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Saiten im Mai: das gerechte Leben

Faire Kleider, der Labeldschungel und das Leben mit F.: Eine Spurensuche in der Ostschweiz und im Rest der Welt. Ausserdem: Mindestlöhne. Abschiede. Und das grosse Grabenhallen-Gespräch.
Von  Redaktion Saiten

«Think global, act local» stösst zunehmend an Grenzen. Mode zum Beispiel: verspricht Individualität und ist Massengeschäft, global und brutal. Es gibt keinen «Pulli vodä Region für d’Region» (ausser er wäre handgestrickt mit selbstgeschorener Wolle vom Nachbarschaf).

Weltweit beschäftigt die Textilindustrie heute über 30 Millionen Menschen. 52 Stunden pro Tag, sagt die Erklärung von Bern, müsste eine Näherin in Bangladesch theoretisch arbeiten für den landesüblichen Existenzlohn. Unter welchen Bedingungen? «In Bangladesch stürzte eine Textilfabrik ein, 16 Frauen fanden den Tod, etwa 50 wurden schwer verletzt. Meine Suppe ist bald zu Ende, ich steche mit einem Kartoffelgäbelchen eine Bio-Olive an», schreibt Franz Hohler am Ende eines ganz normalen Tages 2008.

Am 24. April 2014 war es genau 365 Tage her, seit das Rana Plaza-Gebäude in Dhaka eingestürzt ist. Fünf Textilfabriken hatten sich darin befunden, 1138 Menschen sind gestorben. Fassungslos blickte die Welt für einige Wochen nach Bangladesch, dann kamen die ersehnten Frühlingskollektionen. Hohler sang bereits 1987 über Friedrich, den Gerechten:

«Von jetzt an gings dem Friedrich immer schlechter,
denn nun wurde er von Tag zu Tag gerechter.
Er merkte bald, dass seine Hosen nur deshalb so billig waren,
weil die Webereien einfach an den Fremdarbeitern sparen,
und das Leder seiner Schuhe war aus jenem fernen Land,
in dem der Kriegsverbrecher Haas so viele Freunde wiederfand,
doch was ein Neger erst als Baumwollpflücker kriegt, das ist Betrug!
Das dachte er, als er bemerkte, dass er Baumwollwäsche trug.
Er zog sich aus bis auf die Haut,
mied jedes Haus und sagte laut,
es ist mir gleich, ich werd nicht weich, ich mache mit dem Unrecht keinen Pakt!
Und er war nackt».

Nahezu nackt wären auch wir, würden die hiesigen Geschäfte alle respektlos produzierten Kleider aus ihrem Sortiment streichen. Nachzulesen ist das ab Seite 16. Man könnte statt neu kaufen auch feilschen und stöbern: Cathrin Caprez hat den Flohmarkt erkundet. Dazu eine Service-Saite aus erster und zweiter Hand, ein Quasi-Posti-Zettel, zusammengestellt mit fachkundiger Hilfe von Maja Dörig. Bio, Fairtrade oder wie? Bettina Dyttrich sorgt für Transparenz. Urs Fitze durchleuchtet ein weiteres global-brutales Geschäft, die Elektronikindustrie, und Monika Slamanig hinterfragt schliesslich «her own fair Leben» und die Kompromisse, die es fordert.

Existenzlöhne werden auch hier gefordert, 4000 Franken solls geben künftig, das Mindeste für Herr und Frau Schweizer. Das regt, im Monat der Arbeit, auch Saiten zum Denken an. Ausserdem: zwei traurige Abschiede, viel kommende Kultur, das Gespräch zum Dreissigsten der Grabenhalle und ein zünftiger «Chlapf»: Comic-Ass David Boller präsentiert seine Tell-in-St.Gall- Vision.

Corinne Riedener

 

DER INHALT:

Reaktionen

Positionen
Blickwinkel von Michael Bodenmann
Redeplatz mit Dominik Dietrich
Einspruch von Thomas Schwager
Stadtpunkt von Dani Fels
Tag der Arbeit, dreifach

Fairy Tales
Die wahren Modeopfer
Auf der Suche nach verantwortungsvoller Mode in St.Gallens Geschäften.
von Corinne Riedener

«Gewerkschaft heisst das, oder?»
Auf Schulbesuch in einem Workshop der Erklärung von Bern (EvB)
von Corinne Riedener

Kleider mit Charakter
Mit Secondhand der Wegwerfgesellschaft ein Schnippchen schlagen.
von Cathrin Caprez

Die Service-Saite
zusammengestellt von Maja Dörig und Corinne Riedener

Labels ersetzen das Denken nicht
Eine Gebrauchsanweisung.
von Bettina Dyttrich

Alles andere als smart
Das FairPhone ist auch nicht wirklich fair.
von Urs Fitze

My Fair Leben
Eine Selbstbetrachtung.
von Monika Slamanig

Perspektiven
Flaschenpost: Tel Aviv und sein Wappentier von Marco Kamber
Toggenburg
Rheintal
Winterthur
Appenzell
Stimmrecht von Leyla Kanyare

Kultur
Erinnerung an Peter Liechti.
von Verena Schoch

Nachruf auf Urs Tremp.
von Adrian Riklin

David Boller zeichnet den Mai-Comic.

Musik: Von Island bis Henderland.
von David Nägeli

Theater: Die Cie Buffpapier spielt Egon in der Grabenhalle.
von Peter Surber

Grabenhalle: Die Vielfalt ist keine gerade Linie.
von Johannes Stieger und Peer Füglistaller

Geschichte: Die koloniale Karriere des August Künzler.
von Harry Rosenbaum

Kino: Eine lange Nacht der Kurzfilme. Die Tour macht Halt in der Ostschweiz.
von Katharina Flieger

Literatur: Erica Engelers neuer Roman Vom Verschwinden.
von Eva Bachmann

Artist in Residence von Georg Gatsas

Weiss auf Schwarz

Abgesang
Kellers Geschichten
Bureau Elmiger
Charles Pfahlbauer jr.
Boulevard

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
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Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40