Wo beginnt die virtuelle Welt, und wo hört sie auf? Ist sie möglicherweise die einzige, die uns allen gehört? Oder hat auch sie ihre Grenzen? Mit Videospielen jedenfalls ist es ähnlich wie mit anderen vermeintlich fremden Kulturen: Für einige sind sie eine Bedrohung, für andere eine Bereicherung. Mit dem Unterschied, dass sich das Gamen in den letzten mehr als dreissig Jahren zu einer globalen Kultur entwickelt hat.
Über 100 Millionen Menschen sind heute täglich virtuell vernetzt, die Videospiel-Industrie ist die weltweit bedeutendste Branche der Kulturwirtschaft, noch vor Fernsehen oder Kino notabene – GTA 5 beispielsweise hatte drei Tage nach dem Release bereits eine Milliarde Dollar eingespielt – , und mit dem Siegeszug von Tablet, Smartphone und Co. haben sich zusätzlich frische Märkte aufgetan. Videospiele beeinflussten nicht nur eine ganze Generation Kunst- und Kulturschaffender, sondern auch Wissenschaft, Psychologie, Soziologie, Kulturtheorie oder Pädagogik. Doch im Gegensatz zu Museum, Oper oder Rockschuppen gilt diese Form der Kultur nach wie vor in weiten Kreisen als minderwertig oder wird gar nicht erst als «echte Kultur» wahrgenommen – nicht zuletzt auch aufgrund der teilweise vernichtenden Medienberichte, beispielsweise nach Amokläufen.
Dass Vorurteile gegenüber Games mehr in mangelndem Interesse wurzeln als in persönlicher Erfahrung – auch wissenschaftliche Studien gibt es (noch) kaum – soll in diesem Fall verziehen sein. Wer sich aber ernsthaft mit Kultur und deren Zukunft auseinandersetzen will, kommt nicht darum herum, das Thema gamen differenzierter zu betrachten. Zum Einstieg (oder auch für Fortgeschrittene) beleuchtet Saiten deshalb einige Nischen – viel mehr wäre auf achtzehn Seiten auch gar nicht möglich – dieses weitverzweigten Universums: Luca Ghiselli hat Geeks in ihrer natürlichen Umgebung getroffen, Robin Fürst erklärt, warum Games für ihn Kultur sind, Rolf Bossart nimmt eine kritischere Perspektive ein. Corinne Riedener hinterfragt die virtuellen und realen Rollenbilder, Andrea Kessler berichtet vom Wert der Games in Bildung und Arbeitswelt, Katharina Flieger erforscht die virtuose Ästhetik dieser jungen und gleichzeitig fast schon wieder «alten» Welt. Und zur Orientierung sind in einem Glossar die wichtigsten Begriffe zusammengefasst.
Ausserdem: Die Fortsetzung der Museumsdebatte – Peter Müller reagiert auf Wolfgang Steigers Reportage zur postkolonialen Museumspraxis im letzten Heft und fragt kritisch nach. Eva Bachmann liefert einen Ausblick auf die Leipziger Literaturtage und die dort vertretenen Ostschweizer Stimmen – passend zum Bücherfrühling: zwei Vorabdrucke. Und schliesslich, quer durchs Heft, Ärger über die Masseneinwanderungsinitiative.
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DER INHALT:
PositionenBlickwinkel von Michael BodenmannRedeplatz mit Sonja WiesmannEinspruch von Marcus Schäfer und Tine EdelStadtlärm von Andreas KneubühlerDampfablassen
Gamezone
Das Leben ist ein QuestVier Gamer sprechen über die Alltagsdroge ihrer Generation: Videospiele.von Luca Ghiselli
Unterschiede und Über-MenschenMänner sind Helden, Frauen der Grund: virtuelle und reale Rollenbilder.von Corinne Riedener
Pixel ForeverÜber die ästhetische Entwicklung von Videospielen.von Katharina Flieger
Spielend lernt es sich am bestenSerious Games verpacken Wissen in Spielevon Andrea Kessler
Kreativität und Sucht in der GamezoneJunkie- und Künstlerfiguren im Digitalen Zeitalter.von Rolf Bossart
Die grosse ChanceWarum Videospiele Kunst sind.von Robin Fürst
PerspektivenFlaschenpost. Sofias Uni in Aufruhr. von Sarah SchmalzAppenzell ARRheintalWinterthurToggenburgStimmrecht von Gyatso Drongpatsang
Kultur
Museumsdebatte: Auf der Suche nach dem «kolonialen St.Gallen».von Peter Müller
Fabian Degen zeichnet den März-Comic.
Holzbank mit Aussicht: Die Ostschweiz an der Buchmesse Leipzig.von Eva Bachmann
Der Grenzübergang lag verlassen da. Vorabdruck von Schlafgänger.von Dorothee Elmiger
Musik: Ein Luzerner Bildungsreisli nach St.Gallen.von Stoph Ruckli
Kunst: Alte Kästen neu besichtigt.von Peter Surber
Artist in Residencevon Georg Gatsas
NachrufeStef Schwald, Conny Baumann
Weiss auf Schwarzein Paket für Herrn Assangeder !Mediengruppe Bitnik.
AbgesangKellers GeschichtenBureau ElmigerCharles Pfahlbauer jr.Boulevard
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium