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Oper im Herzen der Finsternis

So politisch kann Oper sein: «Die Hamletmaschine» von Wolfgang Rihm und Heiner Müller ist drei Jahrzehnte nach ihrer Entstehung am Opernhaus Zürich zu sehen. Teuer, aber lohnend.
Von  Peter Surber
Ophelia als Ulrike im Hochsicherheitstrakt. (Bilder: Opernhaus Zürich/T+T Fotografie)

Es scheint ewig her, die Erinnerung ist bös verblasst: Im Mai 1980 war hier demonstriert worden, die sogenannten Opernhauskrawalle waren der Auslöser der Jugendunruhen, die es mit Verspätung dann auch in St.Gallen gab. Heute ist der Platz vor dem renovierten Opernhaus – der 60-Mio-Kredit dafür und die gleichzeitige Ablehnung eines autonomen Jugendhauses hatte vor 36 Jahren das Fass zum Überlaufen gebracht – säuberlich gestaltet. Ein grosszügiger Freiraum, jedenfalls in städtebaulicher Hinsicht. Dafür tobt es drinnen.

Drinnen noch einmal: die Auseinandersetzungen um Ideologien und Gewalt, um die Katastrophen und Brüche der europäischen Geschichte. Drinnen wird Die Hamletmaschine gespielt, das Musiktheater von Wolfgang Rihm nach dem Text von Heiner Müller. 1987 uraufgeführt, ist es noch immer eines der verstörendsten zeitgenössischen Bühnenwerke. Entsprechend fand die NZZ: «Dass die Zürcher Oper das Werk nun 26 Jahre nach der letzten Aufführung erneut zur Diskussion stellt, ist eine Grosstat – aus künstlerischer und repertoirepolitischer Sicht fraglos die wichtigste, wagemutigste Premiere der Zürcher Saison.»

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Lenin, Marx und Mao und die drei Hamlets

Marx, Warhol, Mauerfall…

Regisseur Stefan Baumgarten schichtet ein opulentes Bilder- und Assoziationsgebäude auf – als wäre das Material, der traumwandlerische Hamlet-Text Müllers und Rihms Orchester-Kraftakt, nicht schon vielschichtig genug. Der Fall der Mauer begleitet Hamlets bitteres «Familienalbum» im ersten Akt; Ulrike Meinhof im Stammheimer Hochsicherheitstrakt geistert beklemmend durch den zweiten Akt, es gibt Rückfälle (der alte Penner Marx wird noch einmal gemeuchelt), Querbezüge (zu Warhols Factory, die als Symbol des Konsumrausches das Scherzo des 3. Akts illustriert) und Vorgriffe, etwa mit Folterszenen in Guantànamo-Kluft.

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Folterszene im Schluss-Akt

Müllers 1977 angeblich in einer Nacht verfasstes Fragment vom europäischen Untergang erhält mit einem riesigen Schiffsrumpf die ihm gemässe Kulisse (Bühne Barbara Ehnes). Das Schiff heisst «Nessuno secondo» – frei übersetzt vielleicht: Nach uns die Sintflut. Es sind Bilder von einer Gewalttätigkeit, wie sie dem katastrophenreichen Gegenstand des Stücks entspricht. Was Müller umtrieb und welche kompositorische Raffinesse in der Partitur von Wolfgang Rihm steckt, lässt sich in Rezensionen der jetzigen Zürcher Produktion (hier) oder der Mannheimer Uraufführung (hier) bemerkenswert fachkundig nachlesen.

Rihms Anspruch ist, wenn auch 30 Jahre alt, keineswegs von gestern. In seinem manifestartigen Text Über Musiktheater spricht er 1986 von der «rituellen Energie», die aus der Musik selber hervorzurufen sei. Das neue Musiktheater habe «Ereignis-Charakter». Eindeutige Charaktere und eine schlüssige Handlung seien heutzutage Sache des Kinos; «der an die Rampe tretende Gesangsstar wird höchstens noch als perverses Zitat vorkommen.» Stattdessen brauche es «Sprach-, Gesangs- und Schreifähigkeit» aller gleichwertig an der Aktion Beteiligter. «Keine Auf- und Abtritte von Meinungsträgern, sondern Bild und Ruf, Anrufungen, Zeichen, Traumlogik.»

Schlagzeug-Bombardement

In der Hamletmaschine setzt diesen Anspruch das so brillante wie lautstarke Orchester Philharmonia Zürich um, angetrieben von Dirigent Gabriel Feltz und von sechs Schlagzeugern links und rechts in den Logen sowie vorn im Bühnen-Schiffsrumpf. Sie peitschen Solisten und Chor vor sich her, allen voran Bariton Scott Hendricks als Hamlet III und Nicola Beller Carbone in der Rolle der Ophelia-Ulrike. Der Sänger Hamlet hat dabei stets zwei nicht minder virtuose Hamlet-Sprecher um sich (Anne Ratte-Polle und Matthias Reichwald) – alle drei gleichen Heiner Müller auf Haar und Glatze.

Verdreifacht wie sie wirkt die wütende Energie insgesamt, die auf der Bühne und im Orchestergraben herrscht. Überdeutlich sind die Gesten, heftig bis fast zum Überdruss das optische und akustische Dauer-Fortissimo. Daneben zeichnet die Inszenierung aber auch ein sarkastischer Witz aus. Marx, Lenin und Mao kommen als überdimensionierte Fasnachtsköpfe daher, Andy Warhol ist ein Popclown, und die Männer überhaupt in diesem Stück: Mörder und Verlierer.

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Im Schlussakt sind sie wegkomponiert, es bleibt eine allerdings nicht minder hoffnungslose Frauenperspektive übrig, verkörpert durch die Rächerin Ophelia-Elektra und das Plakatbild der US-Mörderin Susan Atkins an der Wand. «Hier spricht Elektra. Im Herzen der Finsternis. Unter der Sonne der Folter. An die Metropolen der Welt. Im Namen der Opfer. Ich nehme die Welt zurück, die ich geboren habe.» Es ist eine schneidende, oktavensprengende Hassschmerz-Musik, die Rihm der Sängerin in den Mund legt, während die Opern-Titanic untergeht.

Letzte Aufführungen der Hamletmaschine: 7. und 14. Februar 14 Uhr, 11. Februar 20 Uhr, Opernhaus Zürich.

«Eine Art dunkles oder helles Fest»

Die Zürcher Hamletmaschine ist Musiktheater an der Grenze zur Überforderung – thematisch wie akustisch. Aber die geschichtsgesättigte Zumutung, der Trip nach Zürich lohnt sich trotz saftiger Ticketpreise – auch als Alternative zur st.gallischen Opernästhetik, die eher dem 19. und frühen 20. Jahrhundert frönt. Und damit jener Arienseligkeit, die den zornigen Herren Müller und Rihm ein Ärgernis war. «Kein neues Theater mit alten Stücken», dekretierte Müller. Und: Theater müsse sich verstehen «als das Besondere – jenseits von Belehrung und historizistischer Museumskunst», heisst es in Rihms Manifest. «Eine Art dunkles oder helles Fest. Aber ein Fest.»

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Konsumrausch mit Andy Warhol, 3. Akt

Uraufführungen in St.Gallen

Zeitgenössische Klassik gibt es diese Woche auch in St.Gallen: In der Tonhalle wird heute Donnerstagabend die Komposition Rauhnächte von Paul Giger uraufgeführt, zusammen mit dem Tripelkonzert von Beethoven und Schumanns Sinfonie Nr 3. Es handelt sich um ein Auftragswerk des Orchesters im Rahmen der mehrjährigen Kompositionsförder-Plattform Oeuvres suisses. Vor Jahresfrist war es Alfons Karl Zwickers Stück Unter dem Grabhügel, jetzt ist Giger an der Reihe, die dritte im Bunde wird 2017 die Komponistin Helena Winkelman sein. Und dannzumal, im Mai 2017, plant auch das Theater St.Gallen eine zeitgenössische Oper, sogar ein Auftragswerk: David Philip Hefti komponiert Annas Maske.

 

 

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

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Von  Philipp Bürkler
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Von  Eva Bachmann
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Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
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Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
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Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
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FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
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Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
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Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
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Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

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Von  Jeremias Heppeler
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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
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