Kurz und gut

Dass kurz auch viel bedeuten kann, zeigt die Kurzfilmnacht-Tour 2014: Sie kommt mit prallem Programm daher und macht in der Ostschweiz gleich an mehreren Orten Halt.
Von  Katharina Flieger

Kurzfilme kommen der angesagten Häppchenkultur und dem Hunger nach rasch konsumierbarer Unterhaltung entgegen, im Fall der von der Stiftung Swiss Films veranstalteten Kurzfilmnacht-Tour allerdings ist das Kurzformat nicht gleichbedeutend mit Oberflächlichkeit, sondern mit Vielfalt. Kaleidoskopisch wird hier ein breites Themenspektrum eröffnet, bereits zum zwölften Mal werden Perlen des nationalen und internationalen Kurzfilmschaffens auf den Leinwänden von zwölf Städten zu sehen sein.

Dass im Kurzfilm eine grosse – inhaltlich wie formale – Vielfalt möglich ist, zeigen die vier kuratierten Programmblöcke der Kurzfilmnacht-Tour. Als attraktives Pflichtprogramm fungiert der Block «Swiss Shorts – Neue Kurzfilme aus der Schweiz». International ergänzt wird dieser mit «Western – A Fistful of Shorts Reloaded». Das Programm wurde in Kooperation mit den Internationalen Kurzfilmtagen Winterthur kuratiert und thematisiert auf humorvolle und ironische Weise die klassische Western-Filmsprache und die Darstellung des stereotypen männlichen Helden.

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Tumbleweed, Jared Varava, USA, 2011 (Filmstill)

Zwei Themen mit starkem (konsum-)gesellschaftlichem Aktualitätsbezug werden in den Programmblöcken «We Are Family – Es lebe die Regenbogenfamilie!» und «Generation Handy – Eine kurze Geschichte des Telefons» aufgegriffen. In «We Are Family» beleuchten vier Filme die Sorgen und Freuden gleichgeschlechtlicher Paare im Umgang mit eigenen Kindern oder dem übermächtigen Wunsch nach solchen.

Grenzüberschreitend im doppeldeutigen Sinn ist der mehrfache Festivalgewinner Hatch (Christoph Kuschnig, Österreich 2012). Er zeigt die aussichtslose Lage eines illegalen Einwandererpaars in Wien: Existenznöte treiben die beiden dazu, ihr Baby abzugeben, während sich ein schwules Paar nichts sehnlicher wünscht als Nachwuchs. Zwei Welten prallen eines Nachts aufeinander, in der grossen Kluft zwischen Normen, Illegalität und Gefühlen: ein Neugeborenes.

 

Mit Aspekten neuer Kommunikationsformen befasst sich der Programmblock «Generation Handy – Eine kurze Geschichte des Telefons». Die ausgewählten Kurzfilme beleuchten kritisch und gleichzeitig unterhaltend, zu was uns das Mobiltelefon in der kurzen Zeit seiner Existenz gemacht hat. Herrlich absurd etwa in Kwiz von René Callebaut (Belgien 2006), wo sich zwei Seniorinnen im Wartezimmer im Erraten von Klingeltönen duellieren.

Auch in gewisser Weise absurd, jedoch beklemmender, ist Noah (Patrick Cederberg, Walter Woodman, Kanada 2013), eine verkappte Verhaltensstudie von jungen Erwachsenen im digitalen Zeitalter. Während wir mit Noah durch die Welt des Web 2.0 navigieren, verschlechtert sich der Beziehungsstatus zu seiner Freundin rapide. Die Realität dringt durch die Ritzen der Chatfenster, Fake und Authentizität lassen sich nicht auseinanderhalten. Stilistisch gehen die zwei jungen Regisseure neue Wege: Mit geringstem technischen Aufwand und dem reinen Abfilmen eines Computer-Screens schaffen sie es, starke Emotionen zu erzeugen. Produziert mit einem Budget von 300 Dollar und Webcams in zwei Räumen, feiert der Film international grosse Erfolge.

Spezialprogramm in St.Gallen

Zurück in die Ostschweiz: Im Rahmen der Tour wird mit dem Programm «Made in St.Gallen» auch dem hiesigen Kurzfilmschaffen eine Plattform geboten. Zum Beispiel dem 29-jährigen St.Galler Filmemacher Nino Christen und seinem diesjährig erschienenen Kurzfilm L’Île noire: Während gut sechs Minuten wird in eindringlicher Schwarz-Weiss-Ästhetik der widersprüchliche Kampf des Menschen mit der Natur ge- zeigt. Eine Art visuelles Gegenstück dazu ist der kunterbunte Animationsfilm Pappkameraden (Stefan Bischoff, Stephan Wicki, 2013). «Made in St.Gallen» sowie das Programm «Swiss Shorts» wird anlässlich sogenannter «Kurzfilm Soirées» auch in Wil, Wattwil und Heerbrugg gezeigt; im Anschluss an die Vorstellungen bieten Gespräche mit den Filmschaffenden Einblick in das Schaffen der regionalen Film-Szene.

 

Kurzfilmnacht St.Gallen: Freitag, 16. und Samstag, 17. Mai, Kino Storchen, 20.15 Uhr.
Soirée Wattwil: Freitag, 23. Mai, 20.15 Uhr, Kino Passarelle

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Von  Daria Frick  und  David Gadze
2605 Wyborada Laura Tura portrait
Heftvorschau 05/26
Wiborada, Amerikanisch träumen

Dop­pel­tes Ju­bi­lä­um: Im Mai jährt sich das Mar­ty­ri­um der St.Gal­ler Stadt­hei­li­gen Wi­bora­da zum 1100. Mal. Und der Ver­ein Wy­bora­da, der 1987 die gleich­na­mi­ge fe­mi­nis­ti­sche Bi­blio­thek er­öff­ne­te, fei­ert sein 40-Jahr-Ju­bi­lä­um. Aus­ser­dem im Mai-Heft: Das Ge­spräch zwi­schen Flo­ri­an Vetsch und dem St.Gal­ler Au­tor Chris­toph Kel­ler über des­sen neu­en Ro­man.

Saiten 2605 Cover

Stadt St.Gal­len stellt neu­es Spar­pro­gramm vor

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Von  Reto Voneschen
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