Ohne Berichterstattung bleibt das Kulturschaffen unsichtbar. Es fehlt an Einordnung und öffentlicher Resonanz. Und Kultur, die nicht verhandelt wird, kann auch keine Wirkung entfalten – egal, wie sehr sie gefördert wird. Viele Medienhäuser haben in den letzten Jahren ihre Kulturberichterstattung massiv heruntergefahren. Die Kulturredaktionen wurden laufend ausgedünnt oder die Feuilletons thematisch so erweitert, dass die eigentliche Kulturberichterstattung kaum mehr Platz findet. Eine Konsequenz dieser Entwicklung: Die Sichtbarkeit der Kultur leidet enorm, obwohl sie bis in die hinterletzten Ecken und Weiler wuselt. «Wenn wir in den Medien nicht vorkommen, finden wir auch nicht statt», ist längst ein Bonmot in der Kulturszene.
Das bereitet uns seit längerem Sorgen, darum wollen wir das Problem der verkümmernden Kulturberichterstattung in unserem Jubeljahr auf mehreren Ebenen angehen. Auf institutioneller Ebene mit einem Ausbau und auf fachlicher und gesellschaftlicher Ebene mit einem Kongress.
Wir sind überzeugt, dass Kultur und Kulturschaffende eine grössere Plattform brauchen. Diese Plattform wollen wir ihnen geben in der Ostschweiz – in grösserem Umfang als Saiten das bereits seit 30 Jahren tut. Wir möchten künftig mehr Theaterbesprechungen, mehr Ausstellungsvorschauen, mehr Konzertrezensionen, mehr Nähe zu Kunstschaffenden. Und zwar aus allen Teilen der Ostschweiz. Darum wollen wir einen wöchentlichen Kulturnewsletter aufbauen, der redaktionelle Inhalte mit Veranstaltungshinweisen kombiniert – und dafür braucht Saiten eine vierte Redaktionsstelle.
Um diese Stelle samt Kulturnewsletter ab Anfang 2025 zu finanzieren, starten wir Mitte August ein Crowdfunding. 130’000 Franken insgesamt wollen wir sammeln, ein Teil davon kommt von Stiftungen und Partner:innen. Weitere rund 150’000 Franken steuert Saiten – mit Eigenleistungen und Werbeeinahmen – selber bei. Damit ist das Projekt und die zusätzliche Stelle in den ersten drei Jahren finanziert, ab dann soll sie möglichst selbsttragend sein. Diesen Kulturnewsletter und die damit verbundene vierte Redaktionsstelle, die sich ausschliesslich um Kulturthemen kümmert, wünschen wir uns zum 30. Geburtstag. Es ist ein Geschenk, das ihr uns machen könnt – und das wir letztlich euch allen zurückgeben möchten.
Wir wollen aber nicht nur machen, wir wollen auch reden über Kulturberichterstattung, darum veranstalten wir am 21. September im Raum für Literatur in der Hauptpost St.Gallen den «grossen Saiten-Kongress zum Kulturjournalismus der Zukunft». Dieser richtet sich nicht nur an Berufsleute, sondern auch an Kulturschaffende, Veranstalter:innen und das geneigte Publikum, also an euch, liebe Leser:innen.
Der Kongress beginnt um 15 Uhr mit einer Präsentation der neuen Kalenderkooperation «Minasa». Ab September stellt Saiten schrittweise auf das neue System um. Die Präsentation, bei der man viel Nützliches über die vielfältigen Möglichkeiten erfährt, richtet sich in erster Linie an Kulturveranstalter:innen, ist aber auch offen für die interessierte Öffentlichkeit.
Um 16 Uhr folgen zwei Panels: ein Fachgespräch von und für Kulturjournalist:innen und ein Workshop, wo das Publikum seine Erwartungen an den Kulturjournalismus der Zukunft diskutiert. Am Fachgespräch nehmen Susanne Kübler (Dozentin MAZ Kulturjournalismus, Tonhalle Zürich, ehemals Tages-Anzeiger), Robyn Muffler oder Giulia Bernardi (Co-Redaktion Kulturmagazin 041) und weitere Gäste teil, Corinne Riedener leitet das Gespräch. Den Publikumsworkshop moderiert Thomas Weber.
Auf den Apéro Riche von Luzia vom Speck-Catering um 18 Uhr folgt um 19 Uhr das grosse Schlusspodium zur Zukunft des Kulturjournalismus. Es diskutieren Min Li Marti (Nationalrätin, Verlegerin PS, Verband Medien mit Zukunft), Guy Krneta (Schriftsteller, Vorstandsmitglied ch-interculture – Verein für Kulturkritik), Lisa Fuchs (Leiterin ad interim Fachstelle Kultur Kanton Zürich), Frank Heer (Journalist, Kulturredaktor NZZ am Sonntag). Eric Facon leitet das Podium.
Und schliesslich wollen wir auch noch etwas feiern, immerhin ist Saiten im April 30 geworden. Die grosse Jubiläumsparty steigt ab 21 Uhr im Palace St.Gallen. Es spielen Billie Bird, Mamba Bites, The Robots sowie die DJs Nat & Ladybruce. Also: markiert euch den 21. September fett in eurer Agenda.
Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.
Die St.Galler Festspiel-Oper spielt dieses Jahr im Haus statt auf dem Klosterplatz – ein Glücksfall für Verdis Aida, die menschlich und musikalisch in die Tiefe geht. Modestas Pitrenas dirigiert ein letztes Mal, Ben Baur inszeniert bildstark.
Im Werk 2 in Arbon dreht sich derzeit alles um Mythen. «Sehnsucht Mythos. Wie Geschichten unsere Welt gestalten» ist eine ästhetische Ausstellung, die mit ihrem sehr breiten Mythosbegriff arbeitet und vielfältige Geschichten unter einem Dach vereint.
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative