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Neue Bibliothek – raffiniert im Innern

Die St.Galler Stadt- und Kantonsbibliothek, heute als Provisorium in der Hauptpost untergebracht, soll mitten in der Stadt am Union einen neuen Standort bekommen. Jetzt ist der Architekturwettbewerb entschieden. Ein Berliner Büro gewinnt.
Von  René Hornung
Ansicht des siegreichen Projekts «Doppeldecker» vom Marktplatz her. (Bilder: pd)

Die Jury hat sich für ein von aussen eher konventionell anmutendes Projekt des Berliner Architekturbüros von Volker Staab entschieden. Dieses Büro hat viel Erfahrung mit Ergänzungsbauten zu bestehenden Baudenkmälern und wurde deshalb zum Mitmachen eingeladen. Die Raffinesse der vorgeschlagenen Lösung liegt denn auch im Innern und in der Verbindung zwischen dem Union-Gebäude aus den frühen 1950er-Jahren und dem Neubau.

Damit ist auch klar: Das Union-Gebäude bleibt stehen, dessen Anbau aber wird verschwinden und durch einen – abgerückten – polygonalen Neubau ersetzt, der nicht höher wird als das Union-Gebäude. Die oft gehegte Befürchtung, dass das Raumprogramm zu einem wuchtig hohen Turm führen wird, ist damit auch vom Tisch.

Gut eingefügt

Städtebaulich fügt sich das neue Volumen gut ein, wie die Jury feststellt. Es rückt vom Union-Gebäude etwas ab. Der Marktplatz wiederum bekommt damit einen räumlichen Abschluss und der Haupteingang wird auf dem Niveau des Marktplatzes liegen. Dort wird eine neue grosszügige Wendeltreppe nach oben führen und damit die Architektursprache des Union-Gebäudes mit seiner berühmten Schneckentreppe aufnehmen, die ebenfalls effektvoll inszeniert wird.

Eine Etage höher – auf Niveau des Blumenmarkts – liegt die Verbindung zum Union-Gebäude mit einem Café und öffentlichen Räumen.

Draussen, auf dem heutigen Blumenmarkt, liegt der Bibliotheksplatz, den man wie bisher über eine Treppe vom Marktplatz her und durch den Gebäudedurchbruch bei der Südbar erreichen kann. Der im Vergleich zu heute deutlich kleinere Platz soll teilweise überdeckt werden.

Flexibles Innenleben

Der Neubau nimmt die Geschoss-Niveaus des Altbaus auf und macht das Haus so behindertengerecht. Er ist so konstruiert, dass die Pilzstützen immer zwei Geschosse zusammenfassen und dazwischen Galerien aus Holz eingehängt sind. Sie machen eine flexible Nutzung möglich, können als Arbeitsplätze oder für Bücherregale genutzt oder bei Bedarf umgebaut werden. Diese Galerien sind von der Fassade abgerückt, so dass sich das Haus aussen mit Doppelgeschossen zeigt.

Eine zweite Verbindung zwischen Alt- und Neubau ist unterhalb der Traufhöhe im 3. Obergeschoss geplant. Darüber und auf dem Verbindungsbau soll eine öffentliche Dachterrasse entstehen.

Die Nutzungen im Innern müssen noch in Detail weitergeplant werden. Klar ist, dass im Union-Gebäude aus statischen Gründen nur wenig Bücher gelagert werden, die Freihandbibliothek deshalb im Neubau untergebracht wird. Das Projekt verzichtet auf zusätzliche Kellergeschosse, und der unter dem Blumenmarkt in einem Kanal durchfliessende Irabach muss nicht verlegt werden. Dank der Galerielösungen im Neubau erreicht das Projekt doch die benötige Quadratmeterzahl, und dies ohne hohen Turm.

Das Expressive unterliegt

Andere Projekte schlagen teils expressiven Bauten vor, die an bestehenden St.Galler Gebäude wie den Silberturm oder die Bauten von Heinrich Graf in der Neugasse erinnern. Die Jury, so Kantonsbaumeister Michael Fischer habe sich aber für den eher unauffälligen Entwurf entschieden, weil er «die schwierige Aufgabe, eine grosse öffentlich präsente Nutzung an einem städtebaulich und historisch sensiblen Ort, auf eine raffinierte Art unterbringen kann.»

Klar ist dennoch: Genau so, wie sich das Projekt auf den Renderings präsentiert, wird es schliesslich nicht aussehen. Die Jury verlangt nämlich eine Überarbeitung der Konstruktion, denn Beton/Glas-Gebäude sind wegen ihrer hohen CO2-Belastung in Verruf geraten. Dass sich die Jury dessen bewusst ist, zeigt sich auch an der Wahl des zweiten Preises: ein Projekt, das ausdrücklich auf Nachhaltigkeit fokussiert und eine Holkonstruktion vorschlägt.

Alle 29 Projekte sind bis zum 3. Juli im dritten Stock der Hauptpost ausgestellt.

Und so geht es weiter: Die Stadt wird das bestehende Union-Gebäude von der Helvetia Versicherung kaufen und das Haus und das Grundstück als «Mitgift» einbringen. Die Rede ist von Gesamtkosten von 137 Millionen Franken und einem Kostenteiler 2/3 Kanton, 1/3 Stadt, wobei die Details noch nicht ausgehandelt sind. Wenn alles wie geplant läuft, kommen 2024 die Kredite vors Volk und 2028 oder 2029 könnte dann der Neubau bezogen werden.

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Marcel Baur,  

Bin etwas verwirrt Die Stadt soll das alte Uniongebäude kaufen? Woher kommt diese Aussage René?

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