Wenn es draussen stürmte, schneite oder Katzen hagelte, habe sie sich als «Waldmutter» schon auch mal gefragt: «Muss das wirklich sein? Macht es Sinn, die Kinder am Morgen fünffach einzupacken? Wäre drinnen sein nicht auch ok?» Kristin Schmidt, Mutter zweier Waldkinder und Co-Leiterin der Fachstelle Kultur der Stadt, gab die Antwort an der Vernissage zur Fotoausstellung gleich selber: Ja, trotz manchen Widrigkeiten – es muss sein. Und es bringt viel, den Kindern und auf lange Sicht auch der Gesellschaft.
Was den Wald als Lernort auszeichnet? Für Kristin Schmidt ist er ein Ort für vielfältigste Wahrnehmungsschulungen. Er schärft das Gefühl für Raum, für offenen wie für gebauten; der Boden ist nie eben, statt Wände stehen Bäume da, das Dach besteht aus Blättern, das Spiel- und Lernmaterial lässt der Fantasie freie Bahn, die Dinge rundherum sind lebendig und kindergerecht – anders als die Stühlchen und Tischchen, in welche sich Kinder im «normalen» Kindergarten bereits früh einpassen müssten.
Fotoausstellung 20 Jahre Waldkinder: Lagerhaus Davidstrasse 42, bis 21. Januar (Fr 15-19 Uhr, Sa und So 14-17 Uhr)
waldkinder-sg.ch
20 Jahre nach der St.Galler Pioniergründung habe sich die Naturpädagogik etabliert und sei aus der Bildungslandschaft nicht mehr wegzudenken, sagte Roland Unternährer, der Präsident des Vereins, an der Vernissage. Und zitierte einen prominenten Kämpfer für die Naturpädagogik, den deutschen Autor und Neurologen Gerald Hüther: «In der Natur ist immer viel los». Hüther sieht im Wald den idealen Ort, um Kinder wie Erwachsene dazu zu befähigen, Gestalterin und Gestalter ihres eigenen Lebens zu werden – keine Selbstverständlichkeit in einer sonst weitherum domestizierten und fremdbestimmten Welt. In dieser nämlich spielt ein Kind in der Schweiz gerade noch 47 Minuten pro Tag draussen, davon 29 Minuten selbständig und ohne Aufsicht – das hat eine Studie der Pro Juventute ergeben. Die Stiftung fordert deshalb «mehr Freiraum für Kinder».
Von der Lust am Freiraum und am Selbst-Gestalten zeugen die Fotografien, die Beat Belser während eines Jahrs im Waldkindergarten auf Notkersegg gemacht hat. Sie zeigen Kinder einzeln, in ihr Tun versunken, in Gruppen am Werk, mal wild und mal konzentriert, mal von nah und mal fast verschwindend unter den hohen Bäumen. Die Bilder vermitteln den Eindruck, dass im Wald Spiel und Lernen Hand in Hand gehen und «wie von selber» passieren.
Die Ausstellung ist ein erster Teil der Jubiläumsaktivitäten zum 20jährigen Bestehen der Waldkinder St.Gallen. Später folgen eine CD und ein Jubiläumsfest.
Bilder: Beat Belser
Saiten wird im Märzheft ausführlich über die Waldkinder und die Naturpädagogik berichten.
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.