Lu steht ganz alleine in einer kalten, kargen Umgebung. Lu ist ein androgynes Wesen und soll alle Geschlechter ansprechen, im Text wird die weibliche Form genutzt. Haltsuchend presst die Zeichenfigur die Arme zusammen und blickt ängstlich umher. Doch da ist nichts. Nur Einöde, keine Wärme, keine Farbe. Fröstelnd legt Lu sich die Arme um den Körper und schlurft gebückt weiter.
Da! Auf einmal flackert ein warmes Licht auf. Freudig erregt rennt sie darauf zu und steckt neugierig den Finger in den kreisrunden Lichtstrahl. Oh, was ist das hier? Mit grossen Augen späht sie durch die Lichtöffnung in eine unbekannte Welt. Sie springt hindurch und fliegt voller Schwung los. Wellen tragen sie sanft durch die dunklen doch behaglichen Farben, das Dasein scheint schwerelos.
Bum – auf einmal knallt etwas gegen sie. Eine andere Figur, sie sieht gleich aus wie sie! Nur mit einem flackernden Farbfeuer im Bauch. Und da sind noch viele mehr! Sie reichen sich die Hände, die Beine verbinden sich, die physischen Grenzen verschwimmen. Jetzt ist nur noch eine Figur im Raum. Ist es Lu? Sie schwebt glücklich im Raum – und ihr Bauch flackert in verschiedensten Farben.
Emotionen vereinen
Mit ihrem Animationsfilm Lu wurden die St.Gallerin Luisa Zürcher (*1998) und ihre Mitstudentinnen Anna Lena Spring (*1997 in Bern) und Lara Perren (*1998 in Thun) an den Solothurner Filmtagen in der Sektion «Upcoming Talents» nominiert. Die Autorinnen haben mit Lu einen zarten und zeitgleich starken Animationsfilm geschaffen, dessen Thematik Emotionen sind. «Lu, die Hauptfigur des Films, entdeckt durch Neugier und Überwindung eine Sphäre, wo sie auf unbekannte Seiten ihrer selbst trifft. Die Emotionen, dargestellt als Farben, kann Lu schlussendlich vereinen und findet Zufriedenheit», erklärt Luisa Zürcher.
Luisa Zürcher
Die Zusammenarbeit am Film habe sich durch ein gemeinsames Modul im Bachelorstudium Animation an der Hochschule Luzern ergeben. «Die Idee und der Ablauf des Films wurden über mehrere Wochen immer wieder geändert, bis wir damit zufrieden waren», so die Filmstudentinnen. Besondere Schwierigkeiten stellten die angewendeten Animationstechniken dar: die Verbindung von analogen Materialien wie Öl und Glas mit dem Digitalen. Diese seien sehr aufwendig und würden stete Modifizierung der Pläne und Ideen erfordern.
Undankbar und doch verdammt schön
Ähnliche Schwierigkeiten betreffend Arbeitsabläufen kennt auch der Widnauer Filmschaffende Marco Ellensohn (*1995). Insgesamt elf Monate habe die Arbeit am Film gedauert. «Filme machen ist aufwendig und oftmals undankbar. Und doch ist es wieder verdammt schön.» Ellensohn selbst beschäftigt sich in seinen Filmen am liebsten mit den alltäglichen Dingen des Lebens, wie in seinem Kurzfilm NaCl, der im gleichen Wettbewerb wie Lu steht.
Die rund vierminütige amüsante Schwarz-Weiss-Animation handelt von einem jungen Typen mit knurrendem Magen. Der Blick in den Kühlschrank offenbart eine tote Maus und ein Ei. Das Ei ins kochende Wasser werfend, merkt der Typ, dass er kein Salz mehr hat. Er macht sich eilig auf den Weg in den nächsten Supermarkt.
Marco Ellensohn
Doch da kommt er so schnell nicht wieder raus. Der Self-Scan-Automat fordert die zeitraubende Beantwortung irrelevanter Fragen: «Haben Sie alle Artikel gescannt? Wollen Sie einen Gutschein einlösen? Existieren Sie überhaupt?» Genervt und völlig hektisch tippt der junge Mann auch noch das Salz 13-fach und bezahlt viel zu viel. Ein Missgeschick jagt das andere, die Pechsträhne zieht sich durch den ganzen Clip – bis sich am Schluss das Blatt doch noch wendet.
Förderung von Nachwuchstalenten
Insgesamt werden an der diesjährigen Ausgabe der Solothurner Filmtage 170 neue Schweizer Filme, davon 103 Kurzfilme, gezeigt. Von über 500 Einsendungen an Kurzfilmen wurden 103 für die Sektion «Panorama», das Herzstück der Filmtage, ausgewählt. Im Wettbewerb «Upcoming Talents», welcher der Entdeckung und Förderung von Nachwuchstalenten dient, stehen 27 Filme. Die Jury dieser Sektion setzt sich aus der Produzentin Anne Walser und den Regisseuren Adrien Bordone und Kaspar Kasics zusammen.
Die Upcoming Award Night findet am Dienstag, 26. Januar, um 21 Uhr auf der Website der Solothurner Filmtage statt.
Programm, Tickets und Reservationen unter: solothurnerfilmtage.ch
Egal wer gewinnt: Die Freude der Nominierten ist gross. Sie sehen die Teilnahme als Anerkennung für ihre Arbeit und als Plattform für zukünftige Projekte. Marco Ellensohn sieht selbst in der rein digitalen Version des Festivals die positiven Aspekte: «So kann ich ohne schlechtes Gewissen im Pyjama und einem Bier in der Hand, alles von zu Hause aus erleben.»
Dieses Wochenende heisst es zum zwölften Mal Pantalla Latina. Auch wenn das lateinamerikanische Filmfestival pandemiebedingt in reduziertem Umfang – und wieder an einem neuen Ort, dem St.Galler Palace – stattfindet: Das Programm verspricht viel.
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann