Marco Santi verlässt das Theater St.Gallen 2014, Ende der nächsten Spielzeit. Nach nur fünf Jahren – das ist jammerschade.
Das Theater St.Gallen teilt den Abgang Santis ohne Begründung mit. Die knappe Medienmitteilung zitiert den Tanzchef im Gegenteil mit den Worten: «Ich freue mich auf die Spielzeit 2013/14. Selten war das Programm so vielseitig – und dass wir mit Lokremise, Kathedrale und Grossem Haus wiederum drei Spielorte zur Verfügung haben, ist grossartig und keinesfalls selbstverständlich.» Danach sei Santi «offen für neue Herausforderungen».
Das ist zumindest nur ein Teil der Wahrheit – oder: ziemlich viel «Zwielicht», um es mit dem Titel einer von Santis Festspiel-Choreographien in der Kathedrale (Bild) zu sagen. «Vieles ist gut gewesen», bestätigt Santi zwar auf Anfrage. Sein Kampf um den Tanz als selbständige Sparte am Haus habe ihn jedoch müde gemacht. Organisatorisch ist der Tanz in St.Gallen der Opernsparte untergeordnet – und Santi damit dem Opernchef Peter Heilker. Mit Heilker sei das Verhältnis nicht mehr gut gewesen, sagt Santi, und das bestätigt am Telefon auch Theaterdirektor Werner Signer. Aber: «Dass der Tanz dem Opernchef unterstellt ist, macht künstlerisch Sinn, weil die Tanzkompagnie regelmässig bei Musikproduktionen mitmacht» – aktuell bei «Nacht in Venedig».
Santi dagegen sagt, ihm habe der Spielraum für die Entwicklung der Kompagnie gefehlt; die engen Strukturen blockierten die Ideen, und über die personellen Differenzen hinaus sei die Spartenfrage ein Sinnbild für die «mangelnde Wertschätzung» gegenüber dem Tanz – und dies nach vier erfolgreichen Jahren. Von fehlender Wertschätzung könne nicht die Rede sein, kontert Signer; in den letzten Jahren, zuerst unter Philipp Egli und jetzt unter Marco Santi, habe der Tanz sich stark entfalten können und mit der Lokremise auch eine attraktive neue Spielstätte gefunden – so in «Codex», einer der grossen und für St.Gallen neuartigen, genreübergreifenden Santi-Choreographien.
Santis Nachfolgerin oder Nachfolger soll laut Signer auf dem bisherigen Niveau weiterarbeiten können; ein Abbau sei nicht geplant. Santi hingegen ist überzeugt, dass man dem Tanz mehr Eigenverantwortung zugestehen müsste und dass das St.Galler System «nicht als Dauerlösung funktioniert».
Marco Santi hat dem St.Galler Publikum gezeigt, dass Tanz nicht einfach schöne Bewegung ist, sondern Leben mit ganzem Körpereinsatz.
«Ich gehe mit blutigem Herzen», sagt Marco Santi.
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