Kategorie
Autor:innen
Jahr

Nicht gekommen, um zu bleiben

Mit der Schau «DeArrival» holen drei U-30-Kuratoren nationales junges Kunstschaffen in unterschiedlichsten Positionen aufs Lattich-Areal im St.Galler Güterbahnhof. Ein mutiges Experiment, das aufgegangen ist, schreibt Dorothee Haarer.
Von  Gastbeitrag

Bis Freitag wird unter dem Motto «Freiraum» die Halle auf dem Lattich-Areal bespielt. Initianten der 3-Tages-Ausstellung «DeArrival» sind Wassili Widmer,  ZhdK-Student, und die beiden Kunstgeschichtsstudenten Luca Rey und Joel Spiegelberg. Ihre Idee: In einer nur temporär ausgelegten Zwischennutzung Themen anzureissen,  die sich ums Ankommen, Da-Sein  und Weiterziehen drehen. Und dabei Kunstschaffende vernetzen, Intermedialität fördern und Austausch anregen.

Für ihr Projekt haben sie 21 Kunst-Täterinnen und -Täter aus der ganzen Schweiz ausgewählt und diese nach St.Gallen geholt. Dabei herausgekommen ist eine vielschichtige, durch ein Rahmenprogramm begleitete Ausstellung, die von audio-visuellen Installationen über stille Skulpturen bis hin zu  grossformatigen Zeichnungen die ganze Bandbreite aktuellen Kunstschaffens widerspiegelt.

Ankommen ohne Willkommen

In einer Mauernische ist eine Zeichnung über drei Blätter verteilt. Gleich erkennt man in den wilden Linien und rasenden Strichen den Weg (eine Brücke vielleicht?), der auf eine Stadt zuführt. Man wird durch den heftigen Strichduktus quasi wie auf einem Laufband in die Architektur gezogen, gesaugt. Doch die Skyline, auf die man so zurast, wirkt nicht einladend. Die Häuserblöcke sind fensterlos, türlos. Ankommen oder gar Nach-Hause-Kommen scheint kaum möglich. Dafür steht die Frage im Raum: Wird man sich hier überhaupt zu recht finden können?

Luxus der B-Kategorie

Links daneben hängt eine hinterleuchtete Fotografie von Venedig: Darauf zu sehen gibt’s Jachten auf dem Wasser, Häuser am Quai, und eine der typischen venezianischen Brücken ist auch dabei. Es scheint ein recht gewöhnlicher Blick über das Wasser auf die Stadt zu sein. Doch wer Venedig besucht hat und um das Protzen entlang des Canal Grande weiss, der stutzt. Denn die erwarteten vor Anker liegenden Luxusliner sind durch Jachten mittlerer Grösse ersetzt. Und anstatt der zu Hotels umfunktionierten Palazzi findet man nun schlichte Gebäude mit grünen Läden und spitzen Fenstern.

Es ist ein Blick auf die Welt derjenigen, die auch gerne mitspielen und dazu gehören würden, bei den Reichen und Schönen. Allerdings ist es ein nüchterner Blick, der zeigt, wie unspektakulär dieses Spiel wird, wenn man nicht mit fettem Geldbeutel daher kommt. Dann spielt man auch mit. Aber eben nur in der B-Kategorie.

DeArrival

18. bis 20. Oktober ab 15 Uhr

19 Oktober 19:30 Uhr: Per­for­mance von Nilo Still­hard, 21 Uhr Rap-Per­for­mance von Silaz Still­hard

20. Oktober 19 Uhr: Live-Kunst mit Elia Va­ri­ni, 20 Uhr: Per­for­mance von Mar­ti­na Mor­ger und Was­si­li Wid­mer, 21 Uhr: Af­ter­par­ty von Kein Kol­lek­tiv, in der Tank­stell

spieglerey.com/spieglerey

lattich.ch

Anderswo in der Halle stehen auf Paletten zwei Bildschirme, Rücken an Rücken. Auf dem einen Bildschirm tauchen Sätze auf und verschwinden wieder. Sie alle drehen sich um Zugehörigkeit undFremdheit und berichten vom Balancieren zwischen Welten und Kulturen. Ein Satz erklärt: «Man geht als jemand und kommt als niemand. Und umgekehrt.» Auf dem anderen Bildschirm ist ein Film zu sehen. Unscharf erkennt man, wie eine Frau sich auszieht, entblösst, umzieht, neu bekleidet. Machen Kleider Leute? Machen Kleider Identität? Verliere ich mich und bin niemand mehr, sobald ich nackt bin? Kann ich mein Selbst ablegen wie ein Kleidungsstück? Und muss ich mich ver-kleiden, um irgendwo dazu zu gehören?

Baumelnde Briefe

Weit hinten in einer Hallenecke, aus der Distanz kaum zu sehen, baumeln pastellfarbene Papierbögen von der Decke. Beim näheren Betrachten enttarnt man sie als Liebesbriefe. Beschrieben sind sie mit Sätzen voller Zuneigung, Versprechen, Hoffnungen. Doch das, was Liebesbriefe erst bedeutsam macht – Wer schreibt wem, wer liebt wen? –, das fehlt. Denn die Namen von Adressat und Absender wurden getilgt,  herausgeschnitten, ebenso wie manch andere Passage innerhalb der Briefe. Damit kippt die Botschaft des Schreibens vom Persönlichen ins Anonyme, vom Einzigartigen ins Beliebige. Jeder wird austauschbar.

Die Idee der Initianten geht auf. «DeArrival» ist eine gelungene Schau übers Ankommen(-Wollen), (nicht) Erreichen-Können und Weiterziehen (-Müssen): egal, ob es um Orte, Lieblings-Menschen oder einen Platz innerhalb der Gesellschaft geht. Das macht wehmütig. Doch die Hoffnung bleibt. Auf ein Ankommen. Ein Bleiben-Können. Irgendwann vielleicht.

Folgende Künstlerinnen und Künstler stellen aus: Abraham Barrow und Freunde, Angela Osterwalder und Sergio Araya, Brigida Zuberi, Bruno Stebler, David Sieber, Elia Varini, Florian Gugger, Joris Jehle, Lasse Linder, Lea Huser, Luca Rey, Lucien Wampfler, Martina Morger, Nilo Stillhard, Riccarda Naef, Silaz Stillhard, Sonja Berta, Tarik Zürcher, Tim Hegersberg, Wassili Widmer.

 

 

 

 

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze

WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
6085807

FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf