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Mit Salz und Emotionen

Zum 56. Mal wird an den Solothurner Filmtagen der Schweizerische Film gefeiert. Bis 27. Januar werden aktuelle Produktionen online gezeigt. In der Sektion «Upcoming Talents» sind unter anderem zwei Ostschweizer Filmschaffende nominiert. Von Sandra Cubranovic
Von  Gastbeitrag , 
Lu unterwegs.

Lu steht ganz alleine in einer kalten, kargen Umgebung. Lu ist ein androgynes Wesen und soll alle Geschlechter ansprechen, im Text wird die weibliche Form genutzt. Haltsuchend presst die Zeichenfigur die Arme zusammen und blickt ängstlich umher. Doch da ist nichts. Nur Einöde, keine Wärme, keine Farbe. Fröstelnd legt Lu sich die Arme um den Körper und schlurft gebückt weiter.

Da! Auf einmal flackert ein warmes Licht auf. Freudig erregt rennt sie darauf zu und steckt neugierig den Finger in den kreisrunden Lichtstrahl. Oh, was ist das hier? Mit grossen Augen späht sie durch die Lichtöffnung in eine unbekannte Welt. Sie springt hindurch und fliegt voller Schwung los. Wellen tragen sie sanft durch die dunklen doch behaglichen Farben, das Dasein scheint schwerelos.

Bum – auf einmal knallt etwas gegen sie. Eine andere Figur, sie sieht gleich aus wie sie! Nur mit einem flackernden Farbfeuer im Bauch. Und da sind noch viele mehr! Sie reichen sich die Hände, die Beine verbinden sich, die physischen Grenzen verschwimmen. Jetzt ist nur noch eine Figur im Raum. Ist es Lu? Sie schwebt glücklich im Raum – und ihr Bauch flackert in verschiedensten Farben.

Emotionen vereinen

Mit ihrem Animationsfilm Lu wurden die St.Gallerin Luisa Zürcher (*1998) und ihre Mitstudentinnen Anna Lena Spring (*1997 in Bern) und Lara Perren (*1998 in Thun) an den Solothurner Filmtagen in der Sektion «Upcoming Talents» nominiert. Die Autorinnen haben mit Lu einen zarten und zeitgleich starken Animationsfilm geschaffen, dessen Thematik Emotionen sind. «Lu, die Hauptfigur des Films, entdeckt durch Neugier und Überwindung eine Sphäre, wo sie auf unbekannte Seiten ihrer selbst trifft. Die Emotionen, dargestellt als Farben, kann Lu schlussendlich vereinen und findet Zufriedenheit», erklärt Luisa Zürcher.

Luisa Zürcher

Die Zusammenarbeit am Film habe sich durch ein gemeinsames Modul im Bachelorstudium Animation an der Hochschule Luzern ergeben. «Die Idee und der Ablauf des Films wurden über mehrere Wochen immer wieder geändert, bis wir damit zufrieden waren», so die Filmstudentinnen. Besondere Schwierigkeiten stellten die angewendeten Animationstechniken dar: die Verbindung von analogen Materialien wie Öl und Glas mit dem Digitalen. Diese seien sehr aufwendig und würden stete Modifizierung der Pläne und Ideen erfordern.

Undankbar und doch verdammt schön

Ähnliche Schwierigkeiten betreffend Arbeitsabläufen kennt auch der Widnauer Filmschaffende Marco Ellensohn (*1995). Insgesamt elf Monate habe die Arbeit am Film gedauert. «Filme machen ist aufwendig und oftmals undankbar. Und doch ist es wieder verdammt schön.» Ellensohn selbst beschäftigt sich in seinen Filmen am liebsten mit den alltäglichen Dingen des Lebens, wie in seinem Kurzfilm NaCl, der im gleichen Wettbewerb wie Lu steht.

Die rund vierminütige amüsante Schwarz-Weiss-Animation handelt von einem jungen Typen mit knurrendem Magen. Der Blick in den Kühlschrank offenbart eine tote Maus und ein Ei. Das Ei ins kochende Wasser werfend, merkt der Typ, dass er kein Salz mehr hat. Er macht sich eilig auf den Weg in den nächsten Supermarkt.

Marco Ellensohn

Doch da kommt er so schnell nicht wieder raus.  Der Self-Scan-Automat fordert die zeitraubende Beantwortung irrelevanter Fragen: «Haben Sie alle Artikel gescannt? Wollen Sie einen Gutschein einlösen? Existieren Sie überhaupt?» Genervt und völlig hektisch tippt der junge Mann auch noch das Salz 13-fach und bezahlt viel zu viel. Ein Missgeschick jagt das andere, die Pechsträhne zieht sich durch den ganzen Clip – bis sich am Schluss das Blatt doch noch wendet.

Förderung von Nachwuchstalenten

Insgesamt werden an der diesjährigen Ausgabe der Solothurner Filmtage 170 neue Schweizer Filme, davon 103 Kurzfilme, gezeigt. Von über 500 Einsendungen an Kurzfilmen wurden 103 für die Sektion «Panorama», das Herzstück der Filmtage, ausgewählt. Im Wettbewerb «Upcoming Talents», welcher der Entdeckung und Förderung von Nachwuchstalenten dient, stehen 27 Filme. Die Jury dieser Sektion setzt sich aus der Produzentin Anne Walser und den Regisseuren Adrien Bordone und Kaspar Kasics zusammen.

Die Upcoming Award Night findet am Dienstag, 26. Januar, um 21 Uhr auf der Website der Solothurner Filmtage statt.

Programm, Tickets und Reservationen unter:
solothurnerfilmtage.ch

Egal wer gewinnt: Die Freude der Nominierten ist gross. Sie sehen die Teilnahme als Anerkennung für ihre Arbeit und als Plattform für zukünftige Projekte. Marco Ellensohn sieht selbst in der rein digitalen Version des Festivals die positiven Aspekte: «So kann ich ohne schlechtes Gewissen im Pyjama und einem Bier in der Hand, alles von zu Hause aus erleben.»

 

 

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Saiten 2611 01 Cover

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Gruppenfoto

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Alte Steinach Karlstor Zukunft

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Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller