Kategorie
Autor:innen
Jahr

Mehr als ein Dach über dem Kopf

Wohnen betrifft uns alle. Wohnen ist ein Grundrecht. Doch was überlegen sich die, die unsere Wohnungen planen und bauen? Das Architekturforum Ostschweiz will dies in einem breit angelegten Veranstaltungszyklus ergründen. Streitpunkte gibt es genug.
Von  René Hornung
Im Bau: Die Wohnsiedlung Schlösslipark St.Gallen von Holzer Kobler Architekturen. (Rendering: Holzer Kobler Architekturen)

Liest man den einleitenden Text des Architekturforums Ostschweiz, der die Wahl des Jahresthemas Wohnen begründet, sind wir mittendrin in der Sicht der Bauleute: «Wohnen berührt den innersten Kern des Bauens», heisst es da zuerst. Wohnen sei Ausdruck einer Identität und einer gesellschaftlichen Vision. Und so stellen sich Dutzende von Fragen: Wer braucht welche Wohnung?

Während die Gesellschaft sich immer weiter in Teilgruppen aufsplittert, produzieren «der Markt», respektive die grossen Bauinvestoren, bis heute fast ausschliesslich konventionell geschnittene Familienwohnungen. Zum Wohnen gehört aber auch die Natur rundum. Haben wir dafür in der geforderten Verdichtung überhaupt noch Platz? Wer achtet darauf, dass Umgebungsqualität entsteht, die mehr ist als «Abstandsgrün»?

Wohnsiedlung Schlösslipark St.Gallen in Farbe: mehr als «Abstandsgrün»? (Rendering: Holzer Kobler Architekturen)

All dies zu diskutieren wird abendfüllend. Und es geht noch um einiges mehr an den insgesamt acht Montagabenden, zu denen das Architekturforum Ostschweiz einlädt. Jedes Mal sind drei Leute aufs Podium geladen, sie werden unter abwechselnder Leitung von Philosophin Barbara Bleisch SRF (Sternstunde Philosophie) und von Ethiker Jean Daniel Strub (Projektleiter Wissenschaftspolitik beim ETH-Rat) zu Diskussionen herausgefordert.

«Wir haben schon im vergangenen Sommer über das Jahresthema 2018 geplant und immer wieder poppte das Stichwort Wohnen auf», blendet AFO-Vorstandsfrau Sabine Hutter zurück. Und man wende sich mit dem Thema «nicht nur an Fachleute, sondern explizit auch an die breite Bevölkerung». Die Veranstaltungen findet man deshalb erstmals auch auf den Kulturplakatsäulen in der Stadt angekündigt. Das Forum erwartet regen Besuch im Lagerhaus an der Davidstrasse. Die eingeladenen, teils weitherum bekannten Referentinnen und Referenten sollen viel Publikum anlocken.

Nachholbedarf in der Ostschweiz

Über Wohnen zu diskutieren ist gerade in der Ostschweiz nötig, denn in Architektenkreisen wird schon lange bemängelt, dass Investoren in unserer Region wenig Mut zeigen, Neues zu wagen. Wer speziellere Grundrisse oder gemeinschaftliches Wohnen sucht, findet dies in Zürich. Zwar entstehen zurzeit auch in der Stadt St.Gallen die – soweit bekannt – ersten Clusterwohnungen in einem Umbau am Platztor, doch dort, wo Investoren im grossen Stil Wohnungen bauen, etwa auf dem Saurer-Areal in Arbon oder beim Bahnhof Haggen in St.Gallen, stösst man auf Altbekanntes.

Wohnexperimente, wie sie Künstler und Architekt Spallo Kolb in Widnau auf dem ehemaligen Viscose-Areal realisiert hat, sind in der Ostschweiz äusserst dünn gesät. «Wir möchten mit der Veranstaltungsreihe erreichen, dass künftig qualitativ vielschichtigere Wohnungen gebaut werden», so Sabine Hutter. Allzu detailliert in die Kritik an einzelnen Projekten will man sich aber nicht einlassen. Die Themen sind breit angelegt. «Aber das Publikum ist immer aufgefordert, seine eigenen Erfahrungen und Fragen einzubringen».

Experimentierfeld: Spallo Kolbs Viscose_3 auf dem ehemaligen Fabrikareal der Viscose in Widnau. (Bild: Hanspeter Schiess)

Wie heftig die Diskussionen werden, wird sich zeigen. Die erste Veranstaltung vom 5. Februar ist als «Herleitung zum Wohnen» angekündigt. Architekturtheoretiker Akos Moravanszky, die Basler Architektin Anna Jessen (die auch den neuen Studiengang Architektur an der Fachhochschule St.Gallen leitet) und der Architekturphilosoph Christoph Baumberger werden unter der Leitung von Barbara Bleisch diskutieren.

Am 5. März bringt die Runde das Thema auf den Boden der hiesigen Realität zurück. «Brennpunkt Ostschweiz» heisst es dann, es diskutieren Architekt Christian Wick, St.Gallens Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner und Ex-Regierungsrätin Kathrin Hilber. Danach folgen die Themen digitale Baukultur und Freiräume. Ab September werfen die Veranstalter einen Blick über die Schweiz hinaus, es geht um Multikulti beim Wohnen, um Umbrüche und Innovationen.

Teure Neubauwohnungen, hohe Leerwohnungsziffern

Abzuwarten bleibt noch, wie weit auch jene Themen rund ums Wohnen angeschnitten werden, die die Bevölkerung im Alltag beschäftigen: die horrenden Preise der neuen Wohnungen, das Verbauen der letzten Hänge, die noch einen Blick auf den Säntis oder den Bodensee bieten.

Dies sind bei weitem keine städtischen Themen. In Trogen wird gerade der sehr steile Hang zwischen Hauptstrasse und Kantonsschule zugebaut – allein von der Bautechnik her können dort keine günstige Wohnungen entstehen – aber sie bieten Seeblick.

Solange weiterhin soviel Geld eine Anlagemöglichkeit sucht, wird kräftig weitergebaut, auch wenn die Leerwohnungsziffern in den letzten Monaten deutlich angestiegen sind. Jede Pensionskasse sucht Renditen, und die liegen bei Immobilien im Moment noch um ein Mehrfaches höher als bei den mündelsicheren Bundesobligationen.

Wohnen – eine Herleitung: 5. Februar, 19.30 Uhr,
Architekturforum Ostschweiz, Davidstrasse 40, St.Gallen
a-f-o.ch

Aber es gibt bereits Warnlichter: Um Flawil werden Investoren einen Bogen machen, denn dort stehen fast vier Prozent aller Wohnungen leer (Bundesamt für Statistik, Stand 2017). Ganz anders die Lage im Einfamilienhausgewirr von Mörschwil mit einer Leerstandsziffer von nur gerade 0,2 Prozent. Dort ist es fast so unmöglich wie in der Stadt Zürich, eine passende Mietwohnung zu finden.

Die Situation in der Stadt St.Gallen, wo allein im Quartier Haggen im Moment mehr als 200 neue Wohnungen im Bau sind, präsentiert sich bezüglich Leerstände im Mittelfeld. Die absoluten Zahlen aber sind hoch: Bei der Vermittlungsplattform New Home sind 850 Mietobjekte auf dem Gebiet der Stadt St.Gallen ausgeschrieben, bei Homegate sind es 460. Ein genauerer Blick zeigt, dass darunter viele Objekte in Mehrfamilienhäusern aus den 1960er- bis 1980er-Jahren sind.

Diese Wohnungen sind nicht mehr so beliebt. Umso wichtiger – so Sabine Hutter – sei es, «die grosszügigen und räumlich hochwertigen Altbauwohnungen, von denen es in der Stadt St.Gallen zum Glück doch noch einige gibt, zu pflegen».

Begleitend zum Forum zeigt das Kinok Architektur im Film, im Februar «Having A Cigarette with Álvaro Siza». (Bild: pd)

Das Jahr wird zeigen, ob Architektinnen und Architekten auch solche Themen diskutieren – Themen, mit denen sie ihren Auftraggebern, den Investoren, in die Quere kommen könnten. Die Vorträge und Diskussionen werden jedenfalls dokumentiert. Auf den Frühling 2019 hin soll daraus ein Sammelband entstehen. Und nicht nur diese Themenreihe bietet das Forum an. Im Februar, März und April zeigt das Kinok auch wieder je einen Architekturfilm: über Franz Füeg, über Alvaro Siza und über Eero Saarinnen.

Dieser Text erschien im Februarheft von Saiten.

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze

WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
6085807

FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01

Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
Whats App Image 2026 08 26 at 08 36 26

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica