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«Pure Lebensfreude!»

Endlich: Fussball wird vom Gentlemen- zu einem Lady-Sport! Ein Kommentar von Toni Saller
Von  Gastbeitrag
1970 wurde die Schweizerische Damen-Fussball-Liga gegründet. (Bild: SFV)

Schon nach wenigen Spielen der Women’s Euro England wird klar: Der Frauenfussball ist dem Männerfussball weit überlegen. Dass ich diese EM regelmässig schaue, war gar nicht geplant, da ich Sportübertragungen im Fernsehen grundsätzlich meide. Doch das Eröffnungsspiel England – Österreich hat mir dermassen gut gefallen, dass ich dabei blieb und bleibe.

Das letzte Männerspiel, das ich mit Kollegen im Zürcher El Lokal gesehen habe, war der Champions League-Final zwischen Real Madrid und Liverpool. Kein sehr gutes Spiel, und wieder einmal hat die falsche Mannschaft gewonnen.

Damit sind wir schon beim ersten Pluspunkt für die Frauenspiele: Da gibt es keine Falschen! Der Nationalismus und die vorweggenommene Parteinahme scheinen wie ausgeblendet. Die so sich ausbreitende Ruhe und Entspannung ist ein wohltuender Unterschied zu dem geradezu unanständigen Ehrgeiz und der permanenten Aggressivität, mit dem der Sieg bei den Männern jeweils erzwungen werden muss. Das ist in keiner Weise despektierlich gemeint, sondern rundum positiv.

Ebenso positiv empfinde ich die wie automatisch aufkommenden Sympathien für die Mannschaft, die in Rückstand liegt und das damit verbundene Gefühl, dass man niemanden verlieren sehen will. Das sind exakt die Tugenden eines ursprünglichen Sportgedankens.

FIFA: Wo das Wort eines Mannes noch etwas gilt

Dass das Urteil im Blatter-Platini Prozess gerade jetzt gefallen ist, passt gut zum Prozess des «Abwirtschaftens», in dem sich der Männerfussball befindet. Auch wenn die Freisprüche zunächst nur und zurecht als Höhepunkt einer beinahe surrealen Vorstellung eines riesigen Debakels für die Schweizer Bundesanwaltschaft kommentiert werden. Doch schliesst das eine das andere aus? Nein.

Die Beschuldigten sind frei, ok, das bringt nachvollziehbare Erleichterung für zwei arg gebeutelte, ehemalige Lichtgestalten des Fussballs, doch glaubwürdiger sind dadurch weder die zwei noch der Fussball insgesamt geworden. Nie habe ich auch nur ein Wort darüber gehört, um was für Beratungen es bei Platinis Leistungen gegenüber Blatter gehandelt hat. Hat er Blatter einige Gourmet-Tempel in Paris empfohlen? Oder war es eine Liste von Nummernkonten in Singapur, über die ein FIFA Präsident verfügen sollte?

Wie dem auch sei, die Botschaft des Schweizer Bundesstrafgerichts aus Bellinzona sollte wohl sein: Fussball ist und bleibt ein Gentlemen-Sport, bei dem das Wort eines Mannes noch etwas gilt.

Nur nebenbei: Woher stammen die zwei Millionen, die die FIFA für die oben fantasierten Beratungsleistungen ausgegeben hat? Aus ihrem Geschäft mit dem Fussball, aus den Fernsehrechten zum Beispiel, die die Anstalten für die Übertragung der FIFA-Spiele berappen müssen.

Dafür zahlen auch die öffentlich-rechtlichen wie die SRG, bei der wir ja gerne unsere jährlichen, ehemals als «Billag» bekannten Gebühren, bezahlen, um journalistische Qualität zu bewahren. Die Öffentlichkeit und somit wir Steuerzahler:innen haben demnach die zwei Millionen aufgebracht. Darum sollten wir auch detailliert über die konkreten Leistungen, die Platini dafür erbracht hat, unterrichtet werden. Mal schauen, ob sich die SVP empört…

Frauenfussball: Keine Mätzchen

Aus Schweizer Sicht ein weiterer Pluspunkt für den Frauenfussball an dieser Euro: Es kommentieren weder Sascha Ruefer noch Rainer Salzgeber, der glücklicherweise mit Jassen beschäftigt ist. Wobei, halt: Unglücklicherweise hat sich Ruefer beim Spiel Deutschland – Spanien doch noch dazugeschaltet. Hoffen wir, es bleibt bei diesem einen Mal.

Der Hauptpunkt allerdings, wieso die Frauenspiele mir so gefallen: Keine Mätzchen! Wir sehen Begeisterung und Fairness, dafür wenig Gehässiges oder gar Bösartiges. Auch keine unsympathischen oder eingebildeten Spielerinnen mit theatralischen Einlagen zur Selbstinszenierung. Alles wie gesagt Tugenden, für die der Fussball stehen sollte und vor langer Zeit auch einmal stand.

Woran das liegt, ist schwer zu sagen. Vielleicht daran, dass der Frauenfussball noch nicht so populär ist und so gigantische Einschaltquoten bringt wie bei den Männern. Vor der Europameisterinnenschaft war es ein grosses Thema, dass die Gehälter im Frauenfussball nur einen Bruchteil so hoch sind wie jene im Männerfussball. Immerhin sind die Prämien an der Euro angeglichen worden.

Doch bevor man die fehlende Kommerzialisierung des Frauenfussballs beklagt, könnte man sich überlegen, ob er vielleicht nicht gerade darum so attraktiv und sehenswert ist. Statt die Frauenlöhne auf die absurden Höhen der Herren hinaufzuschrauben und damit Grössenwahn, Korruption, Ungleichheit und bösartigem Spiel Tür und Tor zu öffnen, sollte man fordern, dass sich die Löhne der Männer auf ein «gesundes» Mass reduzieren. Weniger wäre mehr. Aber so etwas zu sagen, ist ja im Kapitalismus Blasphemie…

Anders als die Männer: Frau traut sich was

Positiv und ein Genuss war bereits die Fussball-Weltmeisterschaft der Frauen 2019 in Frankreich. Vor allem weil sich die couragierten Spielerinnen der USA nicht von einem primitiven Nationalismus einspannen liessen und sich nach ihrem Sieg weigerten, Trump die Hand zu schütteln.

Das letzte Mal, dass sich das bei den Männern eine Mannschaft erlaubt hat? Die Holländer an der WM 1978 in Argentinien. Damals verweigerten sie dem Militärdiktator und Massenmörder Videla den Handschlag für die Silbermedaille. Lange ist es her.

Das Positivste zum Thema Fussball geschah vor wenigen Monaten: Nach der Machtübernahme der Taliban ist ein ganzes Frauenteam aus Afghanistan nach England geflüchtet, wo die Spielerinnen nun in der Profiliga Fuss zu fassen hoffen. Fussball als Befreiung. In einem Interview sagte eine Spielerin auf die Frage, was ihr der Fussball bedeute: «Pure Lebensfreude!»

Toni Saller, 1956, hat vor 40 Jahren als Fussball-Ethnologe die Weltmeisterschaft in Argentinien besucht. Seine Erinnerungen daran sind im Juniheft 2018 von Saiten zu lesen.

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2

Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

Von  Veronika Fischer
Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

Von  Andi Giger
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Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
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Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
Offizielles bild stadtrat 2021 Bild PD Ueli Steinbgruber

Ein Tau­mel von Grün

Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
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In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
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«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
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Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
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Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
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FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
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Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi