Die Rümpeltum-Leute haben das fassadenhohe Transparent an ihrem Haus ausgewechselt. Wo früher Klage über den Verlust von Lebensraum geführt wurde, ist jetzt Solidarität mit Hausbesetzern gefragt: «Ohne Areal sind wir überall. Solidarität mit Labitzke und Pizzeria Anarchia», so der Text.
Labitzke ist klar. Es ist das von Alternativen aller Art besetzte Areal in Zürich-Altstetten, das letzte Woche mit einem Grosseinsatz der Polizei geräumt wurde, damit die Bagger auffahren können. Aber «Pizzeria Anarchia»?
Da geht es auch um eine Räumung und um einen Grosseinsatz: Sagenhafte 1’700 Polizeibeamte sollen in Wien Ende Juli aufgeboten worden sein, um eine von lediglich einem Dutzend Leute besetzte Liegenschaft im Quartier Leopoldstadt zu räumen. Es war Wiens einziges besetztes Haus. Ein Wunder für eine Grossstadt.
Die Geschichte der «Pizzeria Anarchia» ist einigermassen skurril. Die Besitzerin hatte das Haus vor zwei Jahren zu Spekulationszwecken erworben. Die letzten Mieter sollten nun rausgeekelt werden. Für diesen Part waren Punks gedacht, denen die Eigentümerin gratis Wohnraum anbot.
Doch der Plan schlug fehl. Die Punks, die das zwielichtige Angebot angenommen hatten und dann eingezogen waren, fanden den Draht zu den Mietern. Beide solidarisierten sich nun gegen den Spekulanten. Und so wurde aus dem Haus ein besetztes Haus. Weil im Erdgeschoss einst eine Pizzeria war, hiess das Haus fortan «Pizzeria Anarchia».
Auch das Rümpeltum ist vom Rauswurf bedroht. Die Liegenschaft soll abgerissen werden und einem Neubau weichen. Das alte Gebäude ist immer noch von Bauvisieren flankiert. Naht das baldige Ende des Rümpeltums? Wird es eine Besetzung und eine anschliessende Räumung geben?
Möglicherweise nicht, falls die Stadt erfolgreich ist. Denn sie ist auf der Suche nach einem Ersatz fürs Rümpeltum. Dies schreibt jedenfalls der Stadtrat in seiner Antwort auf eine Interpellation von Gallus Hufenus (SP). Der Stadtparlamentarier kritisiert, es gebe immer weniger Nischen und Freiräume für Randgruppen und nichtkommerzielle Projekte.
Zwar hält der Stadtrat fest, er versuche, fürs Rümpeltum eine neue Liegenschaft zu finden, auch unter den eigenen, städtischen Liegenschaften. Doch Garantien will er keine abgeben. Zudem zeigt er sich bereit, Privatliegenschaften für Zwischennutzungen anzumieten. Aber auch hier mit einer Einschränkung: «Grenzen bestehen allerdings, wenn die Stadt keine kostendeckende Miete erhält.» Typisch Stadtrat: Ja, aber…
Vielleicht ein Fall für die Dietschweiler-Stiftung? Dank dem Support dieser finanziell gut ausgestatteten Privatstiftung hatte das Rümpeltum-Projekt seinerzeit realisiert werden können. Möglicherweise ist bald wieder eine solche Unterstützung gefragt.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
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