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Spielend lernen im Wald

1998 haben einige Eltern den Waldkindergarten St.Gallen gegründet. Zum Auftakt des 20-Jahr-Jubiläums ist bis Ende Woche eine Fotoausstellung im Lagerhaus zu sehen.
Von  Peter Surber

Wenn es draussen stürmte, schneite oder Katzen hagelte, habe sie sich als «Waldmutter» schon auch mal gefragt: «Muss das wirklich sein? Macht es Sinn, die Kinder am Morgen fünffach einzupacken? Wäre drinnen sein nicht auch ok?» Kristin Schmidt, Mutter zweier Waldkinder und Co-Leiterin der Fachstelle Kultur der Stadt, gab die Antwort an der Vernissage zur Fotoausstellung gleich selber: Ja, trotz manchen Widrigkeiten – es muss sein. Und es bringt viel, den Kindern und auf lange Sicht auch der Gesellschaft.

Was den Wald als Lernort auszeichnet? Für Kristin Schmidt ist er ein Ort für vielfältigste Wahrnehmungsschulungen. Er schärft das Gefühl für Raum, für offenen wie für gebauten; der Boden ist nie eben, statt Wände stehen Bäume da, das Dach besteht aus Blättern, das Spiel- und Lernmaterial lässt der Fantasie freie Bahn, die Dinge rundherum sind lebendig und kindergerecht – anders als die Stühlchen und Tischchen, in welche sich Kinder im «normalen» Kindergarten bereits früh einpassen müssten.

Fotoausstellung 20 Jahre Waldkinder:
Lagerhaus Davidstrasse 42,  bis 21. Januar (Fr 15-19 Uhr, Sa und So 14-17 Uhr)

waldkinder-sg.ch

20 Jahre nach der St.Galler Pioniergründung habe sich die Naturpädagogik etabliert und sei aus der Bildungslandschaft nicht mehr wegzudenken, sagte Roland Unternährer, der Präsident des Vereins, an der Vernissage. Und zitierte einen prominenten Kämpfer für die Naturpädagogik, den deutschen Autor und Neurologen Gerald Hüther: «In der Natur ist immer viel los». Hüther sieht im Wald den idealen Ort, um Kinder wie Erwachsene dazu zu befähigen, Gestalterin und Gestalter ihres eigenen Lebens zu werden – keine Selbstverständlichkeit in einer sonst weitherum domestizierten und fremdbestimmten Welt. In dieser nämlich spielt ein Kind in der Schweiz gerade noch 47 Minuten pro Tag draussen, davon 29 Minuten selbständig und ohne Aufsicht – das hat eine Studie der Pro Juventute ergeben. Die Stiftung fordert deshalb «mehr Freiraum für Kinder».

Von der Lust am Freiraum und am Selbst-Gestalten zeugen die Fotografien, die Beat Belser während eines Jahrs im Waldkindergarten auf Notkersegg gemacht hat. Sie zeigen Kinder einzeln, in ihr Tun versunken, in Gruppen am Werk, mal wild und mal konzentriert, mal von nah und mal fast verschwindend unter den hohen Bäumen. Die Bilder vermitteln den Eindruck, dass im Wald Spiel und Lernen Hand in Hand gehen und «wie von selber» passieren.

Die Ausstellung ist ein erster Teil der Jubiläumsaktivitäten zum 20jährigen Bestehen der Waldkinder St.Gallen. Später folgen eine CD und ein Jubiläumsfest.

Bilder: Beat Belser

Saiten wird im Märzheft ausführlich über die Waldkinder und die Naturpädagogik berichten.

 

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