Am Mittwoch haben Kanton und Stadt die Katze aus dem Sack gelassen: das Resultat des Wettbewerbs für den Neubau der künftigen Hauptstadt-Bibliothek, als Ersatz für das heutige Provisorium in der Hauptpost.
Gewonnen hat das Projekt Doppeldecker des Architekturbüros Staab aus Berlin. Es hat nun den Auftrag, Konstruktion und Fassade zu überarbeiten.
Das Siegerprojekt von Staab Architekten.
Nachstehend eine Auswahl aus den unterlegenen Projekten mit zum Teil spektakulären Eingriffen in das Stadtbild.
Vorsicht: Der Bilderbogen der Fassaden ist zwar optisch reizvoll, aber er ist auch trügerisch, denn was sich nach aussen auffallend präsentiert, funktioniert im Innern nicht immer für eine Publikumsbibliothek, die weit mehr anbieten will als die Bücherausleihe. Sie soll auch Treffpunkt, Lernort oder Veranstaltungsort sein.
Drei St.Galler Büros haben Vorschläge eingereicht:
Andy Senn würde mit einem filigran wirkenden Turm das Gesicht des Markplatzes markant verändern.
Barão Hutter, die die Details des Innenausbaus der Bibliothek Hauptpost verantworten, schlagen einen aus Holz konstruierten Turm vor.
Stefan Flühler, als junges Büro zum Wettbewerb eingeladen, zeigt nur ein Oberlicht auf dem Blumenmarkt. Er schlägt – wie auch weitere Eingaben – eine unterirdische Lösung vor.
Drei Wettbewerbsbeiträge stammen von auswärtigen Büros, die allerdings einen engen Bezug zur Stadt St.Gallen haben:
Max Dudler, aufgewachsen in Altenrhein, hat mehrere Bibliotheken in Deutschland entworfen und realisiert und hätte gerne endlich auch einmal «zu Hause» bauen wollen. Sein Projekt landete auf Platz fünf.
Vom Basler Büro Jessen Vollenweider stammt der neue Teil des Verwaltungsgebäudes am Oberen Graben, und Anna Jessen leitet die Architekturwerkstatt der Fachhochschule. Sie kennt inzwischen St.Gallen sehr genau.
Giuliani Hönger Architekten haben den Turm der Fachhochschule gebaut und den Bahnhofplatz neu gestaltet. Das wäre der Vorschlag der Zürcher für die neue Bibliothek.
Einige Beiträge fallen durch ihre expressiven Fassaden auf. Im Gegensatz zum prämierten Projekt nehmen sie wenig Rücksicht auf die Umgebung. Doch: Als das Union Anfang der 1950er-Jahre gebaut wurde, war es auch völlig fremd im Stadtgefüge.
Warum nicht an die 1950er-Jahre anknüpfen haben sich Christ & Gantenbein, Basel, gefragt. Von ihnen stammt unter anderem der Anbau ans Landesmuseum Zürich und der Neubau des Kunstmuseums Basel.
Die Bregenzer Architekten Cukrowicz Nachbaur kennt man vom Vorarlberg Museum mit der Relieffassade aus Pet-Flaschenböden. Sie entwerfen ein Dach wie ein Buch.
Gigon Guyer Architekten aus Zürich haben den Prime Tower, aber auch das Würth-Haus gegenüber dem Rorschacher Bahnhof gebaut. Ihre Bibliothek hätte eine grün gefleckte Fassade.
Hat das Basler Architekturbüro Buchner Bründler die wuchtigen Betonbauten von Stadttheater oder Universität zum Vorbild genommen?
Aebi & Vincent Architekten aus Bern schliesslich scheinen vom Silberturm inspiriert worden zu sein.
Alle Projekte sind bis zum 3. Juli im 3. Stock der Hauptpost ausgestellt – Eingang Gutenbergstrasse. Mo-Fr 16–19 Uhr, Sa 10–15 Uhr.
Seit zehn Jahren gibt es die Residency in der Bibliothek Andreas Züst im Alpenhof, diesem so schwer zu fassenden Ort in Innerrhoden. Der runde Geburtstag wird nun mit einem vielfältigen Festival gefeiert.
Bevor die Kunsthalle St.Gallen im Dezember wegen Umbauarbeiten voraussichtlich bis April 2027 schliesst, dreht sie nochmals voll auf. In der Ausstellung «House of Change: Pre-Construction-Warm-Up-Galore» präsentiert sie im laufenden Monat ein dichtes, buntes Programm an Kunst und Kultur.
In der Ausstellung «Smile maniacally we’re alive» verbindet Jala Wahid scheinbar getrennte Welten. Sie schlägt darin eine Brücke zwischen Erinnerung, Emotion, Wissenschaft und Politik.
Die erneuten Sparvorschläge der St.Galler Regierung stossen auf breite Ablehnung. Die Kulturszene solidarisiert sich gegen die Abbaupläne. Die Kulturlobby hat sich in Stellung gebracht. Obs hilft?
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.