Spektakulär unterlegen

Das Siegerprojekt für die künftige Bibliothek auf dem heutigen St.Galler Blumenmarkt zeigt sich mit einer eher konventionellen Fassade. Seine Stärken liegen im Innern. Andere Projekte haben auffälligere Lösungen vorgeschlagen – ein Bilderbogen.
Von  René Hornung
Das Projekt von Buchner Bründler. (Bilder: René Hornung)

Am Mittwoch haben Kanton und Stadt die Katze aus dem Sack gelassen: das Resultat des Wettbewerbs für den Neubau der künftigen Hauptstadt-Bibliothek, als Ersatz für das heutige Provisorium in der Hauptpost.

Gewonnen hat das Projekt Doppeldecker des Architekturbüros Staab aus Berlin. Es hat nun den Auftrag, Konstruktion und Fassade zu überarbeiten.

Das Siegerprojekt von Staab Architekten.

Nachstehend eine Auswahl aus den unterlegenen Projekten mit zum Teil spektakulären Eingriffen in das Stadtbild.

Vorsicht: Der Bilderbogen der Fassaden ist zwar optisch reizvoll, aber er ist auch trügerisch, denn was sich nach aussen auffallend präsentiert, funktioniert im Innern nicht immer für eine Publikumsbibliothek, die weit mehr anbieten will als die Bücherausleihe. Sie soll auch Treffpunkt, Lernort oder Veranstaltungsort sein.

Drei St.Galler Büros haben Vorschläge eingereicht:

Andy Senn würde mit einem filigran wirkenden Turm das Gesicht des Markplatzes markant verändern.

Barão Hutter, die die Details des Innenausbaus der Bibliothek Hauptpost verantworten, schlagen einen aus Holz konstruierten Turm vor.

Stefan Flühler, als junges Büro zum Wettbewerb eingeladen, zeigt nur ein Oberlicht auf dem Blumenmarkt. Er schlägt – wie auch weitere Eingaben – eine unterirdische Lösung vor.

Drei Wettbewerbsbeiträge stammen von auswärtigen Büros, die allerdings einen engen Bezug zur Stadt St.Gallen haben:

Max Dudler, aufgewachsen in Altenrhein, hat mehrere Bibliotheken in Deutschland entworfen und realisiert und hätte gerne endlich auch einmal «zu Hause» bauen wollen. Sein Projekt landete auf Platz fünf.

Vom Basler Büro Jessen Vollenweider stammt der neue Teil des Verwaltungsgebäudes am Oberen Graben, und Anna Jessen leitet die Architekturwerkstatt der Fachhochschule. Sie kennt inzwischen St.Gallen sehr genau.

Giuliani Hönger Architekten haben den Turm der Fachhochschule gebaut und den Bahnhofplatz neu gestaltet. Das wäre der Vorschlag der Zürcher für die neue Bibliothek.

Einige Beiträge fallen durch ihre expressiven Fassaden auf. Im Gegensatz zum prämierten Projekt nehmen sie wenig Rücksicht auf die Umgebung. Doch: Als das Union Anfang der 1950er-Jahre gebaut wurde, war es auch völlig fremd im Stadtgefüge.

Warum nicht an die 1950er-Jahre anknüpfen haben sich Christ & Gantenbein, Basel, gefragt. Von ihnen stammt unter anderem der Anbau ans Landesmuseum Zürich und der Neubau des Kunstmuseums Basel.

Die Bregenzer Architekten Cukrowicz Nachbaur kennt man vom Vorarlberg Museum mit der Relieffassade aus Pet-Flaschenböden. Sie entwerfen ein Dach wie ein Buch.

Gigon Guyer Architekten aus Zürich haben den Prime Tower, aber auch das Würth-Haus gegenüber dem Rorschacher Bahnhof gebaut. Ihre Bibliothek hätte eine grün gefleckte Fassade.

Hat das Basler Architekturbüro Buchner Bründler die wuchtigen Betonbauten von Stadttheater oder Universität zum Vorbild genommen?

Aebi & Vincent Architekten aus Bern schliesslich scheinen vom Silberturm inspiriert worden zu sein.

Alle Projekte sind bis zum 3. Juli im 3. Stock der Hauptpost ausgestellt – Eingang Gutenbergstrasse. Mo-Fr 16–19 Uhr, Sa 10–15 Uhr.

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K. Fritsche Stadelmann Architektin,  

Schön zeigen soviele namhafte Architekten auf, dass ein Bibliotheksneu hier am falschen Ort zu stehen kommt. Das Union Gebäude ein schöner und für seine Zeit kühner Zeitzeuge im Stadtbild, ein feiner städtebaulicher Wurf mit klarer Raumbildung und Massstäblichkeit und was heute...... überdimensionierte Bausauce + verunklärende Anhängsel ans Uniongebäude + ein Restraumgewirr, ........ nur Platz 3 für die innovativen Projekte mit UG Bibliotheken für einen freigespielten Raum zum Markplatz hin und den würdigen Erhalt des Uniongebäudes.........

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Heftvorschau 05/26
Wiborada, Amerikanisch träumen

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Pu­re Zeit­ver­schwen­dung oder end­lich mal ei­ne Pau­se im durch­ge­tak­te­ten Rhyth­mus der Ta­ge? Drei Per­for­mer:in­nen nä­hern sich dem Phä­no­men des War­tens künst­le­risch-wis­sen­schaft­lich an.

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