«Mit jedem Schritt riskieren die Tänzer*innen Kopf und Kragen und suchen dennoch unermüdlich ihren Weg durch das Geschehen.» Der Satz klingt wie vom Berufsberater, als Kurzcharakteristik für künstlerische Berufe überhaupt – immer auf der existentiellen Kippe, trotzdem immer an der Arbeit und auf dem Weg…
Der Satz steht aber ganz woanders: in der Ankündigung des Tanzstücks Wonderful World, das am Theater St.Gallen Ende April 2022 uraufgeführt wird. Spielort wird die Lokremise St.Gallen sein, Spielfläche ein instabiler Bühnenboden, der auf alle Seiten kippen kann. Die Choreographie teilen sich der St.Galler Tanzchef Kinsun Chan und der Choreograf und Zirkuskünstler Martin Zimmermann.
Kinsun Chan und Martin Zimmermann. (Bild: pd)
St.Gallen hat mit dem Projekt, das im Rahmen des Festivals Steps entsteht, eine gute Nase gehabt – denn Zimmermann erhält jetzt den Grand Prix Theater, die höchste Theaterauszeichnung der Schweiz, wie das Bundesamt für Kultur diesen Donnerstag mitgeteilt hat.
«Tragikomisches Universum»
Martin Zimmermann, geboren 1970, aufgewachsen in Wildberg ZH, schloss nach einer Lehre als Dekorationsgestalter in Zürich 1995 eine Ausbildung an der Hochschule Centre National des Arts du Cirque (CNAC) in Paris ab. Zimmermann erfinde seit über 20 Jahren «ein visuelles Theater, das in kaum eine Schublade passt», schreibt die Jury. «Martin Zimmermann entwickelt skurrile Bühnenwelten und inszeniert darin seine fragilen Figuren und bizarren Objekte. Wenn er nicht selbst mitspielt, lässt er seine Tänzerinnen, Schauspieler und Artistinnen zu Komplizen seines tragikomischen Universums werden.» Im August hatte Zimmermanns jüngstes Werk Danse Macabre Premiere am Zürcher Theater Spektakel.
Der Schweizer Grand Prix Darstellende Künste wird dieses Jahr erstmals unter diesem Titel verliehen. Er setzt die Tradition des seit 1957 von der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur (SGTK) verliehenen Hans-Reinhart-Rings fort und ehrt eine Persönlichkeit oder Institution. Die Preissumme beträgt 100’000 Franken.
Ehre für Stahlbergers «eigenwilligen Stil»
Ausserdem werden zwei Tanzpreise, sechs Theaterpreise, ein interdisziplinärer Preis, zwei Produktionspreise sowie ein Newcomer Prize an Personen oder Institutionen vergeben. Die beiden eidgenössischen Jurys für Tanz und Theater setzen mit ihrer diesjährigen Auswahl gemäss dem Bundesamt für Kultur «auf eine aktuelle Generation von Kunstschaffenden im mittleren Lebensalter, die Hartnäckigkeit beweisen und damit eine wichtige Rolle in der aktuellen Situation und für die Zeit nach der Covid-Krise haben».
Dazu gehört auch der St.Galler Kabarettist, Musiker und Zeichner Manuel Stahlberger. Im Rahmen der Schweizer Theaterpreise war er bereits 2016 für den Schweizer Kleinkunstpreis nominiert gewesen. «Sein eigenwilliger Stil zeichnet sich durch eine feine und einfallsreiche Gesellschaftskritik aus», schreibt die Jury der Theaterpreise.
Manuel Stahlberger. (Bild: BAK/Charlotte Krieger)
Stahlberger, Erfinder und langjähriger Zeichner der Saiten-Figur Herr Mäder, tourt aktuell mit seinem Soloprogramm Eigener Schatten; in der Region tritt er am 11. September am Neustart-Festival auf, am 17. September im Rathaus Lichtensteig.
Die weiteren Preise im Betrag von jeweils 40’000 Franken erhalten Nicole Seiler, das Ballet Junior de Genève, die beiden Urban Dance Festivals Groove’N’Move und Breakthrough, Mathieu Bertholet, Tanya Beyeler, fleischlin/meser, Joël Maillard und Antje Schupp. Zudem werden die Theaterproduktionen LUMEN von Jasmine Morand und Der Mensch erscheint im Holozän von Alexander Giesche und Mirjam Gurtner ausgezeichnet.
Verleihung im neuen Théâtre du Jura
Ab diesem Jahr werden die Theater- und Tanzpreise unter dem Titel Schweizer Preise Darstellende Künste zusammengeführt und jährlich im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung verliehen. Die Preisverleihung findet dieses Jahr im neuen Théâtre du Jura in Delémont statt. Das Theater mit 450 Plätzen wird am 8. Oktober offiziell eröffnet. Die Preisverleihung wird auch auf den Websites schweizerkulturpreise.ch/remiseprixscene, arttv.ch und spectyou.com gestreamt.
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
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Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
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Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
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Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
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