Im Dezember ist es vier Jahre her, dass das traditionsreiche Kino Scala in Konstanz geschlossen wurde. Es musste einer Drogeriemarkt-Kette weichen, der fünften in der Stadt.
In Betrieb genommen wurde der «Scala Filmpalast» mitten in der Altstadt 1938, jahrzehntelang war das mehrfach ausgezeichnete Kino ein beliebter Treffpunkt für Cineastinnen und Arthouse-Liebhaber. Kein Wunder also, stiess die geplante Schliessung 2016 auf massiven Gegenwind in der Bevölkerung.
1938 eröffnet, musste das Kino 2016 einer Drogeriekette weichen. (Bild: facebook.com/scala.konstanz)
Die Initiative «Rettet das Scala» brachte über 7000 Unterschriften zusammen, Gespräche wurden gesucht und Demos organisiert. «Lieber Kino statt Pampers» war einer der Slogans. Man wollte die «weitere Kommerzialisierung der boomenden Touristenhochburg am Bodensee» verhindern.
Gegen die «kommerzielle Verödung»
Das Kultkino, sagten die Protestierenden, sei darum auch Symbol für einen weitergehenden, umfassenderen Widerstand: gegen die «kommerzielle Verödung» der Altstadt und die Macht der grossen Ladenketten. Alles vergeblich, im Dezember 2016 wurde das Scala zu Grabe getragen, samt Trauerreden, Kreuz und Sarg.
Auch Michael Lünstroth, damals Lokalredaktor beim «Südkurier», machte sich fürs Kino stark – und wurde hart abgestraft. Seine Berichterstattung über den Protest samt Kritik an der zunehmenden «Verramschung» der Innenstadt waren nicht gern gelesen. Ausserdem warf er dem CDU-Oberbürgermeister Uli Burchardt Untätigkeit und mangelndes Gespür für die Bedürfnisse eines grossen Teils der Konstanzer Bevölkerung vor.
Dieser wiederum, seit 2012 im Amt, wollte das nicht auf sich sitzen lassen und hat, so heisst es, seine Kontakte zur Chefetage des «Südkuriers» spielen lassen. Lünstroth «verschwand in der journalistischen Versenkung», bilanzierte Holger Reile vom Konstanzer Onlineportal «seemoz» damals. Mittlerweile ist Lünstroth zum Glück wieder aufgetaucht; er ist Redaktionsleiter des Onlineportals «thurgaukultur».
Die Angst vor dem Imageverlsut
Auch den in Konstanz geborenen Dokfilmer Douglas Wolfsperger, der Sympathien für den Protest hegte, haben die Ereignisse damals beschäftigt – und die Stolpersteine, die ihm daraufhin in den Weg gelegt wurden. Wochenlang war er unterwegs, um die letzten Tage des Kultkinos zu begleiten. Und hoffte nebst einem Crowdfunding auch auf finanzielle Hilfe seitens der Stadt.
Scala Adieu – Von Windeln verweht: 23. September, 20 Uhr, Kinok St.Gallen
kinok.ch
Der Kanton Thurgau und die Nachbarstadt Kreuzlingen hatten dem Filmemacher bereits 23’000 Franken zugesagt, fehlte noch ein Zustupf seitens Konstanz. Dort allerdings befürchtete man, dass die geplante Dokumentation die Stadt in einem schlechten Licht erscheinen lassen könnte. Kurz vor der Abstimmung im Stadtparlament ging sogar noch eine Warn-Mail herum.
Es kam, wie es kommen musste: Statt der geforderten 36’500 Euro gewährte ihm das Konstanzer Parlament nur gerade 2500 Euro, aus Angst vor einem Imageverlust. Wolfsperger war ernüchtert: «Würde ich ein harmloses Filmchen mit Bildern vom blauen Bodensee und der schmucken Konstanzer Altstadt drehen, könnte ich sicher mit einem satten Zuschuss rechnen».
Aufgeben wollte der «Verarschte», wie er sich damals nannte, aber auf keinen Fall. «Jetzt erst recht» war seine Devise – und so kam der Streifen trotz einiger weiterer Schwierigkeiten 2018 zustande. Am Mittwoch wird er im Kinok gezeigt, anschliessend diskutiert der St.Galler Journalist Marcel Elsener mit dem Publikum und Regisseur Douglas Wolfsperger.
Eigentlich war das Aus des Konstanzer Programmkinos Scala für Ende Jahr geplant. Schon seit Monaten im Zustand der Schnappatmung, konnte es Kinobetreiber Detlef Rabe anscheinend kaum erwarten, ihm ein vorzeitiges Ende zu bereiten. Am 29. November wurde es mit einer etwas schräg anmutenden Zeremonie beerdigt.
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