunstzeughaus Rapperswil-Jona zeigt seit dem 26. April die aktuelle Sammlungsausstellung «wohin – woher – womit». Mitgestaltet von Menschen aus der Region untersucht sie, wie Teilhabe in Museen künftig aussehen kann.
St.Gallen verliert das Spiel gegen Sion und macht so Thun zum Meister. Doch in St.Gallen denken längst alle an den anderen Titel, der dann in drei Wochen vergeben wird. Das Spiel gegen Sion zum Nachlesen gibt es trotzdem im SENF-Ticker.
Filmfestival in Frauenfeld
Buch zur Migration in die Ostschweiz
In diesem Jahr feiert St.Gallen den 1100. Todestag Wiboradas. Obwohl die Inklusin einen grossen Einfluss auf die Stadt hatte, ist sie den wenigsten ein Begriff. Das soll sich ändern. Wie dies gelingen soll und welche Bedeutung Wiborada heute noch hat, erzählen Jolanda Schärli und Hildegard Aepli vom Verein Wiborada-Jubiläum 2026 sowie Karin K. Bühler von der feministischen Bibliothek Wyborada im Gespräch mit Saiten.
Doppeltes Jubiläum: Im Mai jährt sich das Martyrium der St.Galler Stadtheiligen Wiborada zum 1100. Mal. Und der Verein Wyborada, der 1987 die gleichnamige feministische Bibliothek eröffnete, feiert sein 40-Jahr-Jubiläum. Ausserdem im Mai-Heft: Das Gespräch zwischen Florian Vetsch und dem St.Galler Autor Christoph Keller über dessen neuen Roman.
Abbau von über 46 Vollzeitstellen in der Verwaltung, Schliessung des Volksbades, zusätzliche Blitzer für die Stadtpolizei: Mit solchen Massnahmen will die St.Galler Stadtregierung bis 2029 das jährliche Loch in der Stadtkasse um 17,1 Millionen Franken reduzieren.
Die Ostschweizer Band Team Negroni hat eine Vinyl-Platte mit Coversongs herausgebracht. Am 7. Mai wird Don't Drag Me Down in der st.gallischen Grabenhalle getauft.
Pure Zeitverschwendung oder endlich mal eine Pause im durchgetakteten Rhythmus der Tage? Drei Performer:innen nähern sich dem Phänomen des Wartens künstlerisch-wissenschaftlich an.
Das Kollektiv Dance Me to the End setzt sich für die Sichtbarkeit von Altern im Tanz ein. Am 1. und 2. Mai präsentiert es zwei verschiedene Tanzstücke in der St.Galler Lokremise. Saiten hat mit drei Kollektivmitgliedern gesprochen.
Pankraz Vorster war der letzte Fürstabt von St.Gallen. Sein Tagebuch liefert wertvolle Erkenntnisse zur Entstehungsgeschichte der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Das Stiftsarchiv St.Gallen hat die Handschrift als Edition veröffentlicht und vergangenen Mittwoch einen Einblick gegeben.
In ihren Songs verarbeitet die Winterthurer Band Anger Mgmt. die psychischen Probleme ihres Sängers. Heute erscheint ihr zweites Album, das erneut in die inneren Abgründe führt. Es ist ein dunkler Monolith – mit einem Lichtblick am Schluss.
Das Kinderdorf Pestalozzi feiert sein 80-jähriges Bestehen. Mit welchen Herausforderungen Kinder heutzutage konfrontiert sind und wie die Stiftung dagegenhält, erklärt Programmleiterin Bertha Camacho.